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Wut über kaputte Rolltreppen und Aufzüge

Potsdamer Hauptbahnhof Wut über kaputte Rolltreppen und Aufzüge

Am Potsdamer Hauptbahnhof sind gleich vier Rolltreppen ausgefallen. Die Reparatur wird wohl bis Ende des Monats dauern. Auch der Glasaufzug in Richtung Busbahnhof war für Stunden außer Betrieb. Vor allem Menschen mit Geheinschränkungen und Rollstuhlfahrer wissen: Das kommt immer wieder vor. Die Leute sind sauer.

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Komplett gesperrt: die Rolltreppen zu den Regio-Gleisen 1 und 3.

Quelle: Marcel Kirf

Potsdam. Plötzlich entlädt sich die Wut am Potsdamer Hauptbahnhof. Ein Rentner steht am oberen Ende der gesperrten Rolltreppe, die hinunter zum Busbahnhof führt, nun aber ebenfalls steht, schwenkt drohend seinen Krückstock in der Luft und poltert los: „Ja, Herrgottzack! Wann reparieren die das Ding endlich mal? Das dauert ja schon wieder ewig!“ Sein Furor verhallt, ohne dass jemand da wäre, der sich angesprochen fühlt.

Auch ein wichtiger Aufzug ist defekt

Seit einer Woche ist die Rolltreppe außer Betrieb, nicht zum ersten Mal, wie Jana Strobach, Center-Managerin der Bahnhofspassagen, bestätigt. Mehrfach im Jahr komme das vor. Der externe Dienstleister, der die Rolltreppen sowohl betreibt als auch für deren Wartung zuständig ist, sei informiert. Nun heiße es auch für das Center-Management, zu warten. „Ich verstehe den Frust der Menschen, besonders wenn sie gehbehindert sind“, sagt Strobach. „Auch wir haben bereits das Gespräch mit dem Dienstleister gesucht. Wir waren schon in der Vergangenheit nicht immer zufrieden.“ Am Mittwochabend dann das: plötzlich ist auch noch der Glasaufzug am Südeingang defekt, die nahe Alternative, um zum Busbahnhof zu gelangen, ohne die steile Steintreppe nehmen zu müssen. „Der war nach einem Tag wieder repariert“, so Strobach. Doch bis dahin wussten insbesondere Rollstuhlfahrer nicht, wie sie weiterkommen sollen. Eine andere Möglichkeit, die viele nicht kennen, sind zwei Aufzüge auf der rechten Seite, die zum Erdgeschoss führen. „Sie gehen am DB Reisezentrum vorbei in Richtung Bundespolizei“, erklärt Strobach.

Wie gut sind die Bahnhöfe zu erreichen?

Fast 96 Prozent der Aufzüge auf Bahnhöfen des Eisenbahnregional- und S-Bahn-Verkehrs sind für die Fahrgäste verfügbar. Das behauptet eine interne Untersuchung des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), die im Mai erhoben und gestern veröffentlicht wurde.

Reisende in der Region haben da andere Erfahrungen gemacht. „Nach meinem Eindruck ist nahezu jede Woche mindestens einer der Aufzüge kaputt“, sagt zum Beispiel Nicole Einbeck, Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderung der Landeshauptstadt Potsdam. „Das ist ein ständiges Ärgernis. Viele Pendler erreichen die Bahnsteige gar nicht und kommen deshalb nicht weiter.“

Christoph Richter, Beauftragter für Menschen mit Behinderung der Landeshauptstadt Potsdam, betont: „Es ist wichtig, dass diese technischen Anlagen, wenn sie einmal nicht funktionieren, so schnell wie möglich repariert werden. Der Potsdamer Hauptbahnhof ist ein wichtiger Knotenpunkt, der von vielen Menschen mit Behinderung, Familien mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollator genutzt wird.“

Gereizt ist die Stimmung auch auf Gleis 3, als der vollbesetzt aus Berlin kommende RE1 Richtung Magdeburg einfährt. Hier sind gleich beide Rolltreppen defekt. Martin Lackschmidt geht das auf die Nerven: „Ich bin Pendler, am Ostbahnhof eingestiegen und seit 12 Stunden auf den Beinen. Da will ich hier einfach nur schnell durch.“ Am einzigen Aufzug auf dem Doppelbahnsteig bildet sich eine lange Schlange: Reisende mit schwerem Gepäck, Frauen mit Kinderwagen und Fahrgäste mit Fahrrad reihen sich ein unter die ohnehin dort wartenden alten Leute, Reinigungskräfte und Rollstuhlfahrer.

Reparatur bis Ende des Monats

Vier Rolltreppen am Potsdamer Hauptbahnhof sind gleichzeitig außer Betrieb, drei davon führen normalerweise zu den Regio-Gleisen 1 bis 4. Bis Ende des Monats sollen die entsprechenden Ersatzteile für die Reparatur eintreffen, sagte ein Bahnsprecher auf MAZ-Anfrage, auch in diesem Falle hänge dies von einem externen Dienstleister ab. Was die aktuelle Störung verursacht hat, ist noch unklar. In den meisten Fällen seien aber Verschleiß durch häufige Nutzung oder Vandalismus der Grund.

Von Marcel Kirf

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