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Senioren am Steuer ein Risiko?

Fachmann plädiert für Gutachten über Tauglichkeit Senioren am Steuer ein Risiko?

Wie lange sind ältere Menschen in der Lage, ein Fahrzeug im Straßenverkehr zu führen? Soll es einen Stichtag geben, an dem Senioren ihren Führerschein abgeben müssen? Oder regelmäßige Nachweise der Fahrtauglichkeit älterer Menschen? Ein Unfallforscher plädiert für letzteres und regt Gutachten über die Fahrtauglichkeit von älteren Fahrzeugführern an.

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Sicher am Steuer: Eva Gartmann (73) aus Wusterwitz fährt gern und gut Auto. „Wenn ich unsicher werden würde, würde ich freiwillig den Führerschein abgeben“, sagte sie im MAZ-Gespräch.

Quelle: J. Steiner

Brandenburg an der Havel. Der Mann am Steuer des Honda-Civic hat das Rentenalter erreicht. Er biegt ab von der Potsdamer Landstraße in die Potsdamer Straße stadteinwärts – mitten in den Gegenverkehr. Der betagte Fahrer erkennt nicht, dass die Straße vierspurig ist und wählt die stadtauswärts führende Spur des Gegenverkehrs. Entsetzt reißt seine Frau auf dem Beifahrersitz die Arme vor ihr Gesicht. Ihr Schreckensruf ist nur zu ahnen. Die anderen Autofahrer gehen in die Eisen. Sie können einen Frontalcrash verhindern.

Eine anderes Rentnerpaar hatte weniger Glück: Die 74-jährige Ehefrau bezahlte den Fahrfehler ihres Mannes bei einem Unfall im Jahr 2013 an gleicher Stelle der B1 mit dem Leben. Ihr 77-jähriger Mann hatte beim Überholen einen Lastwagen touchiert. Daraufhin überschlug sich der VW. Der Fahrer überlebte knapp, seine Frau war sofort tot.

Unverletzt, aber vom Schrecken gezeichnet, ist das Ehepaar, dessen Wagen am 28. September 2014 auf dem Mühlendamm in Flammen aufgegangen war. Der 78-Jährige war mit seinem Wagen in der 30er-Zone ungebremst gegen einen geparkten Jeep gefahren. Beide Wagen fingen durch die Wucht Feuer. Nur durch das beherzte Eingreifen zweier Männer, die die Insassen aus dem brennenden VW zogen, ist Schlimmeres verhindert worden. Der Mann musste sich schon vor dem Unfall schwer auf einen Gehstock stützen. Auch nach dem Unfall fuhr er weiter Auto.

Fahrtüchtig im Alter

In der Führerscheinstelle kann die Fahrerlaubnis freiwillig abgegeben werden, wenn sich der Inhaber nicht mehr für fahrtüchtig hält.

Wann sollte der Führerschein entzogen werden? Siegfried Brockmann, leitender Unfallforscher der Versicherer, weiß, dass Bundesbehörden an Konzepten arbeiten. Er favorisiert, dass, wie bei Fahrprüfungen, Gutachter bei älteren Menschen mitfahren, um so deren Fahrtauglichkeit zu überprüfen.

Die Polizei will Senioren mittlerweile wachrütteln durch Aktionen „Generation 65 plus – sicher mobil im Alter“. Ältere Menschen gelten als besondere Risikogruppe im Straßenverkehr. Auch 2015 ist in der Havelstadt der Anteil der Unfallverursacher über 65 Jahren am Unfallgeschehen gestiegen. 22 Menschen wurden zwischen Januar und Ende Mai verletzt, davon fünf schwer.

Bundesweit machen Unfälle von Senioren mit teils tödlichen Folgen Schlagzeilen: Eine 91-Jährige verwechselt in Bayern Brems- und Gaspedal, fährt in einen See, ihre Beifahrerin ertrinkt. Eine Jugendliche auf dem Bürgersteig stirbt, als eine Rentnerin aus dem gleichen Grund mit ihrem Auto in eine Fußgängergruppe rauscht.

„Der Anteil der Senioren in der Bevölkerung steigt durch den demographischen Wandel. Dies spiegelt sich auch in der Unfallstatistik wider“, sagt Polizeisprecherin Sandy Fenger. „Ältere Verkehrsteilnehmer sind zudem bis ins hohe Alter mehr und mehr daran interessiert, mobil zu bleiben“.

Motorik und Wahrnehmungsvermögen aber lassen nach. Vielen Autofahrern falle es schwerer, sich im Straßenverkehr sicher zu bewegen. Erschwert werde dies durch steigende Anforderungen allein schon durch das immer höhere Verkehrsaufkommen.

Von Marion von Imhoff

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