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Staubiger Schleichweg in Golzow

Verkehrskarawane am Sportplatz durch Vollsperrung Staubiger Schleichweg in Golzow

Christa Weile klopft den Staub aus den Stuhlpolstern, wischt zum dritten Mal die Tische ab, und seufzt beim Anblick der blinden Fensterscheiben. Die Pächterin des Golzower Sportlerheims muss in diesen Tagen eine Menge aushalten.

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Golzow. Unablässig fächelt der Westwind gelbe Wolken in Richtung Fußballrasen. Aufgewirbelt vom Kolonnenverkehr, der sich auf einer Sandpiste seinen Weg vorbei an der Vollsperrung der Ortslage sucht. Wer sich auf die nicht verbotene Wüstentour am Sportplatz einlässt, erspart sich die 20 Kilometer lange und offizielle Umleitung über Lehnin. Ein offenes Geheimnis – nicht nur unter Einheimischen.
Leidtragende des besonders in den frühen Morgenstunden und am Nachmittag explodierenden Verkehrsaufkommens sind neben den Gästen und Betreibern des Sportlerheims auch die Golzower am Mühlendamm und die Grüneicher, deren kleines Dorf als Teil einer heimlichen Umfahrung herhalten muss. „Es ist eine einzige, riesige Sand- und Staubwolke“, beklagte sich Christiane Jans in dieser Woche bei einer Gemeindevertretersitzung. Das bisschen Regen in der Nacht ist da nur der Tropfen auf den heißen Stein.

Nur wenige Tage nach der Sperrung der B 102-Ortsdurchfahrt hagelt es Beschwerden in Golzow. Jetzt wird überlegt, im Ortsteil Grüneiche die Höchstgeschwindigkeit zu beschränken. „Ob Tempo 20 oder 30. Es ist in jedem Fall notwendig“, findet auch Bürgermeister Ralf Werner.
 In Richtung Sportplatz kann man ohnehin nicht viel schneller fahren. Aber etliche Kraftfahrer beweisen das Gegenteil. Bürgermeister-Vize Peter Schmieder schlägt eine Befeuchtung der Sandpiste vor: „Dann ist die Staubbelastung geringer.“Da inzwischen auch Lastwagen den Schleichweg für sich entdeckt haben, befürchten die Abgeordneten eine weitere Zunahme des gewerblichen Verkehrs fern ab der ausgewiesenen Umleitung. Im abgeriegelten Dorf herrscht zumindest um die Mittagszeit gespenstische Ruhe. Der Parkplatz vor dem Discounter ist nahezu verwaist. Auch gegenüber an der Tankstelle herrscht gähnende Leere.

Offiziell darf nur der Linienbus die Baustelle tagsüber befahren. Von 17 bis 7 Uhr haben alle Anlieger freie Fahrt. Dennoch gibt es Verirrte und Kraftfahrer, die es drauf ankommen lassen, bis sie endgültig vor den Absperrungen der Baufirma Matthäi stehen. Wer durchgelassen werden will, muss schon einen guten Grund haben – Pensionsgast sein bei Familie Bürger zum Beispiel, die sich über die Zusammenarbeit mit den Bauleuten nicht beklagen kann.

Für Gewerbetreibende ist die bis September dauernde Fahrbahnerneuerung eine harte Nuss. „Trotz Bauarbeiten ab 8 Uhr geöffnet“, hat Anke Cierpinski von der Gaststätte „Zur Erholung“ wie zum Trotz auf eine Tafel geschrieben. „Doch um 13 Uhr mache ich dicht. Es lohnt sich nicht.
 Fürs Geschäft ist die Vollsperrung eine Katastrophe“, meint die Wirtin. Nebenan lockt der Blumenladen von Gabi Jähnich wegen der Bauarbeiten mit einem kostenlosen Lieferservice: „Wer nicht zu mir kommen kann, dem bringe ich die Blumen eben nach Hause. Aber die Laufkundschaft fehlt.“ Alle Hoffnungen richten sich jetzt darauf, dass die Bauleute den Termin halten.

Von Frank Bürstenbinder und Andreas Koska
 

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