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Steigende Nachfrage nach Taxiprüfungen

Taximarkt Berlin-Brandenburg Steigende Nachfrage nach Taxiprüfungen

Die IHK Cottbus hat an den Standorten Schönefeld und Cottbus im Jahr 2015 dreimal mehr Taxiprüfungen abgenommen als noch im Vorjahr. Das heißt jedoch nicht, dass es dreimal mehr Taxigewerbe in der Region gibt: Einige Prüflinge kommen aus Berlin, viele Kandidaten wiederholen die Prüfung mehrmals. Die Durchfallquote lag bei mehr als 50 Prozent.

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Der Flughafen Schönefeld ist ein heiß umkämpfter Taximarkt.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Schönefeld. Betrachtet man nur die Statistik der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, könnte man annehmen, dass es in der Region etwa dreimal so viele selbstständige Taxifahrer gibt wie noch vor einem Jahr: 2015 nahm die Kammer 160 sogenannte Sach- und Fachkundeprüfungen für den Taxen- und Mietwagenverkehr ab, im Vorjahr waren es noch 56. In den ersten Wochen des neuen Jahres hielt der Trend an, es liegen bereits viele Anmeldungen vor. Eine bestandene Prüfung ist notwendig, um ein eigenes Taxigewerbe anmelden zu können.

Tatsächlich machten sich nach Einführung des Mindestlohns viele Taxifahrer selbstständig, wie Boto Töpfer vom Taxiverband Berlin-Brandenburg bestätigt. Und auch die ab Januar 2017 geltende Pflicht, ein Fiskaltaxameter einzuschalten, macht die Selbstständigkeit attraktiver. „Die Steuerehrlichkeit ist im Taxigewerbe nach wie vor niedrig“, sagt Töpfer. Wer sein eigenes Gewerbe führe, werde weiterhin im Volksmund als Festpreis bekannte Preise ohne Taxameter anbieten und diese Fahrten nicht versteuern. Ein solcher zwischen Fahrer und Fahrgast vereinbarter Festpreis ist schon jetzt rechtswidrig, die wenigsten Fahrgäste wissen das.

Die Prüflinge der IHK Cottbus stammen nicht alle aus dem Einzugsgebiet der Kammer. Viele kommen aus Berlin – obwohl sie für die Prüfungsanmeldung in Schönefeld und in Cottbus eigentlich ihren Wohnsitz in Brandenburg haben müssten. Eine Prüfung in einem anderen Kammerbezirk ist nur möglich, wenn die zuständige Kammer den Prüfling aufgrund mangelnder Kapazitäten an eine andere verweist.

Bei der IHK Berlin ist der Andrang auf Taxiprüfungen noch größer, deshalb hat die Kammer einzelne Kandidaten an die IHK Cottbus verwiesen. Nach Angaben von Pressesprecher Leif Erichsen meldeten sich im vergangenen Jahr 675 Interessenten in Berlin zu einer Taxiprüfung an, tatsächlich erschienen sind allerdings nur 339. „Das Problem daran ist, dass freigewordene Plätze nicht so schnell nachbesetzt werden können“, sagt Erichsen. Die IHK Berlin bietet monatlich Plätze für 80 bis 100 Prüfungen.

Ein weiterer Grund für die vielen Prüfungsanmeldungen in Cottbus und Berlin ist die hohe Durchfallquote. Während sie im IHK-Bezirk Cottbus laut Pressesprecher Nils Ohl im Jahr 2010 noch bei 15 Prozent lag, fiel im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte aller Prüflinge durch – 58 Prozent, in Berlin sogar 69,8 Prozent. Einige Teilnehmer bestehen erst beim vierten oder fünften Versuch.

Die meisten Durchfaller sind Prüflinge mit Migrationshintergrund. „Sie sind in der deutschen Sprache nicht sicher genug“, erklärt Ohl dieses Phänomen. Außerdem würden sich viele die freiwillige Schulung sparen und sich auf eigene Faust vorbereiten. Ein Schulungsanbieter für die Taxiprüfung ist die Klett-Fahrschule in Königs Wusterhausen. Wie ihr Geschäftsführer Heiner Klett bestätigt, melden sich kaum noch Teilnehmer für den fünftägigen Lehrgang an.

Der boomende Tourismusmarkt Berlin-Brandenburg sowie die steigenden Passagierzahlen der Berliner Flughäfen sorgen dafür, dass die Nachfrage nach Taxifahrten in der Region hoch ist. In den vergangenen Jahren verlagerte die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg die Ankünfte und Abflüge der Billigfluglinien von Tegel nach Schönefeld. „Wer beim Flug spart, gönnt sich bei der Ankunft oft ein Taxi“, sagt Ohl.

Der Taximarkt in der Flughafenregion ist begehrt und die Lizenzvergabe klar geregelt. Am Flughafen Schönefeld dürfen nur Taxis auf dem Landkreis Dahme-Spreewald stehen und Fahrgäste aufnehmen. Wenn ein Passagier von einem Berliner Taxi abgeholt werden möchte, muss er es direkt bestellen. Fahrer und Fahrgast müssen sich dann auf dem Parkplatz treffen. Boto Töpfer weiß, dass auch hier getrickst wird: „Viele Berliner Taxifahrer melden einen Scheinbetriebssitz in Schönefeld an und können so dort fahren.“

Von Anja Meyer

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