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Über 150 Bummelbaustellen in Brandenburg

Genervte Brandenburger Über 150 Bummelbaustellen in Brandenburg

Verwaiste Geisterbaustellen, lange Sperren, ewige Staus: Brandenburgs Autofahrer sind genervt von Bummelbaustellen. Verkehrsexperten behaupten, viele Staus ließen sich vermeiden. Sie fordern Belohnungen für fixe Arbeiten und Strafen für Verzögerungen. Baufirmen hätte nichts dagegen. Aber ganz so einfach ist es nicht.

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In Brandenburg wird an vielen Stellen gebaut.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Mit Zuckerbrot und Peitsche gegen Baustellenfrust: Verkehrsexperten fordern Sonderschichten auf Brandenburgs Baustellen und sprechen sich für eine Ausweitung der sogenannten Bonus-Malus-Regelung im Straßenbau aus. Dabei wird für die Baudauer eine Frist gesetzt. Unterscheiten die Firmen die Bauzeit, erhalten sie eine Belohnung, wird die Baustelle später fertig, wird das Honorar gekürzt.

ADAC befürwortet Bonus für schnelles Arbeiten

„Wir haben nur positive Erfahrungen damit gemacht“, sagt Jörg Becker, Leiter Verkehr beim ADAC Berlin-Brandenburg. „Es ist ein Anreiz für Firmen, schneller zu bauen und trotzdem gute Qualität zu liefern.“ Gerade auf verkehrsreichen Straßen könnten Bauvorhaben durch das Belohnungssystem beschleunigt und die Nerven der Autofahrer geschont werden. „Viele Autofahrer haben wenig Verständnis für lange Bauzeiten, vor allem, wenn keine Arbeiter zu sehen sind“, so Becker.

Avus-Baustelle ein Jahr schneller fertig als geplant

„Ewig lange Baustellen gehen allen auf den Geist“, sagt auch Rainer Genilke, Verkehrsexperte der CDU-Fraktion im Landtag. „Man sollte mehr im Zwei-Schicht-Betrieb bauen und das Bonus-Malus-System häufiger anwenden“, sagt er. Brandenburg bleibe hier unter seinen Möglichkeiten. „Das Beispiel der Berliner Avus hat gezeigt, wie gut das funktionieren kann.“ Die Sanierung der verkehrsreichen Straße konnte ein Jahr früher abgeschlossen werden – dank eines Bonus in Millionenhöhe.

153 Schlafbaustellen gemeldet

153 Beschwerden über Schlafbaustellen ohne erkennbare Bautätigkeit in Brandenburg wurden beim Bundesverkehrsministerium gemeldet.

Im Herbst 2011

Die meisten Schlafbaustellen gibt es demnach in Nordrhein-Westfalen. Hier gab es 1505 Beschwerden.

Wenn nicht erkennbar gebaut wird, kann das mehrere Gründe haben: Asphalt muss aushärten, die Witterung lässt es nicht zu oder es gibt sonn- oder feiertägliche Pausen. Oft führen aber auch vertragliche Probleme oder eine schlechte Planung und Abstimmung zu Zwangspausen auf dem Bau.

Das Modell sei zwar teurer, räumt Genilke ein. „Aber allein wenn man bedenkt, wie lange Lkw mit ihren Ladungen im Stau stehen und wie stark die Umwelt belastet wird, rechnet sich das volkswirtschaftlich“, sagt der Politiker.

Bonus-System ist an bestimmte Regeln gebunden

Allerdings dürfen Belohnungen oder Strafen bei Bauprojekten nicht nach Gutdünken eingesetzt werden, der Bund hat das strikt geregelt. So sei das Bonus-Malus-System nur bei mehrstreifigen Autobahnen oder Bundesstraßen mit viel Verkehr vorgesehen, erläutert Thomas Schütt, Abteilungsleiter beim Landesbetrieb Straßenwesen. Auch die Höhe des Bonus hänge vom Verkehrsaufkommen ab. Bei vielen verkehrsärmeren Straßen in Brandenburg würde der Bonus deswegen so niedrig ausfallen, dass er seine Anreizwirkung verlöre, so Schütt. „Es kann dann für ein Unternehmen sogar wirtschaftlicher sein, eine Strafe zu zahlen, und langsamer zu bauen.“ Nämlich dann, wenn der höhere Personal- und Technikaufwand für rascheres Arbeiten teurer wäre als der zu erwartende Bonus.

Baubranchen mahnt gute Qualität an

Der Landesbetrieb setzt deswegen auf Vertragsstrafen, um Bummelbaustellen zu verhindern. Deren Höhe ist nicht an das Verkehrsvolumen gekoppelt. Sonderschichten auf Baustellen kann der Landesbetrieb aber nicht so einfach verordnen: Sie treiben die Preise nach oben und widersprechen dem bei Ausschreibungen geltenden Gebot der Wirtschaftlichkeit.

Die Baubranche jedenfalls hätte nichts gegen das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche, wie Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin-Brandenburg sagt: „Aus unserer Sicht sind Bonus-Malus-Regelungen auf Baustellen sinnvoll und richtig“, sagt er. „Mit Blick auf die Umsetzung ist es allerdings wichtig, die Qualität der Bauausführungen im Blick zu behalten.“ Mit anderen Worten: Belohnungen für zügiges Bauen dürfen nicht dazu führen, dass geschludert wird.

Von Torsten Gellner

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