Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regen

Navigation:
VBBr-Chef warnt vor schweren Unfällen

Crash-Schwerpunkt an ausgebauter Kreuzung VBBr-Chef warnt vor schweren Unfällen

Eigentlich ist es widersinnig: Vor drei Jahren ist die Kreuzung B 102/Upstallstraße/Rosa-Luxemburg-Allee in Brandenburg an der Havel runderneuert und komplett ausgebaut worden. Doch seitdem schnellen die Unfallzahlen in die Höhe, weil viele Autofahrer scheinbar überfordert sind.

Voriger Artikel
Neue Temporegel für Kyritzer Altstadt in Sicht
Nächster Artikel
Neue Zuschüsse für bröselnde Radwege

Unübersichtliche Situation vor allem für die Linksabbieger, die in die Rosa-Luxemburg-Allee einfahren.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel. Diese Unfall war ein typischer: Am vergangenen Sonntag um 12.56 Uhr ist der Fahrer eines Mietwagens Skoda Fabia mit einer Straßenbahn der Linie 6 an der Kreuzung der B 102 in Hohenstücken zusammengestoßen. Es blieb beim Blechschaden. Der Autofahrer kam von der Rathenower Landstraße aus Richtung Gördenbrücke und wollte nach links in die Rosa-Luxemburg-Allee abbiegen. Er hatte freie Fahrt, wurde aber durch die kleine Verkehrsinsel mit der roten Warnbake irritiert.

Den weißen Pfeil auf blauem Grund, der das Einordnen in die richtige Spur anzeigt, hat er wohl nicht wahrgenommen. Statt links - wie angezeigt – fuhr er rechts um die Insel und kollidierte mit der dort ebenfalls abbiegenden Straßenbahn. Offensichtlich hatte der Mann – der aus Florida (USA) kommen soll – die Orientierung verloren und war mit der komplexen Situation an diesem grauen Sonntag überfordert.

Mann verlor Orientierung

So hat es der Tramfahrer seinem Verkehrsbetriebe-Chef Werner Jumpertz geschildert. „Meinen Mitarbeiter trifft keine Schuld, er hat ordnungsgemäß die Polizei gerufen und diese hat den Unfallgegner kostenpflichtig verwarnt. An unserer Bahn ist ein Schaden von mindestens 2500 Euro entstanden.“

Doch das ist nicht Jumpertz’ Hauptproblem. „Unsere Fahrer berichten fast im Wochentakt von Beinahe-Unfällen. In den allermeisten Fällen dreht es sich nur um diese eine Stelle. Wir sind immer die Stärkeren, irgendwann kommt es auch wieder zu Verletzten und möglicherweise zu Toten.“

Jede Woche Beinahe-Unfälle

Die offiziellen Zahlen aus der Polizeidirektion West, geben dem Verkehrsbetriebe-Geschäftsführer recht (siehe Infokasten). In den kommenden Tagen will er noch einmal dringlich in der Verkehrsunfallkommission auf das Problem hinweisen – in dem Gremium sitzen Polizisten, Stadtverwalter aus Bau- und Ordnungsamt, Verkehrsbehörde sowie Verkehrsunternehmen. Einen Vorschlag will Jumpertz selbst machen. „Es wäre schon geholfen, wenn die Grünphase für die Linksabbieger in die Rosa-Luxemburg-Allee entkoppelt wird von der Grünphase der Straßenbahn. Wenn beide zu unterschiedlichen Zeiten fahren, kommt es nicht mehr zu den gefährlichen Begegnungen.“

43 Unfälle in drei Jahren

43 Unfälle ereigneten sich seit Dezember 2012 an der Kreuzung B102/Upstallstraße/Rosa-Luxemburg-Allee, davon neun mit Personenschaden.

Dabei wurden vier Menschen schwer und zwölf Menschen leicht verletzt, teilt Polizeikommissar Oliver Bergholz mit.

Neun Unfälle entstanden allein durch Fehler beim Abbiegen.

Wegen der Unfallhäufigkeit befasst sich die Unfallkommission der Stadt seit dem 25. März 2014 mit der Gefahrenstelle.

Seit genau einem Jahr ist sie offiziell Unfallschwerpunkt.

Das ist eine mögliche Lösung unter mehreren, sagt der städtische Verkehrsplaner Rolf Beyer. „Allerdings bedeuten Eingriffe in die Ampelregelung auch immer Nachteile für andere Verkehrsteilnehmer. Wir müssen an die Bundesstraße mit ihrem höheren Verkehrsaufkommen denken. Aber Sicherheit geht natürlich immer vor.“ Allerdings redet seit Anfang 2014 auch immer der Landesbetrieb Straßenwesen mit, weil der Bund seine eigenen Straßen zurückübernommen hat und der Landesbetrieb für deren Unterhalten sorgt. Neben dem Eingriff ins Ampelprogramm erwägt Beyer auch verbesserte Fahrbahnmarkierungen, welche die vorgeschriebenen Spuren eindeutiger kennzeichnen.

Anfang Dezember tritt die Unfallkommission das nächste Mal zusammen, dann wird auch intensiv über diese Kreuzung diskutiert, an der sich die Unfälle erst häufen seitdem sie eigentlich verkehrssicher ausgebaut worden ist – im Dezember 2012 wurde diese Abschnitt freigegeben. Die Stadtverwalter halten sich derzeit mit weiteren Vorschlägen bis dahin noch etwas bedeckt, um ihre Argumente für die anstehende Diskussion aufzusparen.

Von André Wirsing

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Auto & Mobiles