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Verkehr: Treuenbrietzen ist Modellkommune

Für mehr Sicherheit auf den Straßen Verkehr: Treuenbrietzen ist Modellkommune

Die Stadt Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) möchte in ihrem Gebiet die Zahl schwerer Unfälle mit Personenschaden oder gar Todesfolge drastisch reduzieren. Dazu hat sie den Zuschlag für das vom Land Brandenburg geförderte Projekt „Vision Zero“ erhalten. Aus der Statistik gehen drei Unfallschwerpunkte hervor.

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Auch dieser Unfall auf einem Feldweg bei Marzahna geht in die Treuenbrietzener Bilanz ein.

Quelle: FEUERWEHR

Treuenbrietzen. Noch ist es nur eine Vision. Doch möchte die Stadt Treuenbrietzen die Zahl der im Straßenverkehr getöteten und schwer verletzten Personen auf Null reduzieren. Das ist zumindest das Ziel des Projektes „Vision Zero“ – zu deutsch Vision Null. Für das vom Land Brandenburg geförderte Projekt hat die Stadt den Zuschlag als Modell-Kommune erhalten.

In dem Rahmen sind jetzt bereits statistische Daten zum Unfallgeschehen der Jahre 2010 bis 2014 erfasst und ausgewertet worden. Im Zuge der ohnehin seit dem vorigen Jahr laufenden Arbeit am Verkehrskonzept sollen nun konkrete Schritte vorgeschlagen werden, wie sich an Unfallschwerpunkten Gefahren drastisch minimieren und die Unfallfolgen deutlich abschwächen lassen.

Drei Unfallschwerpunkte in der Stadt

Als Häufungspunkte fallen drei Bereiche auf. Das sind der Kreuzung mit Kreisverkehr der Bundesstraßen  2 und 102, der Kurvenbereich der Landesstraße 85 am Friedhof in der Brücker Straße sowie im Zentrum der Geschäftsbereich im Karree von Großstraße, Bäckerstraße und Neue Marktstraße. Allerdings erfolgt dort derzeit gerade ein Umbau mit neuen Verkehrsführungen.

„Wie diese sich auswirken, werden wir dann in späteren Vergleichen sehen“, sagte René Kämpfer. „Auch wenn das Ziel eine komplette Reduzierung ist, wird es trotzdem auch zukünftig noch Unfälle geben“, erläuterte der Verkehrsexperte kürzlich in der Sitzung des Ausschusses für Stadt- und Ortsteilentwicklung. Er arbeitet als Experte des Berliner IGES-Institutes derzeit mit am Verkehrskonzept für Treuenbrietzen und hat die Unfallbilanz erstellt.

Laut offizieller Polizeistatistik des Landes Brandenburg ereigneten sich im Untersuchungszeitraum der fünf Jahre in der Stadt, deren Orteilen sowie auf den Straßen des Gebietes insgesamt 954 Unfälle. Davon hatten 93 Personenschäden zur Folge. Insgesamt waren 160 Menschen an Unfällen mit Personenschäden beteiligt. Drei Menschen wurden getötet. Darunter eine Fußgängerin, die im Jahr 2013 auf der Bundesstraße 2 im Stadtzentrum vor einen haltenden Lastwagen getreten war, als dieser gerade wieder anfuhr.

Mitten im Verkehrskonzept

Das Verkehrskonzept für die Stadt Treuenbrietzen wurde im Juni 2015 auf den Weg gebracht. Ein Jahr lang sollen zunächst Daten erhoben, Probleme zusammengetragen und Vorschläge für Verbesserungen erarbeitet werden.

Die Kosten von rund 20 000 Euro werden zu 80 Prozent aus Fördergeld zur Altstadtsanierung gedeckt. 20 Prozent Eigenanteil trägt die Kommune.

Eingebunden in die Konzeptarbeit sind auch Einwohner. Dazu finden Bürgerversammlungen statt.

Derzeit werden Daten von örtlichen Verkehrszählungen ausgewertet. Eine Anfrage für ein offizielle Zählung beim Landesbetrieb Straßenwesen läuft.

Mit dem Umweltministerium des Landes läuft die Abstimmung bezüglich einer Lärmkartierung.

„Die Bilanz von acht bis zwölf Prozent Unfällen mit Personenschäden ist im Vergleich nicht viel, aber immer noch zu viel“, sagte René Kämpfer bei der Auswertung der Zahlen. Daraus gehe auch hervor, dass der Großteil der an Unfällen Beteiligten zwischen 40 und 65 Jahre alt war. Außerdem auffällig: Unfallbeteiligte zwischen 18 und 25 Jahren, also die Gruppe der Fahranfänger.

Weniger Unfälle mit Fußgängern und Radlern

Zudem zeige die Statistik, dass innerhalb der fünf untersuchten Jahre die Zahl der Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern sank. Doch gab es von 2010 bis 2014 von den 954 Unfällen insgesamt 29 mit Radfahrern. In 20 dieser Fälle gab es Personenschäden, aber keine Toten. Mit Fußgängern gab es insgesamt 24 Unfälle, 16 davon mit Personenschäden.

Für  Radler wird es an der Ortsdurchfahrt  Treuenbrietzen  manchmal eng

Für Radler wird es an der Ortsdurchfahrt Treuenbrietzen manchmal eng

Quelle: Thomas Wachs

Allgemein ist die Situation für Radfahrer – besonders auf den Durchgangsstraßen im Treuenbrietzener Stadtzentrum – stets umstritten. Während Radler die für sie eingerichteten Sicherheitsspuren auf der Fahrbahn als zu gefährlich empfinden und auf Gehwege ausweichen, halten sie Verkehrsexperten inzwischen für die sicherste Lösung, um Konfliktpunkte zu minimieren. Das belegen Studien, die auch René Kämpfer zitierte. „Die Radfahrer fühlen sich zwar dort unsicherer, sind es aber laut Statistik eindeutig nicht“, so der Experte.

Am Ende steht eine Vorschlagsliste

Als nächste Schritte im Projekt „Vision Zero“ soll nun für Treuenbrietzen die Positionsbestimmung im Vergleich zu anderen Kommunen erfolgen. „Auch eine Detailbetrachtung der Unfallschwerpunkte in Bezug auf den Hergang und die Unfallursachen wird nun erfolgen“, erklärte der Diplom-Geograf vom Iges-Institut. Dessen Experten wollen demnächst dann konkrete Schritte zur Unfallvermeidung vorschlagen, die in Abstimmung mit dem Treuenbrietzener Verkehrskonzept umgesetzt werden sollten.

Von Thomas Wachs

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