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Wittenberger sammelt alles aus Eisen

Traditionspflege Wittenberger sammelt alles aus Eisen

Schon als Kind liebte Hans Christoph Beck aus Wittenberge alles, was mit Eisen zu tun hatte. Mit den Jahren wurde daraus eine wahre Sammelleidenschaft. Heute nennt er eine stattliche Sammlung alter Metall-Handwerkskunst sein eigen.

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Hans Christoph Beck mit dem voll funktionstüchtigen Lanz Bulldogg aus dem Jahr 1938.

Quelle: Kerstin Beck

Wittenberge. Irgendwo an der Wittenberger Peripherie steht ein Haus aus den 1970er Jahren; eines wie viele andere, möchte man meinen. Und wer daran flüchtig vorbeifährt, sieht jedoch das „Aushängeschild“ nicht: ein ordentlich in einem Gestell eingefasster Schleifstein mit tiefen Rillen im weichen Sandstein.

„Das passierte immer dann, wenn ein Messer geschliffen werden sollte, welches nicht ganz gerade war und Scharten hatte“, erklärt der Hausherr Hans Christoph Beck, für den der Schleifbock alles andere als nur ein Deko-Stück ist: Er ist ein Teil seines Lebens, denn das Gestell besteht aus Eisen.

Beck war schon als Kind wild auf alles Metallische

Zu Metallen aller Art zog es den heute 65-Jährigen schon als Kind. Die Eltern besaßen eine Gastwirtschaft, und viel lieber wäre es ihnen gewesen, wenn der Sohn beim Ausschank oder der Betreuung der Gäste geholfen hätte. Den Jungen interessierten aber nur die Messinghähne am Tresen, die wöchentlich einmal gereinigt und mit Rindstalg geschmiert werden mussten. „Und das machte ich dann ganz gewissenhaft jede Woche und hatte meine Freude dabei“, erinnert sich Beck.

Dann gab es die Müllkippen, wie etwa den „Krähenfuß“, die den Heranwachsenden magisch anzogen. „Denn da lag alles Mögliche aus Eisen umher, was die Leute weggeworfen hatten: alte Werkzeuge, Hufeisen, schmiedeeiserne Fenster, Petroleumlampen, Laternen, Büchsen, Teile von Gerätschaften aller Art. Das nahm ich alles mit, und es war klar, dass ich später beruflich etwas mit Eisen zu tun haben wollte.“

Aus dem Sammler wurde ein Installateur

So wurde aus dem Metallsammler ein Klempner und Installateur. Nach der dreijährigen Lehre im Nähmaschinenwerk Wittenberge, die nach dem Geschmack des Azubis „viel zu kurz war, denn sehr viel lernte ich noch hinterher“, war die Sammelleidenschaft noch gewachsen. Da das Grundstück allein die vielen metallenen Kostbarkeiten nicht aufnehmen kann, gibt es irgendwo außerhalb der Stadt noch eine „Außenstelle“ mit weiteren Schätzen.

In der picobello aufgeräumten „Lagerhalle“, in der man sprichwörtlich vom Fußboden essen könnte, ist das große Schild „Diamant-Bier“, das einst die Front der Gastwirtschaft zierte, gelandet. Aber ins Auge fällt gleich etwas anderes: ein voll funktionsfähiger Lanz-Bulldogg von 1938. „Der Hersteller Lanz in Mannheim stellte erst 1921 Traktoren her, wurde dann aber führender Hersteller dieser Maschinen“, gibt es als Erklärung dazu. Gleich links daneben steht eine Sammlung von Stationär-Motoren aus den Jahren 1925 bis 1935, und wenn dann doch einmal etwas zu reparieren ist, holt der Fachmann die Lötlampe von 1940 hervor. Im Regal rechts liegen dafür Ersatzteile aller Art, wie zum Beispiel Zylinderköpfe für den Lanz. „Alles da. Die Sachen sind zwar gebraucht, aber völlig in Ordnung.“

Bestens restaurierte Sammlerstücke

In der rechten Hallenseite beherrscht ein stehender Glühkopfmotor von 1920 das Bild. „Früher wurden von diesem Motoren Dreschmaschinen, Kreissägen und Schrotmühlen angetrieben, deshalb ist so etwas heute kaum noch zu finden“, ist zu diesem bestens restaurierten Stück zu erfahren. Und dann kommt etwas, was Wittenberger Zeitgeschichte dokumentiert, aber in einem „richtigen“ Museum wohl nicht zu finden ist: ein Straßenschild von der Bad Wilsnacker Straße sowie ein Windrichtungsanzeiger vom sogenannten Millionen-Tank, in dem das Speiseöl der Herzschen Ölmühle aufbewahrt wurde. Denn: Beide Schilder sind mit Einschusslöchern versehen. „Das erste ist vermutlich von den Russen durchschossen worden und das zweite von den Engländern.“

Auch der Zwinger für die beiden Wachhunde ist mit eisernen Fundstücken verziert. „Metall - das ist mein Leben,“ sagt Hans Christoph Beck. Für Ehefrau Heidi ist die Eisen-Leidenschaft ganz normal. „Das ist nun mal sein Hobby und ganz in Ordnung.“

Der Eisenspezialist geht gern auf Oldtimertreffen

Rentner haben niemals Zeit – dieser Spruch passt insbesondere auch auf Hans Christoph Beck. Schließlich will noch ein historischer Traktor von 1940 tipptopp gemacht werden, und neben der Lagerhalle soll noch eine Feldschmiede aufgebaut werden - der Schornstein steht schon. Aber wenn es die Zeit zulässt, wird der Eisenspezialist auch auf den gängigen Oldtimertreffen zu sehen und – laut bullernd mit dem Lanz – zu hören sein, wie etwa auf dem Traktorentreffen in Perleberg am 16. April.

Hinweis: Die Autorin ist die Cousine des Sammlers Hans Christoph Beck.

Von Kerstin Beck

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