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Den Rasern mit Superblitzer auf der Spur

Geschwindigkeitsmessung 3.0 Den Rasern mit Superblitzer auf der Spur

Lasertechnik erobert die Straßen in Potsdam-Mittelmark: Schon aus 50 Metern Entfernung wird die Geschwindigkeit eines Rasers von dem Mehrstrahl-Blitzer etwa 1000 Mal erfasst, 15 Meter davor schießt die Kamera dann das unliebsame Foto. Wie bei den manuellen Messungen der Polizei bereits etabliert, hat der Kreis nun ein mobiles Lasermessgerät hinzugewonnen.

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Sascha Wiznerowicz und der neue mobile Blitzer.

Quelle: Melanie Höhn

Bad Belzig. Lasertechnik erobert die Straßen im Landkreis Potsdam-Mittelmark: Schon aus 50 Metern Entfernung wird die Geschwindigkeit eines Rasers von dem Mehrstrahl-Blitzer etwa 1000 Mal erfasst, 15 Meter davor schießt die Kamera dann das unliebsame Foto. Wie bei den manuellen Messungen der Polizei bereits etabliert, hat der Kreis nun ein mobiles Lasermessgerät hinzugewonnen.

Mit der Technik namens „PoliScan Speed“, das sich problemlos in einem Auto verstecken kann, wird die Messung nicht mehr durch Bäume oder Leitplanken gestört. Sascha Wiznerowicz von der Straßenverkehrsbehörde kann mit seinem Transporter auch in Kurven stehen und braucht nicht mehr wie die alte Radarmessung eine Gerade von 30 Metern. „Ein großer Vorteil ist auch, dass ich damit beide Fahrbahnen messen kann. Das war vorher nicht möglich“, erklärt er. „Außerdem ist die Anlage effizienter, denn Autofahrer erkennen sie nicht so schnell von weitem.“ Bald sollen auch Blitzersäulen folgen, in denen ebenfalls Lasertechnologie verbaut ist.

250 Bilder innerhalb von dreieinhalb Stunden

Das neue Gerät ist nun zusammen mit dem alten Radarblitzer „Speedophot“ im Landkreis unterwegs, im Schichtdienst teilt sich der 38-Jährige mit drei Kollegen die Arbeit. Zwei Mal am Tag wechselt Wiznerowicz den Einsatzplatz, etwa drei Stunden misst er an einer Stelle. Am Laptop kann der Experte die Geschwindigkeitsverstöße direkt auswerten, alles geschieht kabellos. Mit der Anlage ist es auch möglich, drei bis vier Autofahrer gleichzeitig zu fotografieren.

Bürger, die sich durch Raser in ihrer Gegend gestört fühlen, können sich an die Straßenverkehrsbehörde wenden und eine Messung fordern. In dieser Woche war er wegen einer Beschwerde beispielsweise schon in Stahnsdorf unterwegs und überführte dort einige Verkehrssünder. In Jeserig hat er in diesem Jahr innerorts einmal 250 Bilder innerhalb von dreieinhalb Stunden gemacht, ähnlich war die Situation in Saarmund. Bürgerkontakt nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung hat Wiznerowicz wenig. „Manchmal muss ich mit einem Stinkefinger leben, doch ich nehme es sportlich“, bemerkt er. Bedroht wurde er noch nie, auch sei vor Ort noch niemand ausgerastet.

Straßenverkehrsexperte Wiznerowicz zeigt die Auswertung am Laptop

Straßenverkehrsexperte Wiznerowicz zeigt die Auswertung am Laptop.

Quelle: Melanie Höhn

Die Testphase des neuen Gerätes ist nun vorüber, seit Februar wurden damit viele mobile Raser erwischt. Die Quote der Geschwindigkeitsüberschreitungen bei der mobilen Messung sank jedoch im Landkreis Potsdam-Mittelmark im ersten Halbjahr 2015: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Anzahl der Fahrzeuge um 27,7 Prozent an, die Verstöße jedoch nur um 6,4 Prozent.

In den 18 Ämtern und Gemeinden des Landkreises wurden insgesamt 705 Kontrollen durchgeführt, 169 Verkehrskontrollen mehr als noch im letzten Jahr.

Stationäre Messungen zeigen ein anderes Bild

Wenig zu tun hat Wiznerowicz in Seddin, in den letzten Jahren kristallisierten sich jedoch Wiesenbruck und Ziesar als Orte heraus, wo viele Raser unterwegs sind. Ob das 2015 auch der Fall sein wird, entscheidet erst die Endjahresstatistik. Generell werden Autos mit vielen PS häufiger geblitzt, „da geht es sehr schnell, dass sich die Geschwindigkeit erhöht,“ so Wiznerowicz.

Verstöße an roter Ampel halbiert

Die Überwachung der Einhaltung von Ampeln erfolgt auf der B 2 in der Gemeinde Seddiner See. Während der Einsatzdauer der Anlage wurden dort insgesamt 1 100 584 Fahrzeuge gemessen und 493 Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Der Vergleich mit den Werten des Vorjahres zeigt, dass sowohl Einsatzstunden, gemessene Fahrzeuge und festgestellte Ordnungswidrigkeiten zurückgegangen sind. Gab es 2014 noch 949 Verstöße, halbierten sich diese 2015 auf 493. Das wird damit begründet, dass die Anlage zu Beginn des Jahres auf Digitalbetrieb umgerüstet wurde.

Die stationären Messungen zeigen im Gegensatz zu den mobilen Blitzern ein anderes Bild: Während die Anzahl der gemessenen Fahrzeuge nur um 3,4 Prozent stieg, hat sich die Anzahl der Überschreitungen um 18,1 Prozent erhöht. Die sechs Geräte befinden sich in Kleinmachnow, Treuenbrietzen, Neubensdorf, Derwitz, Niemegk, Michendorf, Seddiner See, Rogäsen, Dippmannsdorf und Groß Kreutz Ausbau.

Menschen fahren bewusster und bedachter Auto

Sascha Wiznerowicz kann sich nicht erklären, warum im Verhältnis gesehen mehr Raser mit den stationären anstatt mit den mobilen Messgeräten überführt wurden. „Ehrlich gesagt ist es mir ein Rätsel, zumal mittlerweile jedes Navigationssystem davor warnt. Prozentual gesehen müssten mehr Fahrer durch mobile Blitzer überführt werden.“

Insgesamt gesehen fahren die Menschen in Potsdam-Mittelmark seiner Meinung nach bewusster und bedachter, „weil die Strafen für Verkehrssünder immer höher werden. Wer kann es sich schon leisten, den Führerschein zu verlieren“.

Von Melanie Höhn

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