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BER-Brandschutzfirma Imtech ist pleite

"Task Force" klärt Sachverhalt BER-Brandschutzfirma Imtech ist pleite

Wieder eine Hiobsbotschaft für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld: Die deutsche Tochter des niederländischen Gebäudetechnik-Anbieters Imtech, die Ausrüster des BER ist, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Nun gibt es erste Stimmen, die ein Wanken des Zeitplans für die Dauerbaustelle befürchten. Eine "Task Force" wird zur Untersuchung eingesetzt.

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Der neue Terminal am BER.

Quelle: dpa

Gouda, Schönefeld. Die deutsche Tochter des niederländischen Gebäudetechnik-Anbieters und Ausrüsters des neuen Hauptstadtflughafens BER, Imtech, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte die Konzernmutter am Donnerstag mit. Man prüfe nun die aktuelle Lage und die möglichen Konsequenzen, hieß es bei der Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Gouda. Die Firmenpleite bringt den Zeitplan für den neuen Hauptstadtflughafen aus Sicht des Vorsitzenden des Berliner Flughafen-Untersuchungsausschusses nun ins Wanken.

Eröffnungstermin könnte gefährdet sein

„Ich halte den Eröffnungstermin für stark gefährdet“, sagte Martin Delius (Piratenpartei) am Freitag. Er stützte sich auf Aussagen des früheren Flughafenchefs Hartmut Mehdorn im Ausschuss, der die Firma als extrem wichtig für das Milliardenprojekt bezeichnet habe. In Aufsichtsratskreisen hieß es am Freitag, die Insolvenz werde „mit Besorgnis“ gesehen. Die Gremien des Aufsichtsrats würden die Lage in Kürze erörtern.

Der Imtech-Deutschland-Chef Felix Colsman hat indes "im Lichte dieser Entwicklungen und der möglichen daraus entstehenden Konflikte" seinen Rückzug aus dem Konzernvorstand beschlossen, in Deutschland solle er aber weiter die Führung innehaben.

Die Berliner Flughafen-Gesellschaft hatte sofort nach Bekanntwerden der Insolvenz mit Untersuchungen begonnen, ob der Antrag auf ein vorläufiges Insolvenzverfahren von Imtech Deutschland Auswirkungen auf die Baustelle in Schönefeld haben könne. "In einem Telefongespräch sicherte Felix Colsman der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH maximale Unterstützung bei der Weiterführung der Imtech-Arbeiten zu", hieß es. Das Unternehmen ist bei dem mehrfach verzögerten Großprojekt für wichtige Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten zuständig und wurde dabei bereits scharf kritisiert.

"Task Force"-Einsatz am BER

Nach dem Insolvenzantrag des Gebäudetechnikausrüsters Imtech sollen nun Baufachleute und Juristen die möglichen Folgen für den neuen Hauptstadtflughafen klären. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hat dafür eine „Task Force“ eingesetzt, wie die Betreibergesellschaft am Freitag mitteilte. „Klar ist aus unserer Sicht, dass die Insolvenz Auswirkungen auf unsere Meilenstein-Planung hat, nach der der Abschluss der baulichen Arbeiten im März 2016 vorgesehen ist.“

Teile der Imtech-Belegschaft seien schon am Freitag nicht mehr auf der Baustelle erschienen, sagte Mühlenfeld. Ob die Insolvenz auch die im zweiten Halbjahr 2017 geplante Flughafen-Eröffnung gefährde, werde die Arbeitsgruppe abschließend klären.

Verzögerungen so gering wie möglich halten

Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagte, die Entwicklung müsse sehr ernst genommen werden. „Es muss alles getan werden, um terminliche Verzögerungen zu vermeiden, zumindest aber in ihren Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.“ Der Projektausschuss des Aufsichtsrats werde in Kürze dazu tagen. Bretschneider rief weiter zu Sachlichkeit in der Debatte auf und warnte vor rhetorischen Schnellschüssen.

Im Zusammenhang mit Imtech-Aufträgen am BER hatte es zudem Korruptionsvorwürfe gegeben . Ein früherer Bereichsleiter des Flughafens wurde im Mai in Untersuchungshaft genommen, wie die Staatsanwaltschaft Neuruppin damals bestätigte. Der frühere Prokurist soll Imtech-Nachforderungen von über 60 Millionen Euro bewilligt haben, nachdem er von dem Konzern 150 000 Euro Schmiergeld erhalten habe. Dringender Tatverdacht besteht auch gegen einen ehemaligen Deutschland-Chef und gegen einen Regionalleiter von Imtech.

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Von MAZonline und dpa

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Luftbilder vom Flughafen BER

Der Berliner Flughafen BER in Schönefeld aus der Luft. Seit 2006 wir der neue Hauptstadtflughafen gebaut. Mitte Juni 2012 sollte dort der Flugbetrieb aufgenommen werden, doch technische und organisatorische Probleme verzögerten die Eröffnung auf (bisher) unbestimmte Zeit hinaus.