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Der Lärmteppich ist ausgerollt

Eichwalder beklagen Belästigung nach der Inbetriebnahme der Südbahn Der Lärmteppich ist ausgerollt

Nach der Inbetriebnahme der Südbahn am Flughafen Schönefeld beklagen Eichwalder eine erhöhte Lärmbelästigung. Der Leiter des Schallschutzes am Flughafen, Ralf Wagner, hält dagegen. Sämtliche Messwerte liegen demnach unter den errechneten Schallpegeln.

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Andreas Mengering (2.v.r.) und andere Anwohner aus der Lindenstraße wollten wissen, wie hoch der Fluglärmpegel ist.

Quelle: Uta Schmidt

Eichwalde. Wachgerüttelt – und das im wahrsten Sinne des Wortes – sind die Flughafen-Anrainer in Eichwalde, seitdem der Flugbetrieb am Flughafen Schönefeld auf der südlichen Start- und Landebahn abgewickelt wird. Vorerst sechs Monate lang starten und landen dort etwa 200 Flugzeuge am Tag. Damit haben die Eichwalder einen Vorgeschmack auf die Belastungen der Zukunft bekommen. Bis zu 360 000 Flugbewegungen pro Jahr werden ab 2018 auf den beiden Start- und Landebahnen erwartet.

„Es ist bei uns jetzt schon viel lauter geworden“, sagt Andreas Mengering aus der Lindenstraße. Zwar würde er die landenden Maschinen grundsätzlich leiser als die startenden wahrnehmen, aber der Landeanflug dauere in geringer Höhe viel länger als auf der Nordbahn. Diese Beobachtungen bestätigt Nachbar Jochen Sieber. „Die Flugzeuge fliegen jetzt viel tiefer und der Überflug dauert länger“, sagte er.

Eltern in Sorge um ihre Kinder

Am Dienstagabend nutzten Einwohner und Gemeindevertreter die Sitzung des Ordnungs- und Flughafenausschusses, um mit dem Leiter Schallschutz des Flughafens, Ralf Wagner, über aktuelle Lärmmesswerte, Umweltbelastungen und Schallschutzfragen zu diskutieren. Unter dem dichter werdenden Lärmteppich hätten vor allem die Kinder in der Kita und der Grundschule zu leiden, so die Sorgen von Eltern. „Welche Möglichkeiten zur Verlegung von Kindereinrichtungen oder der Einschulung in anderen Gemeinden gibt es, wenn der Fluglärm unerträglich wird?“, fragte Susanne Fröhlich. Andere Eltern haben bei ihren Kindern bereits Belastungssymptome durch Lärm festgestellt. „Wenn über 20 Kinder in der Klasse sind, bringen die Lüfter die Leistung nicht mehr. Die Fenster können gar nicht auf Dauer geschlossen bleiben. Das hat Folgen“, meinte eine Mutter.

Messwerte liegen unter errechnetem Schallpegel

Schallschutzchef Ralf Wagner informierte die Eichwalder über die neusten Messergebnisse der mobilen Schallpegelmessstation am Platz der Republik. Dort wurden bei Landungen Spitzenwerte von 74,7 Dezibel und bei Starts von 68,8 Dezibel gemessen. „Diese Werte liegen deutlich unter den errechneten Schallpegeln für Eichwalde, die bei 86 Dezibel festgesetzt wurden. Das liegt daran, dass dem Rechenverfahren bewusste Überschätzungen und ein Flugzeugmix aus den 90er Jahren zu Grunde liegen“, sagte er. Wagner stellte in Aussicht, dass sich die Flugrouten nach BER-Eröffnung noch einmal verändern, um Kollisionen von startenden und landenden Flugzeugen auf Nord- und Südbahn zu verhindern.

Befürchtungen einer höheren Luftverschmutzung durch die in geringerer Höhe über den Ort fliegenden Maschinen bestätigte Wagner nicht: „Wir haben drei Luftgütemessstationen in Königs Wusterhausen, Blankenfelde und direkt am Flughafen aufgestellt. Alle drei Stationen registrierten typische vorstädtische Belastungen“. Ebenso habe das Biomonitoring bei Bienen, Grünkohl und Gras keine Auffälligkeiten gezeigt. Die Verbrennung in modernen Triebwerken und der Schadstoffausstoß wären mit denen von Autos vergleichbar.

Von Uta Schmidt

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