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Flughafenflop BER: Chronik einer Pleite

Geplanter Hauptstadtflughafen Flughafenflop BER: Chronik einer Pleite

Der Eröffnungstermin für den BER ist unklarer denn je. Ende September 2015 ist für die Dauerbaustelle in Schönefeld ein Baustopp verhängt worden. Ursprünglich sollte der Hauptstadtflughafen 2011 eröffnen. Dann folgte eine Pleite der nächsten Peinlichkeit. Wir zeichnen den Weg der Pleite in unserer Chronik nach.

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Der Flughafen BER ist seit über zehn Jahren eine Dauerbaustelle.

Quelle: dpa-Zentralbild

Schönefeld. Es gibt ein Foto, das ziemlich gut zeigt, wie und warum sich der geplante Hauptstadtflughafen BER von einem hoffnungsvollen Projekt zu einer totalen Pleite entwickeln konnte.

5. September 2006: Sechs Männer strahlen um die Wette, sie halten alle einen Spaten in der Hand und schauen in ein Pulk von Fotografen und Kameramänner. Der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn, der einstige BER-Chef Rainer Schwarz, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und BER-Manager Thomas Weyer haben sich in Schönefeld für den symbolträchtigen Spatenstich auf dem Flughafengelände getroffen und geben somit den Startschuss für das vielbeachtete Bauprojekt.

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2006 wurde das Projekt „Hauptstadtflughafen“ in Schönefeld mit einem Spatenstich offiziell eröffnet. Geplant wird der Flughafen aber schon länger – bereits 1991 gründete sich eine Berlin Brandenburg Flughafen Holding. In der Bildergalerie zeigen wir, wie sich der BER von einem hoffnungsvollen Vorzeigeprojekt zu einer Pleitenummer entwickelt hat.

Zur Bildergalerie

Neun Jahre später arbeitet keiner der Sechs mehr in seinem einstigen Job. Rainer Schwarz musste gehen, nachdem der erste Eröffnungstermins des BER platzte, Nachfolger wurde Hartmut Mehdorn, der an dem Job ebenfalls scheiterte. Platzeck gab seinen Posten als Ministerpräsident wegen gesundheitlicher Gründe auf. Gut möglich, dass ihm auch das BER-Chaos zugesetzt hat. Wowereit zog sich auch von seinem Bürgermeisterposten zurück. Offiziell nicht wegen des Flughafens. Er fand, es sei an der Zeit. Auch Tiefensee und Weyer haben längst andere Aufgaben. So zeigt das Bild gut, dass es in den letzten Jahren rund um den BER nur eine Konstante gab – nämlich einen stetigen Personalwechsel. Dieser ständige Personalwechsel an wichtigen Schlüsselpositionen ist wohl einer der Hauptgründe, warum der Flughafenbau so scheitern konnte.

In der Bildergalerie können Sie die Entwicklung des BER-Bauprojekts nachvollziehen.

Die wichtigsten Punkte gibt es außerdem hier:

– Dezember 1991: Gründung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF). Gesellschafter sind die Länder Berlin und Brandenburg.

– Juni 1996: Der Ausbau Schönefeld sowie die Schließung von Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

– August 2004: Das Genehmigungsverfahren wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.

– April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt einen Baustopp.

– März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Airport-Bau unter verschärften Lärmschutzauflagen.

– Oktober 2008: Der Flughafen Tempelhof schließt.

– Oktober 2009: Brandenburgs Verkehrsministerium erlässt eine Nachtflugregelung: Keine Starts und Landungen von Mitternacht bis 5 Uhr, Ausnahme Post- und Regierungsmaschinen, Notfälle. In den Randzeiten davor und danach ist die Zahl begrenzt. Um diese Regelung wird später noch erbittert gestritten zwischen Berlin und Brandenburg.

– Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von November 2011 auf den 3. Juni 2012 verschoben.

– September 2010: Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.

– Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.

– Januar 2012: Das Bundesaufsichts amt für Flugsicherung legt die Flugrouten fest und folgt im wesentlichen einem Vorschlag der Fluglärmkommission aus Gemeinde- und Airline-Vertretern.

– Mai 2012: Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chef-Planer Manfred Körtgen entlassen.

– Juni 2012:
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg spricht den Anwohnern das Recht auf besseren Schallschutz zu.

– Juli 2012:
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig weist die Klage von Anwohnern ab, das Genehmigungsverfahren für den neuen Hauptstadtflughafen neu aufzurollen. Jetzt steht der Eröffnung des Airports zumindest juristisch nichts mehr im Weg.

– Januar 2013:
Rainer Schwarz muss seinen Hut nehmen – Nachfolger wird im März Hartmut Mehdorn. Der Brandenburger Landtag richtet einen Untersuchungsausschuss ein. Auch im Berliner Abgeordnetenhaus gibt es einen.

Dezember 2014:
Hartmut Mehdorn will nicht mehr und kündigt seinen Rücktritt für Mitte 2015 an.

– März 2015:
Die Kosten für den BER steigen in ungeahnte Höhen – Mehdorn vermutet, dass die Kosten bei über 5,4 Milliarden Euro liegen werden.

– Juni 2015: Hartmut Mehdorn gibt sein Amt nach Querelen mit dem Aufsichtsrat endgültig auf, Nachfolger Karsten Mühlenfeld übernimmt. Er will sich nicht auf einen Eröffnungstermin festlegen und visiert Herbst 2017 an.

– September 2015:
Die zuständige Bauaufsicht verhängt einen sofortigen Baustopp am BER. Grund: Die Haupthalle ist einsturzgefährdet, weil dort zu schwere Ventilatoren eingebaut wurden. Der anvisierte Eröffnungstermin im Herbst 2017 rückt damit in weite Fern

Von MAZonline

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Luftbilder vom Flughafen BER

Der Berliner Flughafen BER in Schönefeld aus der Luft. Seit 2006 wir der neue Hauptstadtflughafen gebaut. Mitte Juni 2012 sollte dort der Flugbetrieb aufgenommen werden, doch technische und organisatorische Probleme verzögerten die Eröffnung auf (bisher) unbestimmte Zeit hinaus.