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Flugzeug kracht mit Vorfeldbus zusammen

Großübung auf dem Flughafen BER Flugzeug kracht mit Vorfeldbus zusammen

Bei der bisher größten Notfallübung im Land Brandenburg krachte am Sonnabendmittag auf der Südbahn des Flughafens Schönefeld ein Flugzeug mit einem Vorfeldbus zusammen. Betroffen waren etwa 500 Personen, von denen die Hälfte verletzt wurde. Ihnen zu Hilfe eilten etwa 1400 Einsatzkräfte aus Berlin und Brandenburg.

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Rettungskräfte der Feuerwehr bringen die Verletzten – hier nur Dummies – zu den Patientenablagen, wo sie erstversorgt werden.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Schönefeld. Auf der Südbahn des Flughafens Berlin-Brandenburg (FBB) steigt nach der Kollision eines mit 450 Passagieren besetzten Flugzeugs und eines Vorfeldbusses mit 50 Fahrgästen Rauch auf. Damit beginnt am Sonnabend um 11.30 Uhr mit 1400 Einsatzkräften die bisher größte Übung in Brandenburg – eine der größten in Deutschland überhaupt. Sie trägt in Fachkreisen den Titel „MANV 500“ („Massenanfall an Verletzten“) und wurde unabhängig vom jüngsten Terroranschlag auf dem Brüsseler Flughafen schon seit zwei Jahren vorbereitet.

Als Erste am Unfallort beginnen die Mitarbeiter der Flughafenfeuerwehr schon nach knapp 80 Sekunden mit der Brandbekämpfung. Wenige Minuten später ist der Brand gelöscht. 250 Personen können Flugzeug und Bus unverletzt in Richtung FBB-Konferenzzentrum verlassen, wo sie betreut und ihre Personalien erfasst werden.

Mitten auf dem Vorfeld kollidierte ein Flugzeug mit einem Bus – zum Glück nur zu Übungszwecken

Mitten auf dem Vorfeld kollidierte ein Flugzeug mit einem Bus – zum Glück nur zu Übungszwecken.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Angereist sind mehr als 40 Medienvertreter aus dem In- und Ausland sowie 90 Fachbeobachter, unter anderem von Luftfahrtbehörden und Polizeidienststellen. „Ziel ist es, die kreis- und länderübergreifende Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte sowie die medizinische Erstversorgung und Betreuung bei derart vielen Verletzten zu proben“, sagt Wolfgang Starke, der als Dezernent des Kreises Dahme-Spreewald die Gesamtverantwortung für diese 80 000 Euro teure Großübung trägt. Starke sagt, dass der Landkreis auch für den Rettungsdienst auf dem Flughafen zuständig ist, so dass hier 2017 noch eine Rettungswache für 1,4 Millionen Euro errichtet wird.

Am Unfallort sowie den drei Bereitstellungsorten BER Ost, Schönefeld und Waltersdorf treffen inzwischen immer mehr Einsatzkräfte ein, für deren reibungslose Anfahrt die Polizei sorgt.

Rettungskräfte brachten die Verletzten  – sie wurden durch Dummies simuliert – in Sicherheit

Rettungskräfte brachten die Verletzten – sie wurden durch Dummies simuliert – in Sicherheit.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Der leitende Notarzt Benno Bretag betont, dass es wichtig ist, die „Chaosphase“ nach einem solchen Unfall gering zu halten und binnen zehn Minuten eine Grundstruktur zu schaffen. Direkt auf dem Flugfeld entstehen sogenannte Patientenablagen beziehungsweise Behandlungsplätze, in denen die Schwere der Verletzungen in drei Kategorien – akut bedroht, schwer und leicht verletzt – erfasst wird. Die 125 schwer Verletzten werden durch Patientendummies – mit Sand gefüllte Einweg-Chemieanzüge – simuliert, die angesichts der mit Beginn der Übung einsetzenden heftigen Schauer für die Trägerkolonnen der Feuerwehr immer schwerer werden. Auch die Sichtungskarten der Patienten beginnen aufzuweichen. Nach einer guten Stunde werden die ersten „schwer Verletzten“ in die Kliniken transportiert. Für Bretag ist dies angesichts eines solchen Massenunfalls ein „normaler Zeitablauf.“ Zumal viele ehrenamtliche Helfer erst angefordert werden müssen. Gegen 12.20 Uhr kreist über der Südbahn ein Hubschrauber, der den Unfallort mit Fotos und Videos für die Ursachenforschung durch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung dokumentiert. Zur Klärung der Schuldfrage ist dies später auch für die Staatsanwaltschaft wichtig.

Nach drei Stunden zieht Starke ein erstes Resümee: „Mit dem bisherigen Verlauf sind wir sehr zufrieden. Die Alarmierung sowie die erst 2015 auf Digitalfunk umgerüstete Kommunikation einschließlich der medizinischen Erstversorgung der Patienten hat geklappt.“

Unzählige Einsatzfahrzeuge und Rettungskräfte waren an der Übung beteiligt

Unzählige Einsatzfahrzeuge und Rettungskräfte waren an der Übung beteiligt.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Auch der Wildauer Stadtbrandmeister René Sperling, der mit seinen 14 Kameraden im Bereitstellungsraum BER Ost auf Anforderung der Notfalleinsatzzentrale für das Nachordern der Einsatzkräfte verantwortlich war, bewertet die Übung als Erfolg: „Unser nagelneuer Einsatzleitwagen mit der Funk- und Computertechnik hat seine Feuertaufe bestanden.“ Bedauerlich sei allerdings, dass einige ehrenamtliche Kameraden ihren ganzen Sonnabend geopfert hätten, ohne dann eingesetzt zu werden. „Eine solche Großübung ist interessant“, schätzt Torsten Drebinger, Gemeindewehrführer in Blankenfelde-Mahlow, ein. Allerdings hätte er sich die Kommunikation am Unfallort effizienter gewünscht. Die Absprachen zwischen den Einsatzleitern hätten nicht hundertprozentig geklappt. „Das Schlimmste war das Wetter“, sagt der Zeesener Wehrleiter David Lehmann. „Wir haben direkt auf dem Rollfeld bei Dauerregen mit den Tragen 50 bis 60 immer schwerer werdende Patientendummies transportiert.“ Die Kameraden waren total durchnässt. „Ich hoffe nur, wie wohl jeder an diesem Tag, dass der Ernstfall nie eintritt. Aber wenn doch, sind wir durch diese Übung in jedem Fall besser gerüstet.“

Von Franziska Mohr

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