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Weg mit dem Asbest in Premnitz

Revitalisierung im Industriepark Weg mit dem Asbest in Premnitz

Die Revitalisierung der alten Viskose-Brache im Industriepark Premnitz ist mit einem Finanzvolumen von zehn Millionen Euro derzeit die größte Infrastrukturmaßnahme im Westhavelland. Die Altlastenbeseitigung ist dabei ein wesentlicher Punkt. Denn dort gibt es noch jede Menge Asbest in den Hallendächern.

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Mit Hilfe einer Arbeitsbühne werden die Asbestplatten vom Dach genommen. Die beiden Arbeiter nahmen sich nur ganz kurz Zeit, um der Kamera zuzuwinken.

Quelle: Bernd Geske

Premnitz. Nein, es war dem Pressefotografen nicht gestattet, sich vom Kran mit der Arbeitsbühne auf 35 Meter Höhe heben zu lassen, um oben Bilder zu machen. Das wären gewiss gehaltvolle Aufnahmen geworden, doch die Sicherheit ging vor. Schließlich wird dort droben mit Asbest hantiert. In diesen Tagen kommt der Rückbau der alten Viskose-Brache im Industriepark Premnitz wieder ein großes Stück voran. Einige Hallendächer waren zu DDR-Zeiten mit Asbest-Platten gedeckt worden. Diese werden seit Beginn dieser Woche wieder abgenommen, und aus Arbeitsschutzgründen geschieht das mit einem aufwendigen Verfahren. Per Hand montieren zwei Männer von einer Arbeitsbühne aus die Platten vom Dach. Aus gesundheitlichen Gründen müssen sie dabei eine Schutzausrüstung samt Atemmasken tragen. Sie sind aber ständig per Funk mit dem Kranführer verbunden.

Von den insgesamt 31 Gebäuden sind jetzt bereits 26 abgebrochen

Der offizielle Start dieses größten Rückbauabschnitts der Viskose war erst Mitte September im Beisein von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vollzogen worden. Trotzdem sind von den insgesamt 31 Gebäuden und Bauwerken auf der Fläche jetzt bereits 26 abgebrochen. Den Auftrag hatte die Plambeck Contracon GmbH Leipzig bekommen. Als wichtiger Teilabschnitt steht jetzt die Asbest-Entsorgung an. Vier Gebäude waren einst mit Platten dieser Art gedeckt worden, insgesamt kommen bei ihnen jetzt rund 1600 Quadratmeter Dachfläche zusammen. Die Platten werden in Big Bags verpackt, das sind große stabile Kunststoffsäcke, und dann zur Deponie des Landkreises nach Schwanebeck gebracht.

Ein Projekt für zehn Millionen Euro

Die Revitalisierung der alten Viskose-Brache wird in den Jahren 2015 bis 2017 realisiert und kostet insgesamt zehn Millionen Euro.

Nach dem Abriss und der Neuerschließung der Fläche wird damit gerechnet, dass drei Investoren sich dort ansiedeln.

In der ganz großen Halle, bekannt als Gebäude 405 und zu sehen auf dem Foto oben, läuft gegenwärtig die Beräumung und Entkernung. Der Abbruch ihrer oberirdischen Teile findet 2016 statt.

Gegenwärtig läuft der Abriss von vier Gebäuden. Die zwei bekannteren sind die Prezenta-Nachbehandlung und die Konerei. Wegen der Arbeiten an der Konerei ist die Vistra-Straße derzeit halbseitig gesperrt.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt entsorgt wurden von der Viskose-Fläche 22 000 Tonnen ungefährlicher Bauschutt, 1250 Tonnen schadstoffbelasteter Bauschutt, 330 Tonnen normale Abfälle und 80 Tonnen gefährliche Abfälle – noch vorhandene Chemikalien zum Beispiel. Eben die Altlastenentsorgung ist bei dieser Revitalisierungsmaßnahme ein großes Thema. Der Erdboden kommt später dran. Gegenwärtig geht es darum, die Fragen für die Gebäude zu regeln. So sind in der vorletzten Woche von den Betonböden die Quecksilberreste aus alten Messgeräten aufgenommen worden, die zu Bruch gegangen waren. In der größeren verunreinigen Schuttmenge waren rund 20 Kilogramm Quecksilber aus mehreren Gebäuden enthalten.

Einige wenige Liter Schwefelkohlenstoff sind auch gefunden worden

Überraschenderweise sind kürzlich beim Rückbau des alten Schwefelkohlenstoff-Lagers auch noch Reste dieser gefährlichen Chemikalie gefunden worden. Schwefelkohlenstoff, einst bei der Viskoseproduktion verwendet, ist hochgiftig, äußert schnell brennbar und hochexplosiv. Eine Menge von wenigen Litern dieser Flüssigkeit wurde auf dem Boden eines mit Wasser gefüllten Auffangbeckens entdeckt. Weil sie schwerer als Wasser ist, hatte sie unter dessen Oberfläche zunächst niemand bemerkt. Mit einer Spezialpumpe, die wegen der hohen Entzündungsgefahr der Chemikalie ohne Metallteile auskommen muss, ist der Schwefelkohlenstoff abgesaugt worden. Wenn nun Ende dieser Woche die Asbest-Platten von den Dächern sind, werden damit alle bekannten Altlasten aus den Gebäuden beseitigt sein.

Von Bernd Geske

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