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Teltow gibt Geheimnisse preis

Archäologen finden in der Altstadt Reste früherer Kulturen Teltow gibt Geheimnisse preis

Bei Straßenausbauarbeiten in der Teltower Altstadt haben Archäologen Reste früherer Kulturen entdeckt. Die Funde stammen meist aus dem Mittelalter, werden aber auch früheren Epochen zugeordnet. Dadurch mussten die Bauarbeiten wiederholt unterbrochen werden. Bei den Funden machten die Altertumsforscher auch einige besonders interessante Entdeckungen.

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Die Archäologen Susanne Krönung, Nikolas Jonas und Ursula Uhl (v. r.) sind in der Teltower Altstadt den Resten früherer Kulturen auf der Spur.

Quelle: H. Helwig

Teltow. Beim Ausbau der Linden- beziehungsweise der Berliner Straße in der Altstadt von Teltow haben Archäologen Reste einer mittelalterlichen Besiedelung gefunden. Darunter lagen teilweise noch ältere Kulturschichten, die nach Recherchen in den Archiven des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege in Wünsdorf der Bronzezeit zugeordnet werden können, sowie Reste vor- und frühgeschichtlicher Siedlungsgruben, die aufgrund des geringen Materials nicht näher datiert werden können, sagt Grabungsleiterin Susanne Krönung. Gemeinsam mit ihren Kollegen Nikolas Jonas und Ursula Uhl begleitet sie derzeit die Bauarbeiten in den Straßen, die schon mehrmals unterbrochen werden mussten, um die Funde zu bergen oder sie zu fotografieren und dokumentieren. Nicht immer zeigen die Bauleute dann Verständnis für die Arbeit der Archäologen. meint Krönung. Mit der Firma in Teltow hatten die Drei großes Glück. Eine Anwohnerin in der Straße versorgte sie sogar regelmäßig mit Kaffee.

Der interessanteste Fund bisher in diesem Bereich waren Reste eines Entwässerungsgrabens, der mit Holzbohlen abgedeckt worden war, so Krönung. Aus diesem Graben bargen die Archäologen unter anderem eine Holzschale und einen Knochenkamm.

Bei der Sanierung des Entwässerungssystems und der Verlegung der Trinkwasserleitung legten die Altertumsforscher zudem ein Ziegelgewölbe frei, das quer unter der Berliner Straße verlief, auf einem Feldsteinwiderlager geruht hatte und so in den einstigen Stadtgraben eingebaut worden war. Das Ziegelsteingewölbe könnte aus dem 18./19. Jahrhundert stammen, schätzt Krönung. Reste neben dem Gewölbe lassen darauf schließen, dass einmal Holzbrücken über den Stadtgraben in die Stadt geführt haben könnten.

„Obwohl in unserer Arbeit viel Routine steckt, ist es doch immer wieder spannend, etwas zu finden und aus dem Fund auf die Menschen und ihr Leben in längst vergangenen Zeiten zu schließen“, sagt Susanne Krönung. Vor Ort können die Archäologen jedoch anhand der Struktur oder dem Aufbau, der Farbe oder der Funktion eines Fundes nur grob sein Alter bestimmen. Die genauen Untersuchungen erfolgen im Landesamt für Denkmalpflege.

Gern hätte der Teltower Heimatverein vielleicht das eine oder andere Artefakt für sein Museum gehabt, wie beispielsweise das Horn eines Auerochsen, das man bei Bauarbeiten 2007/2008 in der Teltower Oderstraße fand oder die römische Münze, die Heimatvereinsmitglied Frank-Jürgen Seider 2009 auf dem Kirchplatz entdeckte. Doch auch das kleine Holzpferdchen, das man bei einer Ausgrabung fand, ging unweigerlich nach Wünsdorf. Der Heimatverein muss sich bei Bedarf mit Dublikaten oder Abbildungen für seine Sammlung begnügen.

30 Grabungsberichte über Teltow

Bei Tiefbauarbeiten auf Flächen, auf denen Bodendenkmäler vermutet werden, ist die Begleitung durch ein Archäologenteam gesetzlich vorgeschrieben.

Die Archäologin wird die Straßenbauarbeiten in der Teltower Altstadt noch bis zum März dieses Jahres begleiten. Susanne Krönung hat ihr Büro in Steinhagen bei Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern und ist deutschlandweit als Archäologin unterwegs.

Ihr bedeutendster Fund war 2008/2007 ein historischer goldener Ring, den sie in Wittstock in einem alten Abwassergraben fand.

Über Teltow gibt es nach Angaben des Heimatvereins etwa 30 Grabungsberichte. Darum war davon auszugehen, dass die Altertumsforscher in der Altstadt weitere Reste der früheren Besiedelung finden werden, sagt Heimatvereinsmitglied Frank-Jürgen Seider.

Im Heimatmuseum in Teltow, das derzeit allerdings grundsaniert wird, können sich Besucher über die 750-jährige Geschichte der einstigen Ackerbürgerstadt informieren.

Die Straßenausbauarbeiten in der Altstadt waren Anfang November 2015 in der Lindenstraße begonnen worden. Ende November zogen die Bauleute in die angrenzende Berliner Straße weiter. Der gesamte Ausbau soll bis Ende April beendet sein, falls die Archäologen bis dahin keine weiteren bedeutenden Bodenfunde machen.

Von Heinz Helwig

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