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Investor Kirsch: Als Waldbesitzer darf ich fällen

Streit um Waldabholzung in Potsdam Investor Kirsch: Als Waldbesitzer darf ich fällen

Beim Waldpark-Wohnungsbauprojekt des Babelsberger Investors und Stadtverordneten Wolfhard Kirsch spitzt sich der Streit um die Freiholzung des Baugeländes zu. Die SPD fordert, dass Kirsch hier neben hochpreisigen auch Sozialwohnungen baut.

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Die Firma Kirsch & Drechsler – hier Firmenchef Wolfhard Kirsch – hat das Grundstück Großbeerenstraße 301 erworben, um eine Wohnanlage zu errichten. Dazu wurde auf dem früheren Sanatoriumsgelände großflächig Wald abgeholzt, was jetzt politischen Widerstand gegen das Projekt befeuert.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Der Investor und Bürgerbündnis-Stadtverordnete Wolfhard Kirsch verteidigt die Abholzung eines Waldes zwischen der Kohlhasenbrücker und der Steinstraße am Rande des Potsdamer Stadtteils Babelsberg zu Gunsten von Wohnungsbau. Für die Fällung der 80 bis 100 Jahre alten Bäume vor rund zwei Jahren habe er keine Erlaubnis gebraucht, weil er Waldbesitzer war und das „Holz ernten“ durfte; es sei „reif“ dafür gewesen, sagte Kirsch am Donnerstag gegenüber der MAZ. Laut Waldgesetz müsse der Wald neu aufgeforstet werden oder von allein nachwachsen: „Das macht er gerade.“

Derzeit läuft ein Verfahren, den Waldstatus aufzuhaben und das Gelände zu viel wertvollerem Bauland umzuwidmen. Kirsch möchte dort 90 Wohnungen errichten. Das Projekt hat derzeit aber wegen der Fällungen und wegen der Gewinnmaximierung für Kirsch heftigen politischen Gegenwind. Der Bauausschuss sagte dieser Tage Nein dazu; auch der Umweltausschuss ist dagegen. Ob es in der Stadtverordnetenversammlung jetzt noch eine Mehrheit dafür geben kann, ist unsicher.

Die SPD-Organisation der Stadtgebiete Stern/Drewitz/Kirchsteigfeld findet Kirschs „Waldpark“ inakzeptabel. „Es ist schlimm genug, dass für den Waldpark der Wald vor Ort kahlgeschlagen wurde. Sich jetzt durch teure Wohnungen eine goldene Nase zu verdienen, ist schamlos“, wetterte Ortsvereinschef Thomas Bachmann am Donnerstag. Entweder, Kirsch bekenne sich zu seiner sozialen Verantwortung und baue hier auch Sozialwohnungen oder das Projekt sei tot.

Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Hans-Jürgen Scharfenberg, hat seine Unterstützung für das Kirsch-Projekt erklärt, weil seiner Kenntnis nach preiswerte Wohnungen dort entstehen. Das sehen die Sozialdemokraten anders. Der vorgelegte Entwurf des Bebauungsplanes ist in Bachmanns Augen „das Gegenteil dessen, was den Potsdamern versprochen wurde.“

Der SPD zufolge liegt Kirschs Gewinn durch die Umwandlung von Wald in Bauland in Millionenhöhe; wie hoch genau, wurde nicht bekannt. Kirsch soll jedoch 400 000 Euro abzweigen für Infrastrukturleistungen wie Kita- und Hortplätze und 71 000 Euro für Neuaufforstungen, die in Golßen im Spreewald erfolgen sollen. Dass der Grünausgleich nicht in Potsdam passiert, liegt laut Kirsch daran, dass Potsdam keine Fläche hat zur Neuanpflanzung eines Waldes. Für solche Fälle gebe es einen Flächenpool des Landes, aus dem ein Ersatzareal gewählt wird, sagte Kirsch der MAZ: „Warum Golßen, weiß ich nicht. Ich würde auch gern in Potsdam pflanzen.“

Von Rainer Schüler

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