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Baustart bei der Lebenshilfe

Wohnungen für Behinderte Baustart bei der Lebenshilfe

Sie können es kaum erwarten. Sieben behinderte Menschen, betreut von der Lebenshilfe Oberhavel-Süd, sollen mitten in Oranienburg ihre eigene Wohnung bekommen. Eigentlich ist das unmöglich, denn die Mieten in der Innenstadt sind für Behinderte, die auf Grundsicherung angewiesen sind, nicht bezahlbar. Die Lebenshilfe will das nun ermöglichen.

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Uta Gerber, die Geschäftsführerin der Lebenshilfe, würde am liebsten selbst mit Hand anlegen beim Umbau in der Lehnitzstraße 30.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Unsere Bewohner trampeln schon mit den Füßen“, sagt Uta Gerber, die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Oberhavel-Süd. „In Gedanken richten sie schon ihre Zimmer ein.“ Seit langem stehen alle in den Startlöchern, der Umbau in der Lehnitzstraße 30 hätte längst beginnen sollen. Aber erst jetzt knattern die Bohrhämmer im Haus.

Sieben behinderte Menschen warten sehnlichst darauf, dass sie eine eigene Wohnung beziehen können. Und das mitten in der Stadt. Dieser Umstand ist wohl das Außergewöhnlichste an dem ganzen Projekt. Denn Wohnstätten in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs und der Supermarkt schräg über die Straße _ das bietet sonst kein Träger. „In der Innenstadt gibt es keine bezahlbaren Wohnungen für Behinderte“, weiß Uta Gerber. 309 Euro setzt der Landkreis im Moment als Grundsicherung für die Kosten der Unterkunft an. Für 300 Euro Warmmiete ist in der City nichts zu finden. Deshalb baut die Lebenshilfe selbst Wohnungen und vermietet sie zum Grundsicherungsbetrag. „Wir erfüllen die Wünsche unserer Bewohner“, meint Uta Gerber. „Wir greifen tief in die Tasche, um diesem Auftrag nachzukommen.“

Genügend Platz entsteht in dem Hauskomplex nur, weil die Gebäudefront auf dem Hof begradigt wird, das jetzige U im Baukörper wird mit einer Glasfassade geschlossen. Dahinter verbirgt sich der Eingangsbereich mit Fahrstuhl. Daran schließt sich ein größerer Freizeitbereich an, wo später auch mal gefeiert werden kann.

Auf Höhe des rechten Giebels wird eine neue Mauer bis zum linken Gebäudeteil gezogen

Auf Höhe des rechten Giebels wird eine neue Mauer bis zum linken Gebäudeteil gezogen. Dadurch entsteht dahinter weiterer Platz. Dort soll sich künftig der Eingang mit Fahrstuhl befinden.

Quelle: Enrico Kugler

Im Gebäudeteil mit dem kleinen Erker an der Lehnitzstraße entstehen Büros für Geschäftsleitung, den ambulanten Pflegedienst und das ambulant betreute Wohnen. Und der Betreuungsverein der Lebenshilfe Brandenburg wird dort seine Geschäftsstelle einrichten.

Löcher im Fußboden, nasse Dachbalken und ein zu weicher Untergrund _ die Bausubstanz ist schlecht

Löcher im Fußboden, nasse Dachbalken und ein zu weicher Untergrund _ die Bausubstanz ist schlecht.

Quelle: Enrico Kugler

In dem 1890 erbauten Haus rattern endlich die Bohrhämmer. Ein Blick auf die Bausubstanz genügt, um zu sehen, dass sich die Lebenshilfe ein mutiges Projekt vorgenommen hat. Um ein drittes Vollgeschoss zu schaffen, muss das Dach abgerissen und angehoben werden. Von dem Gebälk ist ohne nichts zu retten. „Nur gut, dass unsere Hausmeister das Dach vor anderthalb Jahren noch mal notdürftig repariert haben“, sagt Uta Gerber. Sonst wäre wahrscheinlich schon das gesamte Mauerwerk nass.

Im künftigen Freizeitbereich hat der Abbruch begonnen

Im künftigen Freizeitbereich hat der Abbruch begonnen. Die Säulen werden auch noch verschwinden. Dafür sollen Stahlträger eingezogen werden.

Quelle: Enrico Kugler

Dass sich der Baustart länger als ein Jahr hingezogen hat, liegt hauptsächlich an Planungsfehlern des Architekten, von dem sich die Lebenshilfe trennen musste. Nachplanungen waren nötig. Und es lauerten weitere böse Überraschungen in Sachen Statik. „Wir müssen aufpassen, dass das Haus nicht kippt“, meint die Geschäftsführerin und meint das ganz ernst. Der alte Saal mit den Säulen ist auf märkischem Sand gebaut. In wenigen Metern Abstand werden deshalb Gruben ausgehoben, um festeres Material einzubringen, bevor ein neuer Fußboden eingezogen wird. Neue Stahlträger sollen ihr Übriges tun.

Auf dem Hof, wo 17 Stellplätze entstehen, mussten neben der Garage des Nachbarn zwei große Bäume gefällt werden. „Jetzt müssen wir erst mal sehen, wie weit die Wurzeln unter die Garage reichen.“ Hintern Haus soll später auf 1100 Quadratmetern ein Therapie- und Sinnesgarten entstehen.

1,7 Millionen Euro hatte die Lebenshilfe für den Um- und Ausbau kalkuliert. Diese Summe wird bei Weitem nicht reichen.

Uta Gerber bleibt trotzdem ganz optimistisch. „Im Dezember nächsten Jahres ziehen wir ein.“ Und schon bald stellt sie einen Weihnachtsbaum in ihrem neuen Büro auf. „Das ist versprochen.“

Bezahlbare Wohnungen

Drei barrierefreie und vier barrierearme Wohnungen für je eine Person werden in dem hinteren Anbau des Gebäudekomplexes entstehen.

Die größte Wohnung mit 75 Quadratmetern liegt im Erdgeschoss. In den beiden Stockwerken darüber entstehen sechs etwas kleinere Wohnungen mit etwa 68 Quadratmetern. Jeder Bewohner hat ein Bad, ein Schlafzimmer und eine Wohnküche mit bodentiefen Fenstern.

Die Lebenshilfe Oberhavel-Süd wird diese Wohnungen an ihre Bewohner für den Grundsicherungsbetrag vermieten.

Von Andrea Kathert

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