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Brandenburg ist eine attraktive Mieterstadt

Schöner Wohnen Brandenburg ist eine attraktive Mieterstadt

Nur ein kleiner Teil der Brandenburger wohnt im Eigentum, die Havelstadt ist eine Hochburg der Mieter. Viele sind mit ihren Wohnungen zufrieden, doch könnte es mehr individuelle Angebote geben. Selbst das manchmal als „Ghetto“ abqualifizierte Hohenstücken hat nun wieder Chancen.

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Gelungene Sanierung und voll belegt: Das WBG-Quartier an der Brahmsstraße ist ein Musterbeispiel für das ganze Wohngebiet Hohenstücken.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Brandenburg an der Havel ist in erster Linie eine Mieterstadt – und dazu eine attraktive, sonst wären noch mehr Menschen weggegangen und nicht neue zuziehen. Seit 2014/15 gibt es bekanntlich ein leichtes Plus in der Bevölkerungszahl.

Doch die Vermieter und Wohnungsgesellschaften müssen sich noch einiges einfallen lassen, wollen sie diesen Trend verstetigen oder verstärken. Das ist das Fazit des Mieterforums, welches der SPD-Ortsverein Altstadt-Quenz am Mittwochabend im Axxon-Hotel veranstaltete. Mit der Kommunalpolitikerin Marianne Rehda gab es eine fachkundige Referentin – sie ist seit vielen Jahren Vorsitzende des Mietervereins Brandenburg und Umgebung.

„Die aktuellen Entwicklungen wie der Zuzug in die Metropolen, die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum sowie das dauerhafte Unterbringen von Flüchtlingen wurden bislang bundesweit komplett verschlafen.“ Statt benötigter 400 000 Wohnungen im Jahr würden gerade 250 000 neu gebaut. „In Berlin beispielsweise beginnt das Mietniveau bei 6,50 Euro kalt je Quadratmeter, zudem gibt es auch kaum noch Platz für neue Quartiere, nachdem man sich dort auch den Luxus leistet, Areale wie das Tempelhofer Feld komplett von Bebauung frei zu halten“, sagt Rehda.

Auch in Potsdam gebe es kaum bezahlbaren Wohnraum, deshalb könne es eine Chance sein, wenn Brandenburg rechtzeitig derartige Wohnungen vorhalte. Diese sollten auch das Kriterium erfüllen, dass die Wohnkosten nicht mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens aufzehren dürfen. Es fehlen größere Unterkünfte, die auf Familien mit mehreren Kindern zugeschnitten sind, ebenfalls kleine Wohnungen für Singles, Alleinerziehende und ältere Menschen. Dabei seien nicht nur die Kaltmiete zu beachten, sondern auch die Nebenkosten. Rheda berichtete aus ihren Mieterbund-Erfahrungen von krassen Auswüchsen, dass beispielsweise einer jungen Familie in der Einsteinsteraße für ein Jahr eine Nebenkostennachzahlung von 2800 Euro abverlangt wurde.

Quartierspreise

Der derzeit geltende 6. Mietspiegel wurde am 2. Juli 2014 beschlossen, in diesem oder im nächsten Jahr soll er lediglich fortgeschrieben werden.

Das bedeutet, dass auch keine gravierenden Erhöhungen des Mietpreisniveaus zu erwarten sind.

Erstmals sind diesmal die Vergleichsmieten quartiersweise ausgewiesen.

Hohenstücken beispielsweise ist das Quartier 4, hier gelten durchschnittliche Mietpreise von 4,11 bis 4,62 Euro/Quadratmeter.

Es gibt ja bereits zahlreiche gelungene Beispiele, die etwa das Wohngebiet Hohenstücken attraktiv machen - allerdings brauche es noch viel mehr Zuwendung, so die einmütige Meinung. Martin Freydank ist Brandenburger, er war 14 Jahre weg und kam nun mit Frau und zwei Kindern zurück. Eine Wohnung hat er bei der WBG in der Brahmsstraße gefunden. „Sie ist perfekt, zusammengelegt aus zwei kleinen Wohnungen, top saniert, mit Fahrstuhl und insgesamt ein Drittel billiger als unsere letzte Bleibe in Neukölln. Ich bin einfach wegen der besseren Lebensqualität zurück in diese Stadt gekommen.“

Es gelte, die gute Infrastruktur mit Ver- und Entsorgung, mit Einzelhandel, Gesundheitsversorgung und vor allem Nahverkehr zu nutzen und die Wohnungen möglichst energetisch zu sanieren, um das Wohnquartier zu erhalten, war sich Rehda auch mit dem Ex-Verkehrsbetriebechef Werner Jumpertz einig. Der Vize-Aufsichtsratschef der städtischen Wobra, Norbert Langerwisch sagte: „Das muss auch so kommen. Wenn die Gesellschaft es schaffen sollte, aus den unseligen Bavaria-Verträgen rauszukommen, muss es für diese Wohnungen eine zweite Sanierungswelle geben, die erste ist schon 20 Jahre her.“

Rehda trat zum Forum auch Befürchtungen anderer Art entgegen. Es werde keine Gentrifizierungseffekte mit schnell steigenden Mieten geben, auch wenn Berliner und Potsdamer hierher ziehen. Der Mietspiegel erfasse immer den Durchschnitt der vergangenen vier Jahre, jetzt sei sogar ein Ausweiten auf einen Zeitraum von zehn Jahren geplant. Auch wenn demnächst mehr bleibeberechtigte Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht werden, habe das keine Auswirkungen auf den Markt. Wohnraum wird nicht knapper dadurch, teurer schon gar nicht, da achten schon die finanzierenden Ämter sehr genau drauf.

Von André Wirsing

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