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Breite Straße wird „verkehrsberuhigt“

Masterplan für Potsdamer Lustgarten Breite Straße wird „verkehrsberuhigt“

Überraschung am Ende der 520 000 Euro teuren Planungswerkstatt zum Potsdamer Lustgarten: Das „Mercure“-Hotel soll einer „Wiese des Volkes“ mit Blick zum Landtag weichen. Die dazwischen liegende Breite Straße wird laut Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) nicht nur mit Tempo 30 und Pflasterung verkehrsberuhigt, sondern auch „einspurig wie die Zeppelinstraße“.

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Die vom Planungsteam Machleidt/Loidl vorgeschlagene „Wiese des Volkes“ mit Landtag und einem Auto auf der Breiten Straße.

Quelle: Sanierungsträger Potsdam

Potsdam. Das Mercure-Hotel soll einer „Wiese des Volkes“ weichen. Das ist als eine zentrale Empfehlung des Masterplans angekündigt, der den Stadtverordneten im Herbst zur Präzisierung der Sanierungsziele für den Lustgarten dienen soll. Basis sind die Entwürfe der Planungsteams Machleidt/Loidl (Berlin) und WES/Krafft/Scheuvens + Wachten (Berlin/Dortmund) für die Planungswerkstatt Lustgarten, die von einem Gutachtergremium in der Nacht zu Mittwoch aus insgesamt sieben Beiträgen ausgewählt wurden.

Keines der beteiligten Planungsteams fand eine Lösung unter Berücksichtigung des Ende der 1960er Jahre errichteten Hotelhochhauses (MAZ berichtete). Bert Nicke, Chef des für die Werkstatt zuständigen Sanierungsträgers Potsdam, kommentierte das am Freitag bei der Vorstellung der Ergebnisse mit Bedauern: Dem Verfahren hätte ein Entwurf mit Hotelhochhaus „sicher gut getan“. Andererseits zeige das aber, wie kritisch die städtebauliche Situation an dieser Stelle sein.

Die von Machleidt/Loidl vorgeschlagene „Wiese des Volkes“, auf der laut Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) betreten, musizieren und grillen „ausdrücklich erlaubt“ sein soll, öffnet eine zentrale Sichtschneise vom Landtagsschloss bis zum Neptunbecken. Mit Lärm von der angrenzenden Breiten Straße soll laut Klipp nicht mehr zu rechnen sein: „Nach der Umsetzung der Konzeption zur nachhaltigen Mobilität werden dort nur noch wenige Autos fahren“, mit Tempo 30, Pflaster statt Asphalt und „einspurigem Verkehr wie in der Zeppelinstraße“.

Neubauten könnte es den Bahndamm entlang geben: am Wasser könnte die Weiße Flotte bauen, Richtung Tresckow-Straße wäre Platz für mehrere bis zu zehn Meter hohe Häuser, in denen beispielsweise Hostels oder günstige Hotels etabliert werden könnten. Die südliche, parkähnlich gestaltete Hälfte des Lustgartens soll weitgehend bleiben. Das betreffe auch die Reste des Karl-Liebknecht-Forums mit der Plastik „Flamme der Revolution“, so Klipp auf Nachfrage. Die ebenfalls zur Bundesgartenschau 2001 gestaltete, weniger einladende Nordhälfte mit dem schütteren Baumhain hingegen soll neu gestaltet werden.

Vom Wettbewerb zur Planungswerkstatt

Die mit mehrfacher Bürgerbeteiligung und einem Budget von 520 000 Euro aufwendige Planungswerkstatt zum Lustgarten wurde auf Beschluss der Stadtverordneten durchgeführt.

Der Ursprungsantrag der FDP sah ein „ergebnisoffenes Wettbewerbsverfahren“ zum „Mercure“-Hotel vor. Mit der Ende 2013 beschlossenen Fassung wurde eine Planungswerkstatt zur Konkretisierung der Sanierungsziele für den Bereich Lustgarten/Hafen in Auftrag gegeben.

Sollten die Stadtverordneten dem Masterplan zustimmen, würde die Stadt auf eine Gelegenheit zum Erwerb des „Mercure“-Hotels warten. Diese könnte sich laut Baudezernent Klipp bei einem Eigentümerwechsel ergeben. Er verweist dabei auf die aktuelle Übernahme des Hotels durch die Starwood Capital Group.

Das „Mercure“ wäre nach dem Haus der Wasserwirtschaft, dem Rechenzentrum und der alten Fachhochschule ein weiterer Bau, der von der Stadt erworben wird, um mit dem Abriss Platz für die Rekonstruktion der historischen Innenstadtstruktur zu schaffen.

Die Parkanlagen können nach Schätzung von Klipp und Nicke innerhalb der nächsten zehn Jahre neu gestaltet sein. Voraussetzung für den Abriss des Hotelhochhauses aber sei der Erwerb durch die Stadt, für den man zunächst ein grundsätzliches Votum der Stadtverordneten benötige. Auch die Entscheidung über eine Bürgerbefragung zum Abriss des Hotels liege bei der Stadtpolitik.

Von Volker Oelschläger

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