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Eigenheim ist keine zuverlässige Altersvorsorge

Mythos Betongold Eigenheim ist keine zuverlässige Altersvorsorge

Laut einer Studie des Spiegels reicht der Hausverkauf für die Finanzierung des Pflegeheims oftmals nicht aus. Das betrifft vor allem Randgebiete Brandenburgs, die immer dünner besiedelt sind und deren Immobilienwerte stetig sinken. Gewinner sind die Regionen rund um Berlin – eine spürbare Folge des demografischen Wandels in Brandenburg.

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Eigenheime sind beliebt. Aber ihr Verkauf sichert nur in wenigen Fällen eine ausreichende Pflege im Alter.

Quelle: foto: fotolia

Potsdam. Lange Zeit galt das Eigenheim als sichere Altersvorsorge. Doch das kommt besonders in Brandenburg immer stärker auf die Wohnlage an, wie eine aktuelle Spiegel-Studie zum „Mythos Betongold“ zeigt. Experten berechneten, wie viele Jahre man den Aufenthalt im Pflegeheim mit dem Verkauf der eigenen vier Wände ausgleichen kann. In Brandenburg gibt es große Unterschiede zwischen Land und Stadt. Während sich Bewohner des Berliner Speckgürtels mindestens zehn Jahre oder mehr im Heim leisten können, kommen die mancher Randgebiete auf gerade mal drei Jahre.

Immobilienpreise schwanken stark

Demnach ist das „Betongold“ in vielen Regionen mehr Mythos als Realität. Trotzdem liegt der Brandenburger Immobilienmarkt seit 2014 im Aufwärtstrend, wie das Innenministerium kürzlich mitteilte. „Der Kauf von Grundstücken oder Häusern ist derzeit sehr attraktiv – sei es zum Eigenbedarf, zur Altersvorsorge oder als Investition“, sagte Innenstaatssekretär Matthias Kahl.

Käufer sollten allerdings den Markt vorher genau prüfen. Freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser kosteten 2014 durchschnittlich 1401 Euro pro Quadratmeter. Die Preise schwanken jedoch laut Zahlen des Instituts Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt sehr stark. In Meyenburg (Prignitz) etwa kostet der Quadratmeter durchschnittlich 355 Euro, in Potsdam hingegen knapp 2300 Euro. In der Studie wurden diese Eigenheimpreise gegen die monatlichen privaten Zuschüsse in Pflegeheimen aufgerechnet.

Ergebnisse der Analyse

27,6 Jahre erzielen Hausbesitzer für ihre Altersvorsorge durch den Verkauf ihrer vier Wände im Süden Neuruppins (Ostprignitz-Ruppin). Für das Haus mit einer Wohnfläche von 120 Quadratmetern bekommen sie dort im Schnitt 2716 Euro pro Quadratmeter. Für einen Heimplatz werden 985 Euro im Monat fällig.

1,5 Jahre reicht der Erlös aus dem Hausverkauf in Sonnewalde (Elbe-Elster) für einen Heimplatz. Damit belegt der Ort den letzten Platz in Brandenburg.

Auch innerhalb der Landkreise sind die Unterschiede teils gravierend, wie Teltow-Fläming zeigt: Für Jüterbog wurden 5,8 Jahre errechnet, Trebbin etwas weiter nördlich kommt auf 11,4.

In Berlin liegen die Zahlen teils deutlich höher und schwanken etwa zwischen 20 und 34 Jahren.

Rund 46 Prozent der Deutschen leben in Regionen, in denen der Verkaufswert eines Einfamilienhauses einen Heimplatz für nicht mal mehr zehn Jahre finanzieren kann

Die großen Unterschiede im Land resultieren unter anderem aus dem demografischen Wandel, erklärt Manuel Slupina, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. „Viele Dörfer und Städte, die mehr als 40 Kilometer von Berlin entfernt sind, haben mit Abwanderung zu kämpfen. Dementsprechend sinkt auch die Nachfrage beim Wohnraum“, sagte Slupina. Viele junge Menschen würden wegen dem Studium oder besserer Chancen auf einen Arbeitsplatz in die großen Städte ziehen und dann auch dort bleiben. „Dadurch fehlen die potenziellen Familiengründer auf dem Land.“

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Immer mehr Pflegebedürftige im Land

Parallel dazu werde Wohnen in den Großstädten immer teurer, wodurch der Preis für das Eigentum im ländlichen Raum unter Druck gerate. Gerade in Brandenburg seien nicht nur große Städte, sondern der ganze Speckgürtel vom Wachstum betroffen. Das bestätigen auch die Zahlen aus der Studie. Während Eigenheimbesitzer in und um Berlin mit dem Verkauf ihrer vier Wände zwischen zehn und 14 Jahre Aufenthalt im Pflegeheim bezahlen können, sind es in den Regionen Uckermark, Prignitz, aber auch dem südlichen Teltow-Fläming konstant weniger als acht Jahre, teils sogar unter fünf.

Das sind allerdings genau die ländlichen Regionen, in denen die Bevölkerung schrumpft, aber älter wird. Gleichzeitig steigt das Risiko, pflegebedürftig zu sein, laut Statistischem Landesamt Berlin-Brandenburg mit zunehmendem Alter an. Gab es 2013 noch etwa 103 000 Pflegebedürftige in Brandenburg, sollen es bis 2040 schon rund 172 000 sein. Außerhalb des Speckgürtels zahlt man bei Pflegestufe 1 laut Angaben der AOK pro Heimplatz im Mittel noch unter 1200 Euro. Rund um Berlin sind es teils 1500 Euro. Aber nicht immer ist ein Umzug ins Pflegeheim nötig. 77,1 Prozent aller pflegebedürftigen Brandenburger wurden 2013 zu Hause versorgt.

Von Luise Fröhlich

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