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Das intelligente Apartment

Wohnungsprojekt für Senioren und Behinderte Das intelligente Apartment

Die Technische Hochschule Wildau beteiligt sich an einem Wohnungsprojekt für Senioren und Menschen mit Behinderungen. Professorin Birgit Wilkes hat eine entsprechende Musterwohnung in Berlin-Marzahn, die mit Hilfssystemen ausgestattet ist, mit eingerichtet. Die Apartments sollen den Bewohnern ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

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Birgit Wilkes hat schon mehrere Musterwohnungen realisiert, in denen Hilfssysteme eingesetzt werden.

Quelle: Karen Grunow

Wildau. Ihr Lieblingsobjekt ist eines der unscheinbarsten der Wohnung: Eine Steckdose, aus der sich das Kabel löst, sobald man darüber stolpert. Eine typische Gefahrenquelle für Unfälle im Haushalt, die mit der Steckdose ausgeschaltet wird. Birgit Wilkes von der TH Wildau hat die Musterwohnung in Berlin-Marzahn mit eingerichtet. Einige der Objekte und Ideen, die dort integriert wurden, um Älteren oder Menschen mit körperlichen Behinderungen den Alltag zu erleichtern, hat die Professorin für Telematik mittlerweile daheim. Und manches wurde von Unternehmen in enger Kooperation mit der TH Wildau entwickelt.

„Wir haben den Fokus vor allem auf Hilfe für jedermann gelegt“, erklärt sie das Konzept der Wohnung, die in der Zentrale des Gesundheitsdienstleisters OTB eingerichtet worden ist. Dessen Geschäftsführer Tiago da Silva hat für das Wohnungsprojekt, an dem sich mehr als 40 Partner beteiligt haben, als Gegenteil zur Entmündigung den Begriff „Ermündigung“ geprägt: „Wir wollen den Leuten größtmögliche Freiheit in jeder Lebenssituation geben“, sagt Wilkes.

Einiges erklärt sich auf den ersten Blick: Die Durchgänge sind breiter als gewöhnlich, damit ein Rollstuhlfahrer bequem hindurch kommt. Es gibt Halterungen im Badezimmer, tiefer gesetzte Türklinken, die Badewanne hat einen großen Einstiegsbereich und die Herdplatten in der Küche sind höhenverstellbar. Andere Ideen sind so pfiffig, dass auch Birgit Wilkes Studenten Interesse an einigen Produkten zeigten: wie an der Kleiderstange im Schlafzimmerschrank, die auf Knopfdruck heraus- und heruntergefahren werden kann. „Toll geeignet, um auch hohe Altbauwohnungen auszunutzen“, sagt die Professorin.

Service

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Privatleute, die mit Blick auf das Älterwerden ihren Wohnraum planen, Angehörige pflegebedürftiger Menschen, aber auch Mitarbeiter von Pflegediensten kommen in die Wohnung, die seit vergangenem November besteht. Birgit Wilkes ist oft selbst vor Ort und jedes Mal gespannt auf das Feedback der Besucher. „Seit 20 Jahren arbeite ich im Bereich ,Smart Home’“, erzählt sie. 2002 richtete sie zum ersten Mal eine Musterwohnung nach der Idee der effizienten und wohnqualitätsfördernden Vernetzung der Geräte eines Haushaltes ein.

Zu den technischen Höhepunkten der neuen Wohnung gehört ein von der TH mit dem unter anderem in Mittenwalde agierenden Unternehmen Kieback & Peter realisiertes Projekt: eine selbstlernende Einzelraumregelung für die Heizung. Ein individuelles Heizprofil wird für den Bewohner erstellt. Das Heizungsventil erzeugt den für die per Funk angeforderten Temperaturänderungen benötigten Strom selbst durch die entstehenden Wärmedifferenzen, ganz ohne Batterien. „Eine Weltneuheit“, ist Wilkes stolz, die in einem Nachbarraum ein anderes, soeben mit dem Smart-Home-Award prämiertes Projekt einer TH-Studentengruppe zeigt. Für Menschen mit Demenz, denen der Tag-Nacht-Rhythmus abhanden gekommen ist, haben sie mittels LED ein programmierbares System von Erinnerungsbildern entwickelt.

Es gibt hochsensible Sensoren an den Fenstergriffen, die signalisieren, wenn sie nicht korrekt geschlossen wurden, die die Temperatur messen können und die Lichteinwirkung. Über eine Telematik-Plattform werden diese Informationen gesammelt. „Dahinter steckt eines der größten Systeme für künstliche Intelligenz weltweit“, erklärt sie diese Cloud-Lösung am Computer. Notrufsysteme, Steckdosen, die als Generalausschalter funktionieren können, aber neben all der Technik auch praktisches Geschirr gehören zur Ausstattung der Wohnung.

Dabei, das macht Wilkes klar, muss nicht alles teuer sein. Das Bett, das jemanden aus dem Liegen zum Stehen bringt, ohne dass eine Pflegeperson mit viel Kraft zupacken muss, ist natürlich eine kostspielige Anschaffung. Aber die variabel platzierbaren kabellosen Schalter, mit denen Lampen, Radio oder Herd per Funk eingeschaltet werden können, die cleveren Steckdosen, die Lichtleitsysteme, die helfen, auch beim nächtlichen Gang zur Toilette gleichmäßiges, aber zugleich beruhigend sanftes Licht zu haben, sind mit wenig Aufwand realisierbar. „Hier gibt es Technologie, die sich jeder leisten kann“, sagt Birgit Wilkes.

Info: Weitere Informationen unter www.ermuendigung.de

Von Karen Grunow

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