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Das letzte Großprojekt des WBK Potsdam

Eigentumswohnanlage im Plattenbauviertel Drewitz Das letzte Großprojekt des WBK Potsdam

Im Potsdamer Plattenbauviertel Drewitz feierte die älteste Wohneigentumsanlage Ostdeutschlands ihr 25-jähriges Bestehen. Zustande kam das Projekt, weil der Stadt Potsdam nach dem Mauerfall das Geld für den Ankauf weiterer Wohnungen im Neubauviertel fehlte. Der Druck zum Handeln war enorm: 1990 gab es in der Stadt mehr als 20 000 Wohnungsuchende.

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Die erste Wohneigentumsanlage Ostdeutschlands an der Paul-Wegener-/Ecke Friedrich-W.-Murnau-Straße in Drewitz.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam/Drewitz. „Am Ende des Tages freue ich mich, dass wir damals den Mut gehabt haben. Wenn der Baustadtrat heute ein solches Projekt anfassen würde, hätte er gleich die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Neuruppin auf dem Hals.“ Das sagte Detlef Kaminski am Montagabend zur 25-Jahrfeier der ersten Wohneigentumsanlage, die auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gegründet wurde.

Vorbereitet wurde das Projekt mit 95 Wohnungen in den WBS-70-Plattenbauten an der Friedrich-Murnau- und der Paul-Wegner-Straße noch vor der deutschen Wiedervereinigung. An der Wand des Begegnungszentrums „Oskar“ lief zur Feier in einer Endlosschleife das Video, das Ingo Korne, einer der Käufer, am Tag der Übergabe aufgenommen hatte.

Schnee lag. Es war eisig kalt, wie Heribert Scharf erinnerte, damals Prokurist und heute Geschäftsführer der Berliner Immobilienagentur Präzisa, die die Anlage von Anfang an verwaltete. Immer wieder kam die Sequenz, in der Gerhard Brock, Direktor der Märkischen Bau-Union (MBU), dem damaligen Baustadtrat Kaminski (SPD) den symbolischen Schlüssel überreicht.

Ex-Baustadtrat Detlef Kaminski und der frühere Kombinatsdirektor Gerhard Brock am Montagabend im Drewitzer Begegnungszentrum „Oskar“.

Quelle: Friedrich Bungert

Drewitz war das letzte Großprojekt des nach der Wende als MBU weitergeführten Wohnungsbaukombinats (WBK) Potsdam. Der mittlerweile 77 Jahre alte Brock berichtete von einer „sehr schwierigen Situation“ für den Betrieb mit seinen zum Ende der DDR noch mehr als 5000 Beschäftigten. Bis 1990 „waren wir es gewohnt, pro Monat hunderte Wohnungen zu übergeben“. Mit einem Mal aber fehlte der Stadt das Geld für den Kauf weiterer Plattenbauten.

Kaminski erinnerte auch an die damals 20 000 Wohnungsuchenden, die in Potsdam „auf absehbare Zeit keine Chance hatten“. Er schilderte die gemeinsam mit Brock ersonnene Konstruktion, nach der die Stadt für eine Zwischenzeit als Bauträger für die Drewitzer Blöcke einsprang. Dafür gab es keine Erfahrungen und noch nicht einmal gesetzliche Grundlagen. Den Chef seiner Bauaufsicht, Karl-Heinz Rönn, schickte er nach Zehlendorf, um Kopien der nötigen Unterlagen zu verschaffen: „Dann sind wir damit zu Stempel-Gottschalk und haben uns da ein paar Stempel erstellt.“

Drewitz und das Wohnungsbaukombinat

Drewitz war das letzte Potsdamer Viertel, das im sogenannten komplexen Wohnungsbau mit industriell vorgefertigten Plattenbauten errichtet wurde. Insgesamt entstanden fast 3000 Wohnungen.

Das Plattenwerk des Wohnungsbaukombinats Potsdam befand sich in der Heinrich-Mann-Allee kurz vor dem Bahnhof Rehbrücke. Dort entsteht derzeit ein neues Wohnviertel.

Die Zentrale des Kombinats mit seinen zur Wende 5000 Mitarbeitern war unweit davon in der damaligen Fritz-Perlitz-Straße, der heutigen Straße Zum Kahleberg im Wohngebiet Waldstadt II.

Unter Regie der städtischen Bauholding Pro Potsdam mit ihrer Wohnungsbaugesellschaft Gewoba wird Drewitz derzeit zur Gartenstadt umgebaut.

Unmittelbar nach der Wende habe es die Sorge gegeben, dass Potsdams Plattenbauviertel ähnlich wie das Märkische Viertel oder die Gropiusstadt in Berlin zu sozialen Krisengebieten werden könnten. Doch das überraschend große Interesse an Eigentum in Drewitz nährte Hoffnung auf eine andere Perspektive. Nach Angaben von Günther Waschkuhn, dem Sprecher der Gemeinschaft, ist heute noch die Hälfte der Wohnungskäufer aus der Anfangszeit dabei.

Auch die Gewoba als größtes Wohnungsunternehmen in Drewitz setzt auf die Eigentümer. „Wenn das Wohngebiet sich gut entwickeln will“, so Gewoba-Chef Jörn-Michael Westphal am Montagabend im „Oskar“, brauche es soziale Vielfalt. Dazu trügen auch die Wohnungseigentümer bei.

Von Volker Oelschläger

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