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Verwaiste Baustelle in Königs Wusterhausen

Anbau fürs Amtsgericht Verwaiste Baustelle in Königs Wusterhausen

Die Flughafen-Baustelle in Schönfeld ist nicht die einzige, an der gerade nichts geht. Nur wenige Kilometer entfernt – in Königs Wusterhausen – ist eine Baustelle ebenfalls verwaist. Der Anbau des Amtsgerichts kommt derzeit nicht voran. Die MAZ hat sich die Baustelle angeschaut und nach Gründen für den Stillstand gefragt.

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Matthias Deller vor der historischen Bausubstanz der alten Königs Wusterhausener Haftanstalt aus dem Jahr 1913.

Quelle: Franziska Mohr

Königs Wusterhausen. „Sanierung im Schneckentempo“ lautete bereits im Februar dieses Jahres eine Schlagzeile in der MAZ über die Rekonstruktion sowie den Anbau des Amtsgerichts Königs Wusterhausen. Daran hat sich offenbar auch ein halbes Jahr später auf der Baustelle mitten in der Innenstadt von Königs Wusterhausen kaum etwas ändert. Schließlich erfolgte der Umzug der Gerichtsbediensteten in das für den Steuerzahler nicht ganz billige Provisorium auf dem alten Campusgelände in Wildau schon vor fast drei Jahren, nämlich im Dezember 2012.

Bei der Vor-Ort-Begehung am Donnerstag mit Matthias Deller, dem Leiter des Amtsgerichts Königs Wusterhausen, war auf der Baustelle nicht ein einziger Bauarbeiter zu sehen. Bei Baumaschinen gleichfalls Fehlanzeige. Statt eifriger Betriebsamkeit herrschte nur eines – das berühmte „Still ruht der See“.

An dieser Stelle befanden sich die Räume des alten Grundbuchamtes

An dieser Stelle befanden sich die Räume des alten Grundbuchamtes.

Quelle: Franziska Mohr

Hausherr und Projektsteuerer während der Bauzeit ist der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB). Er hatte bereits vor Wochen den Baustellen-Rundgang ausdrücklich genehmigt. Die Zeit, daran teilzunehmen, fand er allerdings nicht. Auf Nachfrage hieß es am Donnerstag beim BLB, dass die Baustelle deshalb so verwaist ist, weil der Abbruch abgeschlossen ist und derzeit die europaweite Ausschreibung der Rohbauarbeiten läuft. Pressesprecherin Christin Bargel verwies auch darauf, dass die vergangenen fast drei Jahre für „umfangreiche Planungen, Bestandsermittlungen und Sicherungsmaßnahmen, welche den Auszug aus dem Bestandsgebäude notwendig machten“, genutzt wurden.

Innen gleicht das altehrwürdige Haus fast einem Rohbau

Der Baukörper präsentiert sich jetzt ungeschminkt in seiner historischen Substanz aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Der große Anbau an das einstige Gefängnis ist ebenso verschwunden wie die Mauer zwischen dem Gerichtsgebäude und dem Gefängnis beziehungsweise dem späteren Jugendarrest. Der Abrissbirne fielen auch die Räume des alten Grundbuchamtes zum Opfer. Innen gleicht das altehrwürdige Haus fast einem Rohbau. Alle Medien einschließlich Heizung sind entfernt. Beim Abriss auf dem Areal des einstigen historischen Stadtkerns von Königs Wusterhausen traten zahlreiche alte Mauern zutage, die jetzt die Denkmalschutzbehörde auf den Plan rief.

Deller zufolge wollen die Denkmalpfleger bis Ende Oktober mögliche Bodendenkmale erfassen lassen. Vor Ort war am Donnerstag allerdings auch von ihnen niemand. Dennoch sollen nach Angaben des BLB im November die Arbeiten am Fundament des großen Erweiterungsbaus beginnen. Dabei ließen sich die Architekten des Berliner Büros „Abelmann Vielain Pock“ von der ursprünglichen Idee der preußischen Bauverwaltung von 1913 inspirieren, die schon damals Raum für einen L-förmigen Erweiterungsbau zwischen der Haftanstalt und dem Gericht ließen.

Gerichtschef: „2020 muss das Land über eine Erweiterung nachdenken“

Vor 100 Jahren waren die Bauherren offensichtlich vorausschauender. So ist für Deller schon heute absehbar, dass der Gerichtskomplex trotz des großen Anbaus schon wenige Jahre nach der Eröffnung aus allen Nähten platzen wird. „Ich denke, 2020 muss das Land erneut über eine Erweiterung nachdenken.“ Aber der BLB dürfe nun einmal nur für den gegenwärtigen Bedarf planen und bauen. Mit der Fertigstellung des nach bisherigen Planungen über 20,3 Millionen Euro teuren Baus rechnet der Landesbetrieb im Frühjahr 2018.

Von Franziska Mohr

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