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Die Potsdamer mögen ihre Stadt – meistens

Zufriedenheitsumfrage 2015 Die Potsdamer mögen ihre Stadt – meistens

Die dritte Zufriedenheitsumfrage „Leben in Potsdam“ ergibt beste Noten zur Identifikation der Potsdamer mit ihrer Stadt, bestätigt jedoch anhaltende Defizite bei Wohnen und Verkehr und ein Abdriften der ländlichen Ortsteile. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sieht insgesamt eine Bestätigung seiner Politik.

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Quelle: Lutz Hannemann

Potsdam. Die nördlichen Ortsteile bleiben abgehängt. Nirgendwo sonst gab es in der jüngsten Zufriedenheitsumfrage „Leben in Potsdam“ bei einem Benotungssystem von 1 für „vollkommen zufrieden“ bis 6 für „vollkommen unzufrieden“ so viele Sechsen im zweistelligen Prozentbereich.

Schlechteste Noten bekamen dort unter anderem Öffentliche Sicherheit/Schutz vor Kriminalität (von 13,2 Prozent der Befragten), das Angebot an Freizeiteinrichtungen für Senioren (26 Prozent) und Jugendeinrichtungen (28,4 Prozent), die ärztliche Versorgung (23,2 Prozent) und die Taktzeiten des öffentlichen Nahverkehrs (13,6 Prozent). Dafür gab es im Norden aber auch mehr Bestnoten als anderswo etwa für Soziales Umfeld/Nachbarschaft (34,7 Prozent der Befragten) oder das Preis-Leistungs-Verhältnis insgesamt (32,1 Prozent).

Zum dritten Mal nach 2013 und 2014 wurden am Montag im Potsdamer Rathaus die Ergebnisse einer Zufriedenheitsumfrage vorgestellt. Von 5200 Potsdamern, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden, sandten 37,1 Prozent die ausgefüllten Fragebögen an die Verwaltung zurück.

Kernbotschaft für Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), der die Auswertung gemeinsam mit seiner Chefstatistikerin Heike Gumz vorstellte: Wie in den Vorjahren lebten fast 90 Prozent der Potsdamer „gern in ihrer Stadt“. Jakobs sprach von einer „sehr guten Nachricht“. Er nehme „auch mit, dass die Politik grundsätzlich die richtige Ausrichtung hat“.

Reizthema bleibt der Verkehr, der bei der Frage nach den zurzeit größten Problemen in Potsdam ohne inhaltliche Vorgaben mit 40,6 Prozent am häufigsten genannt wurden. Die meiste Kritik gab es an Baustellen und Staus sowie am mangelnden Parkplatzangebot.

Zweites Problem ist laut Jakobs mit 18,9 Prozent aller Nennungen und einer leichten Zunahme im Vergleich zur letzten Umfrage das Thema Wohnen. Häufigst angeführte Kritikpunkte sind zu hohe Mietkosten und das mangelnde Wohnungsangebot.

Alle anderen Themen auf der Problemliste rangieren im Vergleich Wohnen und Verkehr abgeschlagen im meist unteren einstelligen Prozentbereich. Auf Platz drei steht „fehlende Sauberkeit“ mit 5,1 Prozent, auf Platz vier „Flüchtlinge und Asylsuchende“ (4,7 Prozent), auf Platz fünf „Infrastruktur/Anbindung neuer Ortsteile“ (4,3 Prozent).

Dass die „Potsdamer Mitte“ es mit 1,7 Prozent gerade einmal auf Platz 13 der Problemliste geschafft hat, kommentierte Jakobs mit einem polemischen Seitenhieb auf einige der am lautesten ausgefochtenen Themen der Kommunalpolitik: „Alle Themen, die wir da so besprechen, finden hier keinen Niederschlag.“ Die Garnisonkirche etwa sei gar nicht auf der Liste.

Eine vergleichsweise große Zufriedenheit gibt es bei den Potsdamern mit der persönlichen Situation. 56 Prozent der Befragten schätzten ihre persönliche Lage mit sehr gut oder gut ein, das sind zehn Prozent mehr als bei der ersten Umfrage 2013.

Mehr als 84 Prozent der Befragten sind mit ihrem Leben „im Großen und Ganzen“ zufrieden, 17,2 Prozent darunter sogar „sehr zufrieden“. Die größte Zufriedenheit mit Blick auf den eigenen Stadtteil gibt es nach Abgleich aller Kriterien mit der Gesamtnote 2,6 in Potsdam West, die geringste mit 3,3 in Sacrow und den nördlichen Ortsteilen.

Wohnen

31,8 Prozent des Haushaltseinkommens werden von den Potsdamer Mietern durchschnittlich für die Zahlung der Gesamtmiete verwendet. Für die Kaltmiete wird mit 542 Euro im Durchschnitt ein Viertel des Einkommens bezahlt. Der durchschnittliche Mietvertrag gilt für 2,9 Wohnräume und 74,4 Quadratmeter Wohnfläche . 57,6 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihre Kaltmiete in den vergangenen vier Jahren erhöht hat. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird im Vergleich zu 2013 deutlich besser bewertet.

Arbeit und Verdienst

63,5 Prozent der erwerbstätigen Teilnehmer sind mit 40 Stunden und mehr in einer Vollzeitbeschäftigung . Identisch ist mit 63,5 Prozent der Anteil der Studierenden, die neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachgehen. 22,2 Prozent von ihnen haben mehr als einen Job. Fast jeder zehnte Rentner bzw. Pensionär geht einer Erwerbstätigkeit nach. 10,9 Prozent der Erwerbstätigen halten ihren Arbeitsplatz für unsicher, 2,5 Prozent für sehr unsicher. Das sind geringere Werte als bei den vorangegangenen Befragungen.

Nahverkehr

57,6 Prozent der Befragten sind mit dem Liniennetz des öffentlichen Personennahverkehrs mit Vergabe der Noten 1 und 2 auf einer Skala von 1 bis 6 „generell sehr zufrieden“. Die Taktzeiten werden exakt von der Hälfte der Teilnehmer mit den Noten 1 und 2 bewertet. Am Ende der Zufriedenheitsskala in Sachen Verkehr rangieren die Parkplatzgebühren (54,4 Prozent vergaben die Noten 5 und 6) und das Parkplatzangebot (51 Prozent gaben die 5 und die 6) in der Innenstadt auf den am schlechtesten bewerteten Plätzen.

Nachtleben

4,4 Prozent der Potsdamer benoten das Nachtleben mit sehr gut. Die Stärken der Stadt aber liegen auf anderen Gebieten. Das am häufigsten genutzte Angebot sind mit fast 70 Prozent Potsdams Grün-und Erholungsflächen . Es folgen kulturelle Einrichtungen (51,4 Prozent), Museen und Ausstellungen (36,8 Prozent) und Schwimmbäder (31,9 Prozent). Bei der Zufriedenheit führen Erholungs- und Grünflächen vor der Gastronomie sowie dem Einzel- und Dienstleistungsangebot. Schwimmbäder landen hier auf Platz 16 – vor dem Nachtleben.

Flüchtlinge

43,7 Prozent der Befragten haben bereits die Flüchtlinge ehrenamtlich oder mit Geld- und Sachspenden unterstützt. Ein Drittel hat regelmäßigen Kontakt zu Flüchtlingen , 53,1 Prozent äußern sich dazu mit Vergabe der Noten 1 und 2 sehr positiv oder positiv. Am freundlichsten fällt die Bewertung mit 66,7 Prozent positiv oder sehr positiv bei den über 65-Jährigen aus. Reserven gäbt es bei der Information. 70,9 Prozent der Befragten fühlen sich schlecht oder ungenügend zum Thema Flüchtlinge informiert.

Von Volker Oelschläger

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