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Die eigene Immobilie zum Mitnehmen

30 Jahre Meistertitel Die eigene Immobilie zum Mitnehmen

Der Tischler Richard Wandel stellt individuelle Wohnwägen aus Holz her und feiert gerade sein 30-jähriges Meisterjubiläum. Seit etwa zwei Jahren entwickelt er sein Konzept: Er entwickelt individuellen, bauökologisch nachhaltigen und Energie sparenden Wohnraum. Dafür organisiert er gebrauchte Fahrgestelle und baut darauf einen Korpus aus Holz.

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Tischlermeister Richard Wandel vor seinem Holzwohnwagen-Prototyp.

Quelle: Fotos: Melanie Höhn

Bad Belzig. Richard Wandel revolutioniert gerade die Wohnformen der Zukunft: Der Tischlermeister fertigt nachhaltige Holzwohnwägen her, die er je nach Kundenwunsch individuell gestaltet und für spezielle Einbauten auch mit anderen Handwerksfirmen zusammenarbeitet.

Der 56-Jährige feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Meisterjubiläum. In dieser Zeit hat er viel erlebt: Die Lehre in Berlin-Spandau mit 15, Hausbesetzer, Querdenker, Meistertitel mit 27, Firmengründung, Familienvater und Jobs in anderen Bereichen. In seiner eigenen Firma realisierten er und seine Mitarbeiter außergewöhnliche Projekte: Sie bauten den Treppenaufstieg für die Nikolaikirche, machten den Innenausbau des Gotischen Hauses in Spandau und bauten die Eingangstüren für den Ministerpräsidenten in der Staatskanzlei aus panzerfestem Holz und dickem Glas.

Seit etwa zwei Jahren entwickelt er sein Holzwohnwagenkonzept: Er möchte individuellen, bauökologisch nachhaltigen, Energie sparenden, behaglichen und beweglichen Wohnraum herstellen, wie er sagt. Dafür organisiert der 56-Jährige zunächst gebrauchte Fahrgestelle und baut darauf dann einen Korpus aus Holz: „Die Arbeit macht großen Spaß, sie fordert mich intellektuell und körperlich. Erfinden war schon immer mein Ding.“

Geheizt wird mit einem Kaminofen, Holzfasern dämmen den Raum. Den letzten Winter hat er in seinem Ausstellungs-Wohnwagen verbracht: „Vor allem bei Unwetter wird es hier total romantisch.“ Im Innenraum werden geruchsneutrale Sanitäranlagen verbaut, auch für Strom ist gesorgt. Das verwendete Holz stammt aus lokalen und regionalen Waldbeständen. Die fast drei Meter breiten und knapp acht Meter langen Wohnwägen kann man auch bis nach Spanien fahren, erzählt Wandel, man brauche dafür jedoch einen LKW-Führerschein. Auch mit einer Photovoltaikanlage lassen sich die kleinen Wohnräume betreiben.

Die Kunden des Tischlers sind bunt gemischt, jedoch komme bei den älteren Menschen oft die Erkenntnis, dass sie zwar den Platz, aber nicht das Leben dafür haben, das ihn füllt: „Für manche ist es zu aufwendig, ein Haus zu pflegen, sie wollen auf kleinerem Niveau leben,“ erzählt Wandel.

Doch wie kam er aber auf die Idee, eine Wohnwagenmanufaktur zu gründen? 2013 hatte er einem Freund beim Umbau eines Bauwagens beratend zur Seite gestanden, dann ging alles ganz schnell: Er erstellte einen Businessplan und bekam Fördermittel vom Arbeitsamt für das Projekt. Ein Freund half ihm im letzten Sommer, den Bauwagen-Prototyp nach und nach fertigzustellen. Im Winter 2014 hatte er Sorge, dass sich niemand für seine Bauwerke interessiert. „Ich entschied mich für ein Ritual“, erzählt Wandel. „Ich lud Kollegen und Freunde zu einem Umtrunk in den Bauwagen ein, prompt am nächsten Tag hatte ich die erste Bestellung.“ Das war im Mai, Fortsetzung folgt. Denn inzwischen hat er schon mehrere Aufträge bekommen. Für ihn war dieser erste Auftrag ein energetischer Vorgang: „Aus meiner Geschichte weiß ich, dass Wunder passieren, wenn man mit einer Vision verbunden ist.“

Der experimentierfreudige Tischler macht sich Gedanken um die Wohnkulturen der Zukunft: „Wo will ich wohnen ist eine komplexe Frage. Flexible Wohnformen erleichtern die Antwort erheblich,“ sagt er. Man kann seine kleine Eigentumswohnung sozusagen überall mit hinnehmen und ist nicht ortsgebunden. Das könnte viele Zweifel und Probleme junger Menschen aus dem Weg räumen, denn sich auf einen Ort festzulegen, fällt vielen schwer.

Für Richard Wandel ist das Leben in der Gemeinschaft ein großes Anliegen: Sein Traum ist, dass eine Wagensiedlung in Bad Belzig in der Nähe der Bergholzerstraße zustande kommt. „Ich möchte, dass sich die Baugesetzgebung dahingehend verändert. Sondernutzungsflächen sind meine Idee“, bemerkt er, denn in Deutschland ist es nicht erlaubt, offiziell in einem Wohnwagen zu leben. Wenn ein Gelände nicht bebaut ist, darf man dort auch nicht wohnen. Neben der Wagensiedlung plant er einen öffentlichen Campingplatz mit vielen Stellplätzen, die es so in Bad Belzig noch nicht gibt. Derzeit ist er deshalb mit der Umweltnaturschutzbehörde im Gespräch. „Ich sehe mich als eine Art Visionär: Ich möchte, dass die Stadtverwaltung die Ernsthaftigkeit und Relevanz dieses Projektes sieht. Die Stadt orientiert sich auch zunehmend an Tourismus.“

In Zukunft möchte Richard Wandel etwa 20 Wohnwagen in Jahr herstellen mit sieben oder acht Mitarbeitern, er sieht sich dann in der Qualitätssicherung, Planung und Aquise: „Das kann ich auch noch mit 70“.

Von Melanie Höhn

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