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Diskussion um den Brennpunkt Velten-Süd

Fördergelder für die Ofenstadt Diskussion um den Brennpunkt Velten-Süd

Der Stadtteil Velten-Süd soll mit Fördermitteln des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ attraktiver werden. 36 Maßnahmen schlägt ein Konzept vor, das am Dienstag im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt wurde. Paul Niepalla (SPD) kritisierte am Konzept, dass Ideen fehlen, wie man die Bewohner von Velten-Süd aus ihren Wohnungen locken könnte.

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Die Blöcke in Velten-Süd wurden allesamt saniert.

Quelle: Foto: r.Roeske

Velten. In den 1990er-Jahren ragten triste Plattenbauten in den Himmel, in Velten-Süd lebten die Abgehängten dieser Gesellschaft. Ein Stadtteil, den Veltener nachts mieden. Heute sind die Neubauten saniert, es gibt Bürgerhaus, Erlebnisspielplatz, Fitnessparcours. Für zehn Millionen Euro hat die Stadt Velten den Stadtteil aufgepäppelt, seit er 2001 in das Förderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen wurde. Velten-Süd und sein Image wurden aufgehübscht, doch viele der Probleme sind geblieben. Dieses Fazit zog Monika Schröder am Dienstag im Stadtentwicklungsausschuss. Die Expertin des Unternehmens „Stern“ hat ein Entwicklungskonzept erstellt. Viele der Bewohner seien arbeitslos und hätten einen niedrigen Bildungsstand, es gebe nach wie vor Kinderarmut und Verhaltensauffälligkeiten. „Außerdem ist der Anteil der Nicht- oder NPD-Wähler hoch“, so Monika Schröder.

Im Konzept schlägt sie 36 Maßnahmen vor, die den Stadtteil voranbringen und vom Land gefördert werden könnten. Unter anderem soll es eine „grüne“ Achse samt Skater- und Radweg von der Ernst-Thälmann-Straße bis zum Gleispark geben (560 000 Euro), ein Nachnutzungskonzept für die ehemalige Kaufhalle soll gefunden werden. Die Halle könnte für Skaten oder Fußball genutzt ­werden, außerdem könnte es einen Kletterfelsen geben (110 000 Euro). Auch der Straßenraum im Eingangsbereich der Siedlung solle neu gestaltet werden (150 000 Euro). Das Bürgerhaus soll stärker beworben werden und mehr Freizeitangebote machen. Kleinere Projekte sollen der Suchtprävention, der Verbesserung der Ernährung, Hilfe bei Bewerbungen oder der stärkeren Beteiligung von Bewohnern am Geschehen im Stadtteil dienen. Unter anderem werden Stadtteil-Spaziergänge mit der Verwaltung vorgeschlagen, bei denen sich die Bürger einbringen könnten.

Das Einbringen sei aber genau das Problem, sagte Paul Niepalla (SPD). Der Großteil der Leute, die das Bürgerhaus nutzten, kämen kaum aus Velten-Süd, sondern aus anderen Stadtteilen. Die Bewohner selbst igelten sich zu Hause ein, viele seien aufgrund von langer Arbeitslosigkeit frustriert und identifizierten sich nicht mit dem Wohngebiet. Velten-Süd sei zwar nicht mehr der Brennpunkt wie Ende der 1990er, als Asia-Imbisse und Keller brannten, so Niepalla. Das Gebiet stehe aber weiter auf der Kippe. Man müsse die Menschen abholen, etwa mit Unterstützung des Jobcenters. „Sonst wird es ein Stadtteil bleiben, wo wir viel investieren und hübsche Fassaden haben, aber dahinter bröckelt’s“, so Niepalla, der entsprechende Maßnahmen im Konzept vermisste. Veltens Bürgermeisterin Ines Hübner räumte ein, dass es schwer sei, die Erwachsenen in Velten-Süd zu beteiligen. In Kitas, Schulen und Jugendclubs sehe das aber anders aus. „Die Kinder sind sehr aktiv und interessiert, das hat sich dort sehr verändert“, so Hübner. Für die Erwachsenen müsse man entsprechende Konzepte finden.

Bauamtsleiter Berthold Zenner erklärte, dass dem Gebiet mit seinen kleinen Wohnungen und einfachem Ausbaustandard immer die Gefahr bestehe, dass es abdrifte. „Ich glaube nicht, dass wir mit einem Förderprogramm daraus ein blühendes Quartier machen, in dem alle Bewohner mitmachen.“ Die förderfähigen Maßnahmen böten aber die Chance, das Wohngebiet mit baulichen Maßnahmen in das Stadtgefüge zu integrieren. „Wenn wir mit Fördermitteln einen Skaterplatz bauen, können auch Jugendliche aus anderen Bereichen der Stadt ihn nutzen. So wird das Image des Stadtteils aufgewertet“, so Zenner.

Das Konzept wurde trotz der Kritik empfohlen, heute diskutiert der Sozialausschuss das Thema.

Von Marco Paetzel

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