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Das Wohnhaus des Rittmeisters am „Grünen Ei“

Tag des offenen Denkmals 2015 Das Wohnhaus des Rittmeisters am „Grünen Ei“

Das Landhaus Andreae am Heiligen See öffnet sich am Tag des offenen Denkmals. Wo einst der Rittmeister August Andreae Gäste empfing, lernen heute die Kinder einer Kita den respektvollen Umgang mit einem besonderen Denkmal. Der Architekt Paul Schultze-Naumburg erbaute damals ein Haus des Neuen Bauens. Später diente er sich den Nazis an.

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Der ehemalige Pferdestall des Rittmeisters Andreae ist heute Kunstatelier der Kita-Kinder.

Quelle: Peter Degener

Berliner Vorstadt. Das „Grüne Ei“ kennen viele Potsdamer als wilde Badestelle am Ostufer des Heiligen Sees, wo man einen herrlichen Blick auf das Marmorpalais hat. Diese Aussicht hatte vielleicht auch der Rittmeister August Andreae im Sinn, als er sich dort von 1913 bis 1914 ein prächtiges Herrenhaus errichten ließ. Die eiförmige Rotunde vor seinem Wohnhaus ist die kleine Variante einer herrschaftlichen Vorfahrt. Heute beherbergt das Gebäude die Kita „Am Heiligen See“ des Trägers Evangelisches Jugend- und Fürsorgewerk und öffnet sich am Tag des Offenen Denkmals am 13. September der Öffentlichkeit.

Das Landhaus entstand gleichzeitig mit Schloss Cecilienhof

„Auch wenn das Landhaus Andreae schon häufiger daran teilgenommen hat, bekommt das Haus eigentlich zu wenig Öffentlichkeit“, sagt Denkmalpflegerin Sabine Ambrosius.

Das Landhaus Andreae am Heiligen See

Das Landhaus Andreae am Heiligen See.

Quelle: Peter Degener

Denn der Architekt Paul Schultze-Naumburg (1869-1949) errichtete für den Rittmeister Andreae ein frühes Zeugnis des Neuen Bauens, das an Vorbilder aus der Zeit des Biedermeier anknüpft und sich deutlich vom schwülstigen und üppigen Neobarock der Kaiserzeit absetzt. Reduzierte Formen innen und außen prägen das große Gebäude und seine Nebengebäuden. Berühmt wurde der Architekt für das Schloss Cecilienhof, das auf der anderen Seeseite zeitgleich entstand. Rittmeister Andreae, über den sonst nicht viel bekannt ist, nutzte seine Nähe zum Kaiserhaus, um Schultze-Naumburg engagieren zu können, vermutet Ambrosius.

Der Architekt hat später die Kunsttheorie der Nazis mitgeprägt

„Er hat später eine nicht sehr rühmliche Entwicklung genommen“, sagt sie über den Baumeister und Künstler Schultze-Naumburg. 1928 diskreditierte er mit der Schrift „Kunst und Rasse“ die moderne Kunst und bereitete den Nationalsozialisten den Boden für die Theorie der „Entarteten Kunst“. Nach dem Krieg starb er verarmt. Der Rittmeister verkaufte das Haus bereits in den 1930er Jahren an die Stadt Potsdam. Seit 1951 wurde es zur Kinderbetreuung genutzt.

Das Landhaus Andreae ist heute eine Kita

Das Landhaus Andreae ist heute eine Kita. Der großzügige Bau ist architektonisch schlicht gestaltet.

Quelle: Peter Degener

Gerlinde Ihrke ist seit dem Jahr 2000 die Leiterin der heutigen Kita „Am Heiligen See“. Seit ihrem Dienstantritt sind im laufenden Betrieb Stück für Stück der Dachboden, die Küche, die Toiletten und der frühere Pferdestall saniert worden. Dabei kamen viele historische Details ans Tageslicht, die sie bei ihren Führungen am Denkmaltag zeigen will.

Im ausgebauten Dach findet man den zentralen Kaminzug des Hauses, in dem verschiedene Kamine zusammenlaufen

Im ausgebauten Dach findet man den zentralen Kaminzug des Hauses, in dem verschiedene Kamine zusammenlaufen.

Quelle: Peter Degener

Ihr eigenes Büro bestand ursprünglich aus zwei Räumen – der Garderobe und einer Kammer für das Dienstpersonal. Die unterschiedliche Nutzung zeigt sich bis heute an den verwendeten Materialien, die in der einstigen Garderobe wertvoller sind, weil dort Gäste des Hauses verkehrten. In der früheren Sattelkammer wurden Metallschienen an den Durchgängen freigelegt, die ursprünglich ein Schutz gegen allzu grobe Beanspruchung der Türrahmen waren.

Aus dem Pferdestall wurde das Kunstatelier der Kita-Kinder

Als der Pferdestall zum Kunstatelier der Kita umgebaut wurde, entdeckte man die zuvor verbauten Eisensäulen wieder und legte sie frei. Im ausgebauten Dachboden sieht man heute deutlich, wie sich die vielen einzelnen Kaminzüge zu einem einzigen Schlot verjüngen – eine seltene Bauweise in Potsdam.

Tag des offenen Denkmals

Das Landhaus Andreae in der Seestraße 43 hat am 13. September von 12 bis 15 Uhr geöffnet. Neben stündlichen Führungen durch das Gebäude gibt es Kaffee und ein Kuchenbüffet. Um 14 Uhr tritt das Jazz-Trio „JazzApart“ im Innenhof auf.

Unter dem Motto „Handwerk, Technik, Industrie“ findet der Tag des Offenen Denkmals an diesem Tag bundesweit statt. In Potsdam wird er als „Potsdamer Dreiklang“ gleichzeitig von den Potsdamer Jazztagen (ab 11. September) und der Kunst-Genuss-Tour (am 12. September) umrahmt.

Unter anderem werden kostenfreie Führungen zu den Wasserspielen im Park Babelsberg, den Uhren des Marmorpalais und der Technikgeschichte von Schafgraben, Persius-Speicher und dem früheren Elektrizitätswerk der Brandenburger Vorstadt angeboten. Auf dem Handwerkerhof Weinbergstraße 27 stellen in der Denkmalsanierung tätige Firmen Techniken vor.

Das gesamte Programm zu allen 50 teilnehmenden Potsdamer Denkmalen und Konzerten findet man unter www.potsdamer-dreiklang.de

Seit 2001 ist das Landhaus Andreae eingetragenes Denkmal und öffnet sich regelmäßig am Tag des offenen Denkmals. Neben Führungen wird am 13. September um 14 Uhr erstmals auch ein Jazzkonzert veranstaltet. Damit wird das Denkmal auch auf einer emotionalen Ebene erlebbar gemacht, sagt Ambrosius. Für die Kita-Kinder ist das durch die stückweise Sanierung schon jetzt die Regel. „Sie bekommen hier ein besonderes Verhältnis zu historischen Häusern und lernen mit Sorgfalt und Respekt gegenüber dem Haus umzugehen“, sagt Kita-Leiterin Ihrke.

Von Peter Degener

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