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Familie muss zahlen, weil sie Katzen füttert

Eskalierter Nachbarschaftsstreit Familie muss zahlen, weil sie Katzen füttert

 Unter Nachbarn kommt es gelegentlich zum Streit. Wenn der eskaliert, dann greift so mancher nach einem Strohhalm. In Brandenburg an der Havel wird der Nachbarschaftskonflikt nun auf dem Leid einiger Katzen ausgetragen. Weil ein pensioniertes Ärztepaar sich der verstoßenen Tiere angenommen hat, soll es nun kräftig zahlen.

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Die Katzen fressen ihr Futter und ahnen nicht, welchen Konflikt sie ausgelöst haben.
 

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H..  Ein pensioniertes Ärztepaar kümmert sich in seiner Wohnung und seinem Garten auf dem Görden um Katzen, die ihre Besitzer einst zurückgelassen haben. Das kommt sie nun teuer zu stehen. Elke und Georg Arnold, 84 und 76 Jahre alt, müssen nach einem Urteil des Amtsgerichts Brandenburg mehr als 400 Euro an ihren Vermieter bezahlen, das Asklepios-Fachklinikum Brandenburg. Weil die bis zu acht Katzen, die sie laut Gerichtsurteil regelmäßig füttern, Nachbars Garten verunreinigen. Hinter dem Katzenkonflikt steckt ein stark gestörter Hausfrieden, ein übler Nachbarschaftsstreit.

Über Jahre hinweg haben Georg und Elke Arnold als Chefarzt und Oberärztin in der ehemaligen Bezirksnervenklinik und Landesklinik auf dem Görden gearbeitet. Auch unter dem Nachfolger Asklepios genießen sie nach ihrer Pensionierung ein lebenslanges Wohnrecht in der klinikeigenen Wohnung ganz in der Nähe des Krankenhauses.

Als der gegenüber gelegene Wohnblock vor mehr als zehn Jahren leergezogen wurde, ließen manche Leute einfach ihre Katzen zurück, so schildert es die Medizinerin. Die Familie kümmere sich seither um die Tiere. Sie hat Futterplätze im eigenen Garten eingerichtet und drei inzwischen kranke Katzen in der eigenen Wohnung aufgenommen.

Einst feierte die Hausgemeinschaft gemeinsame Feste

Zunächst sei alles kein Problem gewesen, berichtet die pensionierte Internistin. Bis etwa 2010 habe die Hausgemeinschaft harmonisch zusammengelebt, sogar gemeinsam Grillfeste gefeiert. Doch seit gut fünf Jahren ist die Hausgemeinschaft gespalten, die eine Seite ist der anderen nicht mehr grün.

Eine Treppe für die Tiere

Eine Treppe für die Tiere.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Hässliche Dinge sind passiert, beiden Seiten fühlen sich von der jeweils anderen in schlimmer Weise gemobbt, belogen, bedroht, kriminalisiert. Für Außenstehende ist es unmöglich zu entschieden, wer an welcher Stelle Recht hat.

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Bleiben die herrenlosen Katzen, die sich der Fürsorge der Medizinerfamilie sicher sein können. Jahrelang haben sich die ungeliebten Nachbarn auch beim Vermieter beschwert über Verschmutzungen durch Kot, Urin und tote Kleintiere im eigenen Garten. Briefe sind hin- und hergegangen: Die wiederholte Forderung: Arnold sollen endlich aufhören, so viele Katzen zu füttern und zu umsorgen.

Amtsveterinär und Tierschützer richten wenig aus

Elke Arnold hält dagegen, dass es gegen den Tierschutz sei, die Katzen einfach ihrem Schicksal zu überlassen und ihnen dass Futter zu entziehen. Eine Lösung gibt es in all den Jahren nicht. Daniela Wolarz-Weigel, Geschäftsführerin des Asklepios-Fachklinikums, kennt das Katzenproblem zur Genüge. Öffentlich dazu äußern möchte sie sich nicht.

Auch die wiederholten Versuche des Brandenburger Tierschutzvereins und des Amtsveterinärs Knut Große, dem haarigen Dauerkonflikt die Spitze zu nehmen, sind gescheitert. Die Ärztin würde die Katzen in ihrer Umgebung nach eigenen Angaben eher töten als verhungern lassen. Aber natürlich hat Amtstierarzt Knut Große ihr Ansinnen abgelehnt, die Samtpfoten mit tödlichen Spritzen ins Jenseits zu befördern. Denn das wäre verboten.

Diese Katze wurde unter anderem zurückgelassen und wird nun von der pensionierten Arzt-Familie umsorgt

Diese Katze wurde unter anderem zurückgelassen und wird nun von der pensionierten Arzt-Familie umsorgt.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Das Amt ist mit seinem Katzenlatein an dieser Stelle längst am Ende. Der Tierschutzverein will noch einmal versuchen, eine neue Heimat für die vor Jahren ausgesetzten, alten Katzen zu finden, obwohl das schwierig sein dürfte. Die Vorsitzende bestätigt die Bemühungen von Elke Arnold, die Katzen im Tierheim unterzubringen. „Wir schauen, ob wir das ein oder andere Tier aufnehmen können“, sagt Claudia Vogel zu. Eine komplette Übernahme schließt sie aus.

Gericht: Regelmäßige Fütterungen ziehen die Katzen an

Der Sachverhalt nach Darstellung des Amtsgerichts Brandenburg: Die beklagte Familie füttert regelmäßig bis zu 8 Katzen auf dem Grundstück/Garten des Mietobjekts. Andere Mieter des Mehrfamilienhauses beschweren sich über die Fütterungen und die Verunreinigungen beim Vermieters. Asklepios fordert die Beklagten vergeblich auf, das Füttern von mehr als zwei Katzen zu unterlassen.

Die Mieter , die sich an dem Katzen stören, mindern die Miete. Das Amtsgericht Brandenburg entscheidet am 10. Februar 2015 (Az: 30 C 253/14), dass die Eheleute die Miete auf Grund der Beeinträchtigungen zu Recht gemindert haben.

Asklepios klagt daher gegen die Mieter, die die Katzen füttern, damit diese die Kosten der Mietminderung übernehmen.

Im September 2015 entscheidet das Amtsgericht, dass die zulässige Klage nach teilweiser Klagerücknahme in vollem Umfang begründet sei.

Die Gründe für das Gerichtsurteil: Die Beklagten haben ihre Pflichten aus dem Mietverhältnis dadurch verletzt, dass sie regelmäßig bis zu acht Katzen füttern.

 Soweit die Beklagten in diesem Zusammenhang die Anzahl der gefütterten Katzen in Abrede stellen, ist ihr Bestreiten laut Gericht unbeachtlich. Denn auf Grund der regelmäßigen Fütterung sei den Beklagten auch bekannt, wie viel Katzen jedenfalls durchschnittlich an den Fütterungen teilnehmen.

Ob die Familie darüber hinaus in der Wohnung Katzen hält, und wenn ja, in welcher Anzahl, sei für das Verfahren irrelevant. Denn eine Pflichtverletzung liegt bereits allein in der regelmäßigen Fütterung von bis zu acht, auch nicht in der Wohnung gehaltenen, Katzen. Denn dies stellt eine nicht mehr vertragsgemäße Nutzung des Mietobjekts dar.

Regelmäßige Fütterungen ziehen die Katzen an, so die Urteilsbegründung. Dies führe erfahrungsgemäß zu Verunreinigungen auf der Gartenfläche in Form von Katzenurin, Katzenkot und toten Kleintieren.

Die Gerichte haben zweimal gegen die Katzenliebhaber entschieden. Zunächst setzten Familie Arnolds Gegner gerichtlich durch, dass sie ihre Miete aufgrund des Katzendrecks um zehn Prozent und somit um rund 22 Euro im Monat mindern dürfen. Im aktuellen Verfahren urteilte Richter Torsten Bönig vor einigen Tagen, dass Familie Arnold dem Asklepios-Klinikum die geminderten Mieteinnahmen rückwirkend bis zum 1. Dezember 2013 erstatten muss: Der zuerkannte Zahlungsanspruch beläuft sich auf 419,71 Euro.

Die Nerven aller Beteiligten sind überstrapaziert. Vorwürfe gehen hin und her. Das Verhalten des jeweils anderen wird als schlimme Belastung angesehen. Die Gegner der Arnolds möchten sich nicht öffentlich zu dem Konflikt äußern, sie bestreiten nur deren Darstellung, dass sie auf die Wohnung ihrer Nachbarn scharf wären. Im Gegenteil. Sie selbst wollen bald ausziehen, nicht nur, aber auch wegen der Katzen und allem, was an den unschuldigen Tieren hängt.

Von Jürgen Lauterbach

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