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Filmdoku zum Kunsthaus im Rechenzentrum

Premiere im Babelsberger Thalia-Kino Filmdoku zum Kunsthaus im Rechenzentrum

Keine vier Monate nach der Neueröffnung des alten Rechenzentrums zum zentralen Kunst- und Kreativquartier der Landeshauptstadt Potsdam gibt es den ersten Film über das Haus. Die Premiere der Dokumentation über den Anfang, die Mieter und die mit vielen Überraschungen verbundene Vorgeschichte ist am Dienstag im Babelsberger Thalia-Kino.

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Drohnenblick auf das Kunst- und Kreativhaus im alten Rechenzentrum im November 2015.

Quelle: Kulturlobby/Christian Morgenstern.

Potsdam/Innenstadt. Ein Straßenauflauf von Künstlern wie am 1. März 2014 ist in Potsdam nicht alltäglich. In Gruppen standen sie auf der Brandenburger und sangen: „Schick essen gehn’ und teuer wohn’, das ist uns zu monoton!” Grund der Kundgebung war die angekündigte Räumung der alten Brauerei am Leipziger Dreieck, in der mehr als 100 Musiker, Fotografen und bildende Künstler Ateliers und Proberäume gefunden hatten.

Aufzeichnungen von dieser Protestveranstaltung gehören zu den zentralen Szenen des Dokumentarfilms „Vom Abrissobjekt zum Kreativkosmos“ über die Geburt des Kunst- und Kreativhauses im alten Rechenzentrum an der Breiten Straße, der am Dienstag um 19 Uhr im Thalia-Kino in Babelsberg uraufgeführt wird.

Für die Filmemacher Kristina Tschesch (36) und Elias Franke (27) – beide waren über soziale Netzwerke auf den Künstlerprotest und aufmerksam geworden – war jener Samstag vor zwei Jahren der erste ehrenamtliche Einsatz im Dienst der Szene. Wenig später sollten sie zu den Mitgründern und schließlich zum harten Kern der Kulturlobby gehören, die von Aktiven der Initiative Alte Brauerei als Netzwerk gegründet wurde.

Elias Franke und Kristina Tschesch vor dem Kunsthaus im alten Rechenzentrum

Elias Franke und Kristina Tschesch vor dem Kunsthaus im alten Rechenzentrum.

Quelle: Friedrich Bungert

Zentrales Anliegen der Kulturlobby ist der Kampf um Räume, genauer: um „Möglichkeitsräume“, wie Hermann Voesgen es 2015 in der Januarsitzung des Potsdamer Kulturausschusses nannte. Im Blick hatten die Kulturlobbyisten um André Tomczak bei ihrer Suche nach Orten mit Platz für Ateliers und Proberäume zu der Zeit das Gebäude der alten Fachhochschule, das nach aktuellen Plänen bis 2017 freigezogen und danach abgerissen werden soll.

Eine Kettenreaktion führte dann zum überraschenden Schwenk – beginnend mit dem Plädoyer von Manfred Stolpe und Paul Oestreicher als Wegbereitern des Wiederaufbaus der Garnisonkirche für den Verzicht auf das Kirchenschiff. Der damalige Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) stellte klar, dass das Rechenzentrum dem Neubau des Kirchturms allein gar nicht im Wege stünde. Schließlich Voesgens Verweis auf diese Adresse. Keine Woche nach jenem Kulturausschuss im Januar 2015 folgte die überraschende erste Erklärung von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), das Verwaltungsgebäude des Rechenzentrums sei „zumindest zwischenzeitlich ein möglicherweise gutes Angebot” für Künstler und Kreativwirtschaft.

Zu den spektakulären Sequenzen des Dokumentarfilms „Vom Abrissobjekt zum Kreativkosmos“ zählen Aufnahmen in Schwarz-Weiß von Martin Seidel, der als Orgelbauer bei Schuke das Instrument in der Heilig-Kreuz-Kapelle im Sockel des Garnisonkirchturms wartete. Er hat die Sprengung der Ruine im Jahr 1968 dokumentiert. Im Thalia aber werden am Dienstag Seidels Aufnahmen von der Baustelle für das Rechenzentrum gezeigt, das an der Stelle der Garnisonkirche errichtet wurde. Detail am Rande sind die hellen Lamellen an der Fassade, die wohl erst nach 1989 abmontiert wurden.

Raumprobleme trotz des Rechenzentrums

110 Künstler und andere Kreative nutzen die derzeit verfügbaren 120 Räume im dritten und vierten Obergeschoss des Rechenzentrums an der Breiten Straße. Im September oder Oktober sollen mit dem Freizug des ersten und zweiten Obergeschosses durch das Land weitere 150 Räume mit insgesamt fast 2500 Quadratmetern Fläche hinzukommen.

Ein weiteres, noch größeres Künstler- und Gründerzentrum soll mittelfristig in der Garde-Husaren-Kaserne an der Berliner Straße/Ecke Schiffbauergasse entstehen. In diesem Gebäudekomplex stünden insgesamt 8000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Noch wird die Kaserne aber von der Bundespolizei genutzt.

Dringendes Problem sind nach Mitteilung der Kulturlobby Proberäume für Musiker und Bands. Im Rechenzentrum, das maßgeblich durch den lauten Protest von Musikern auf den Weg gebracht wurde, seien „laute Nutzungen“ bislang ausgeschlossen.

Sechs neue Bandprobenräume und ein Studio sollen im Haus 4 des Freiland-Kulturzentrums an der Friedrich-Engels-Straße 22 eröffnet werden. Geplanter Baubeginn ist laut Kulturlobby im April. Allerdings gebe es dafür bereits lange Wartelisten.

Die Filmemacher erzählen in schnellen Schnitten von den Anfängen, dem Prozess, dem Haus, den Mietern und der Zukunft. Immer wieder hört man bei den vielen Statements von der Überraschung, dass dieses Projekt überhaupt möglich wurde. Von einem Modellfall. Und dass praktisch alle ein gemeinsames Ziel verfolgen, eine in der mit Konfliktstoff überladenen Potsdamer Mitte einmalige Situation. Der Film endet an einem Punkt, der eigentlich ein Anfang ist – mit dem Fest zur offiziellen Eröffnung am 5. November.

Info Premiere im Thalia-Kino am Dienstag um 19 Uhr, Eintritt frei. Reservierung letzter Plätze per rechenzentrum.film@gmail.com

 

Von Volker Oelschläger

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