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Flüchtlingsheim in Holzbauweise

Potsdam entwickelt Prototyp für Wohnungswirtschaft Flüchtlingsheim in Holzbauweise

Das Freiland-Kulturzentrum in Potsdam bleibt Versuchsfeld für eine neue Form von Flüchtlingsunterkünften. Unter dem Titel „Make Space“ entwickelt eine Arbeitsgruppe an der Fachhochschule ein viergeschossiges Wohnhaus nahezu komplett aus Holz, das zum Prototyp für einen preisgünstigen und ökologisch nachhaltigen Wohnungsbau in Ballungsräumen werden soll.

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Entwurf für das „Make-Space“-Flüchtlingswohnheim auf dem Potsdamer Freiland-Gelände.

Quelle: FHP/Jahn

Potsdam. Die Stadt bleibt bei der Zusage, auf dem Gelände des Freiland-Kulturzentrums an der Friedrich-Engels-Straße Flächen für eine „Make Space“ genannte Flüchtlingsunterkunft in alternativer Bauweise frei zu halten: „Es gab die Zusage“ von Flüchtlingskoordinator Frank Thomann, so Rathaussprecher Jan Brunzlow auf MAZ-Anfrage, und „das wird auch geschehen“.

An der Entwicklung eines Prototyps für die Flüchtlingsunterkunft arbeitet in der Fachhochschule Potsdam eine Gruppe von Professoren und Studenten unter der Leitung des Produktdesigners Holger Jahn. Vorbereitet wird eine Konstruktion mit Fachwerk, Decken und Wänden aus unterschiedlich präpariertem Holz, die anderenorts als kostengünstiges und nachhaltiges Modell für den Wohnungsbau verwendbar sein soll.

Jede Wohnung hat einen kleinen Balkon

Geplant ist ein 75 Meter langer und mit vier Stockwerken 11,50 Meter hoher Bau in Holzbauweise. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt über außenliegende Stahltreppen und Laubengänge auf der Nordseite. Die Südseite ist komplett verglast, jede Wohnung hat einen kleinen Balkon, der zugleich als Sonnenschutz dient. Je nach Belegung könnte mit dem Haus Wohnraum für mindestens 96 Personen und weitere Kinder geschaffen werden.

Pro Quadratmeter Wohnfläche rechnet Jahn mit einer Investitionssumme von 1000 Euro. Zu den insgesamt 1,6 Millionen Euro für das zweiteilige Wohnhaus kämen 300.000 Euro für die Errichtung eines separaten Gemeinschaftsgebäudes. Das Gebäude werde eine hohe Wohnqualität und eine sehr gute Energiebilanz haben. Er gehe davon aus, dass das Haus bei zügigem Genehmigungsverfahren bereits 2016 stehen könnte, so der Professor.

Unruhe gab es wegen eines Metallzaunes

Zunächst sollen nach Plänen der Stadt auf dem Parkplatz des Kulturzentrums und der Wiese daneben zwei herkömmliche Leichtbauhallen sowie ein Sanitär- und ein Versorgungscontainer für insgesamt 96 Flüchtlinge aufgestellt werden. Wie berichtet, äußerte das Nutzerplenum des Freilands in einer Erklärung die Sorge, dass bei der angekündigten Anordnung dieser Container kein Platz für das „Make-Space“-Projekt bleibe.

Unruhe gab es auch wegen eines Metallzaunes, der zwischen dem Flüchtlingswohnheim und dem übrigen Freiland gezogen werden soll. Dementiert wurde von den Stadtwerken, dass schon kurzfristig ein Verkauf der durch den Zaun abgetrennten Fläche geplant sei. Dirk Harder von der Freiland-Betreibergesellschaft Cultus UG teilte am Montag mit, dass Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger und Stadtwerke-Chef Wilfried Böhme das zum Ende der vergangenen Woche bekräftigt hätten.

Ausverkauftes Benefiz für „Make-Space“-Projekt mit Marc-Uwe Kling

Mit einem Verkauf des Grundstücks wäre das „Make-Space“-Projekt an dieser Stelle hinfällig gewesen. Voraussetzung für die Errichtung des Holzblocks mit seiner sehr viel längeren Nutzungsdauer ist ein langfristiger Zugriff auf das Grundstück. Finanziert würde die Flächensicherung über Pacht oder Erwerb nach Plänen Jahns mit Hilfe einer Genossenschaft oder einer Stiftung. Der Professor setzt bei dem Modellprojekt zudem auf Unterstützung aus dem Handwerk und der Privatwirtschaft.

Im Waschhaus gibt es für das „Make-Space“-Projekt am 30. November und am 1. Dezember Benefizauftritte des Kabarettisten Marc-Uwe Kling, die bereits ausverkauft sind.

Das „Make-Space“-Haus in Zahlen

Nach den aktuellen Plänen sollen mit dem „Make-Space“-Projekt 15 Wohnungen für jeweils drei Personen oder Familien mit mehreren Kindern à 50,7 Quadratmeter, 27 Wohnungen für je eine Person à 16,3 Quadratmeter, vier barrierefreie Wohnungen für drei Personen à 50,7 Quadratmeter sowie sechs barrierefreie Wohnungen für zwei Personen à 33,5 Quadratmeter entstehen.

Je nach Belegung ist der Wohnraum für mindestens 96 Personen und gegebenenfalls weitere Kinder geeignet. Jede Wohnung ist mit Bad, Küchenzeile und eigenem Balkon ausgestattet.

Das „Make-Space“-Projekt wird aktuell als Alternative zu Containern und Leichtbauhallen für die Unterbringung von Flüchtlingen diskutiert. Es dient soll zugleich als Modell für kostengünstigen und ökologisch nachhaltigen Wohnungsbau in Ballungsräumen dienen.

Jahns Modell sieht im Gegensatz zu den mit den Leichtbauhallen ausschließlich Flüchtlingen zugedachten Unterkünften eine gemischte Nutzung etwa durch Studenten und Flüchtlingen vor. Mit den Studierendenvertretungen der Fachhochschule und der Universität Potsdam gebe es bereits erste Gespräche über die Errichtung eines zweiten „Make-Space“-Hauses an anderer Stelle, das ebenso wie der Prototyp neben dem Freiland jeweils zu 50 Prozent von Studenten und von Flüchtlingen bewohnt werden könnte.

Jahn, der seit 2014 an der Fachhochschule Potsdam forscht und lehrt, verfolgt die Idee des „Make Space“ bereits seit Jahren als Möglichkeit, in Ballungsräumen bezahlbaren und ökologisch nachhaltigen Wohnraum zu schaffen.

Von Volker Oelschläger

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