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Bekenntnis zur Platte

Gegefa. 25 Jahre kommunale Wohnungswirtschaft in Falkensee Bekenntnis zur Platte

Vor 25 Jahren wurde aus dem VEB Gebäudewirtschaft die Gemeinnützige Gebäudewirtschaft Falkensee GmbH, die Gegefa. Die musste die begonnen Plattenbauten erst einmal zu Ende bauen. Heute steht die Gesellschaft solide da und hat neue Pläne.

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Im Falkenhorst liegt Falkensees Plattenbaugebiet mit etwa 1000 Wohnungen.

Quelle: Foto: Tanja M. Marotzke

Falkensee. „Vor ein paar Tagen habe ich mal den alten Mietvertrag rausgekramt“, erzählt Margitt Weghofer. „Da stand noch drin, dass wir uns auf einem Baugelände befinden. Da war ringsum noch nichts fertig, überall waren Sandpisten.“ Am 21. Juli 1990 war die Falkenseerin in die Milanstraße gezogen.

Wenige Tage später bekam sie einen neuen Vermieter. Den Mietvertrag hatte sie noch mit dem VEB Gebäudewirtschaft abgeschlossen. Der wurde am 30. Juni 1990 aufgelöst, am gleichen Tag wurde die Gemeinnützige Gebäudewirtschaft Falkensee GmbH, die Gegefa, gegründet.

„Die neue Stadtverordnetenversammlung hatte sich im Juni 1990 gleich mit dem Wohnungsbau befasst“, erinnert sich Michael Simon. Der Sozialdemokrat saß vor 25 Jahren in der frei gewählten Stadtverordnetenversammlung, seit sechs Jahren ist er Vorsitzender des Aufsichtsrates der Gegefa. „Das waren in der Stadtverordnetenversammlung ideologische Kämpfe“, erinnert er an die hektischen Wochen vor 25 Jahren. „Viele meinten, Wohnungsbau wäre nicht mehr Aufgabe der Stadt. Das müsse in der neuen Zeit die Marktwirtschaft regeln.“

In Falkensee herrschte damals eine besondere Situation. Hier ging es nicht einfach darum, einen Schwung kommunaler Wohnungen zu übernehmen und einen Volkseigenen Betrieb in eine GmbH-Form zu gießen. Hier ging es darum, die Wohnungen erst einmal fertig zu bauen.

Denn der komplexe Wohnungsbau war erst sehr spät nach Falkensee gekommen. Zwar hatte die Arbeiterwohnungsgenossenschaft, die AWG „Neues Leben“ schon in den 50er-Jahren Wohnblöcke im Falkenhorst errichtet, aber die Wohnungsnot in Falkensee war trotzdem groß. Falkensee musste hinter den politisch bevorzugten Baugebieten – wie Berlin oder Industriestädte – lange zurückstehen. Erst 1989 ging der Plattenbau richtig los. Die DDR-markanten WBS-70-Blöcke sollten entstehen. 848 Wohnungen warengeplant, für die Gebäudewirtschaft, die AWG und für die Grenztruppen.Am 19. Juni 1989 wurde feierlich der Grundstein gelegt, aber der Mauerfall stellte die Ereignisse auf den Kopf. „Weiterbauen oder Abreißen?“, das wurde 1990 diskutiert. Wer wolle noch eine Wohnung in der Platte?

Die Falkenseer entschlossen sich zum Weiterbau, mehrheitlich überzeugt, dass die neue Zeit nicht nur Luxuswohnungen, sondern auch bezahlbaren Wohnraum brauche. Der Beschluss zum Weiterbau fiel am 8. November 1990.

Um die Baufirmen bezahlen zu können, brauchte die Stadt Kredite, um Kredite zu bekommen,brauchte die Stadt den Besitz von Grund und Boden. Der jedoch war Volkseigentum. Die Ereignisse überschlugen sich. Die Stadt beantragte bei der Treuhand die Zuordnung der Grundstücke ins kommunale Vermögen. Es wurde bis 1992 gebaut.

Der schweren Anfangszeit folgten im neuen Jahrtausend andere Turbulenzen. Pläne zum Bau im Zentrum zerschlugen sich. Die Gegefa geriet in eine wirtschaftliche Schieflage, der Leerstand betrug fast zehn Prozent, die Mietschulden häuften sich, die Verluste auch. Die Stadt zog die Notbremse. Das uneffiziente Heizwerk in der Ruppiner Straße wurde geschlossen, das Heizwerk im Falkenhorst an die Edis Therm verkauft. „Wir standen am Scheideweg“, sagt Falkensees Kämmerer Ralf Haase, der 2009 zu einem der Gegefa-Geschäftsführer wurde. „Sanieren oder Verkaufen?“, so war die Frage. Die Falkenseer entschieden sich ein zweites Mal für das kommunale Wohnungsunternehmen. Das konzentrierte sich auf seine Kernaufgabe, die Vermietung von mehrgeschossigem Wohnbauten, es verkaufte Stück für Stück den Streubesitz in Falkensee und Dallgow-Döberitz. Nur noch ein Wohn- und Geschäftshaus in der Potsdamer Straße steht aktuell zum Verkauf. Die Gegefa richtete ein Mieterbüro ein, pflegte Häuser und Mieter besser. „Der Leerstand ist heute eigentlich bei Null“, sagt Ralf Haase, strukturbedingt ist mal eine Wohnung frei.

Die Gesellschaft schreibt schwarze Zahlen, diese werden die Geschäftsführer Ralf Haase und Dirk Albrecht am Montag im Aufsichtsrat vorlegen können. Und schon längst kein Geheimnis: Die Gegefa will auch wieder bauen. Ein Grundstück an der Coburger Straße im Falkenhorst hält sie dafür noch in der Hinterhand.

Von Marlies Schnaibel

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