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Häuschen im Grünen oder Platte in der Stadt?

Bauboom in Dahmeland-Fläming Häuschen im Grünen oder Platte in der Stadt?

Die Bevölkerung im Berliner Speckgürtel wächst rasant, allein die Region Dahmeland-Fläming konnte 2015 mehr als 5000 Neubürger verzeichnen. Gleichzeitig entstehen immer mehr Einfamilienhäuser, wie im neuen Ludwigsfelder Stadtteil Ludwigsdorf. Dabei stellt sich die Frage, ob der wachsende Wohnraumbedarf mit Einfamilienhäusern zu decken ist.

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1800 Einfamilienhäuser sollen im neu entstehenden Stadtteil Ludwigsdorf in Ludwigsfelde in den kommenden Jahren gebaut werden.

Quelle: Jutta Abromeit

Dahmeland-Fläming. „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“, dichtete vor 114 Jahren Rainer Maria Rilke, nachdem er Berlin gerade in Richtung Paris verlassen hatte. Damals boomte Berlin ähnlich wie heute, aber im Jahr 2016 zieht es die Mehrheit der Hauptstadtflüchtigen doch eher in den näheren Umkreis der Metropole. Dort entstehen bislang vor allem Einfamilienhäuser, allein der Landkreis Dahme-Spreewald hat im vergangenen Jahr mehr als 460 entsprechende Baugenehmigungen erteilt, Tendenz steigend. Das könnte man fast noch läppisch nennen, angesichts der 1800 Einfamilienhäuser, die allein in dem neuen Ludwigsfelder Stadtteil Ludwigsdorf in den kommenden Jahren gebaut werden sollen.

Doch angesichts einer überquellenden Millionenstadt vor der Haustür und Tausenden von Geflüchteten, die künftig auf den Wohnungsmarkt drängen, stellt sich die Frage, ob die Städte und Gemeinden in der Region nicht viel stärker auf sozialen Wohnungsbau setzen müssen, sprich: Wohnblöcke und Mehrfamilienhäuser. „Einfamilienhäuser sind schön und gut, die Frage ist nur, ob man damit auch ein städtisches Klientel anlocken kann“, sagt David Eberhart vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. „Um stärker vom Berliner Boom zu profitieren, sollten die Umlandgemeinden stärker auf Mietwohnungen setzen anstatt auf Einfamilienhäuser.“

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Die Städte und Gemeinden im Landkreis Dahme-Spreewald immerhin wollen sich in Fragen des Wohnungsbaus künftig stärker miteinander vernetzen, wie Landrat Stephan Loge (SPD) kürzlich in seiner Neujahrsansprache ankündigte. Am kommenden Montag werden sich die Vertreter des Landkreises und der Gemeinden zusammensetzen, um über die Details der Kooperation zu sprechen. Dabei sollen zunächst der aktuelle Wohnraumbestand und der künftige Bedarf ermittelt werden. Auch bei der Realisierung von Wohnbauprojekten könnte es zu einer Zusammenarbeit kommen, etwa um durch gemeinsame Investitionen Kosten zu sparen.

Entgegenkommen könnte den kommunalen Wohnungsbaugesellschaften dabei eine Entwicklung, die das Statistische Landesamt gerade festgestellt hat: Trotz des anhaltenden Baubooms im Berliner Umland haben die Kosten am Bau im vergangenen Jahr nicht mehr so stark angezogen wie in den Vorjahren. Um durchschnittlich 2,3 Prozent sind die Baupreise 2015 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. So niedrig war der Anstieg zuletzt im Finanzkrisen-Jahr 2008 (2,2 Prozent), üblich waren in den vergangenen Jahren eher Teuerungsraten von drei Prozent.

Nicht mehr ganz so rasant steigende Baupreise allein werden allerdings nicht reichen, um den immer weiter wachsenden Wohnraumbedarf im Berliner Umland auch nur zu lindern. Das hat inzwischen die Brandenburgische Landesregierung gemerkt und angekündigt, die Zuschüsse zum sozialen Wohnungsbau von jährlich 40 Millionen auf 70 Millionen Euro aufzustocken. In Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt sollen so in den kommenden Jahren mindestens 2000 Wohnungen für Haushalte mit niedrigem Einkommen entstehen.

Weitere Mittel für den sozialen Wohnungsbau erwartet die Landesregierung aus den 500 Millionen Euro, die die Bundesregierung den Ländern schon im September des vergangenen Jahres zugesagt hat. Außerdem können sich in Brandenburg fortan auch Mieter um Sozialwohnungen bewerben, deren Einkommen um bis zu 40 Prozent über der eigentlichen Schwelle liegt.

„Das Problem des Leerstands auf dem Land und des Booms im Speckgürtel ist damit aber nicht gelöst“, sagt Ludwig Böttcher, der Vorsitzende des Städte- und Gemeindebunds Brandenburg. „Es gibt zwar schon eine Verfahrensbeschleunigung für den Wohnungsbau in Ballungsräumen, aber neue Wohnungen lassen sich nicht aus dem Boden stampfen.“ Das würde sich Ludwig aber nicht wünschen: „In den Außenbereichen von Städten wie Königs Wusterhausen oder Luckenwalde kann man keine Hochhäuser hinstellen, sonst entstehen soziale Brennpunkte. Wichtig ist eine städtebauliche Mischung.“ Das Augenmerk müsse auch in einer angespannten Lage wie derzeit auf einer geordneten Stadtentwicklung liegen, und die brauche nun einmal Zeit.

Einen Hoffnungsschimmer für die mietpreisgeplagten Bewohner der Hauptstadtregion sieht Böttcher in den 31 brandenburgischen „Städten mit historischen Stadtkernen“, zu denen auch Jüterbog und Dahme/Mark gehören: „Sie sind ja heute mit der Bahn von Neuruppin aus schneller in Berlin-Mitte als von Köpenick aus.“

Von Martin Küper

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