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Heftige Kritik am Zeitverzug

Projekt Judenhof in Perleberg Heftige Kritik am Zeitverzug

Schon längst sollte das Gebäude für das Besucher- und Informationszentrum Judenhof in Perleberg fertig sein. Bereits im September hatten Stadtverordnete die Verzögerungen heftig kritisiert, nun ist der Streit im Stadtentwicklungsausschuss erneut aufgeflammt. Es soll geprüft werden, ob ein anderes Architekturbüro die Arbeiten fortsetzen soll.

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Durchblick bis in den Hagen. Durch zwei Glastüren öffnet sich das Besucherzentrum zu einem kleinen Garten an der Stepenitz.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Erneut ist es zu heftiger Kritik am Bauvorhaben Judenhof in Perleberg gekommen. Im Stadtentwicklungsausschuss wurde die Ansicht geäußert, ein Fortschritt bei den Bauarbeiten sei kaum zu erkennen. „Das spottet jeder Beschreibung, was dort passiert“, sagte Klaus Röpke (SPD).

Die bauliche Hülle für das neue Besucher- und Informationszentrum zu jüdischer Geschichte und jüdischem Leben sollte eigentlich schon am 19. September feierlich übergeben werden. Als sich Anfang September abzeichnete, dass der Termin nicht zu halten sein wird, hatte es bereits heftige Kritik gegeben.

Architekt Stefan Kunzemann war aufgefordert worden, das Bauvorhaben zügig zu Ende zu führen. Als neuer Fertigstellungstermin wurde der 23. Dezember genannt. Klaus Röpke wie auch andere Abgeordnete äußerten nun, auf der Baustelle werde gar nicht gearbeitet. „Wir werden verscheißert“, erregte sich Klaus Röpke. Es müsse geklärt werden, warum nicht gearbeitet wird, wann es mit den Arbeiten weitergehe und welche Mehrkosten entstehen. Es sollte auch geprüft werden, ob nicht ein anderes Büro das Projekt weiter- führen soll.

Bauamtsleiter Hagen Boddin äußerte, es sei besser, diese Dinge zusammen mit dem Architekten zu besprechen. Aber auch er kritisiere, dass Termin-Setzungen nicht eingehalten werden. Verzug sieht er in allen Baubereichen: beim Dach, bei der Vorhangfassade und auch bei der Glasfassade. Als Grund, warum die Arbeiten nicht vorangekommen sind, führte der Bauamtsleiter an: „Viele Detailfragen sind nach wie vor nicht geklärt.“

So sei etwa unklar, wie die Scharniere für die Vorhangfassade ausgeführt werden sollen, da der Auftragnehmer sie nicht so fertigen kann, wie dies ursprünglich geplant war. „Da wird viel Papier produziert und auf der Baustelle nicht gearbeitet.“ Nach dem Terminplan sollte, wie der Bauamtsleiter anmerkte, die Glasfront am 16. November eingebaut werden. Doch auf der Baustelle war am Montag davon nichts zu erkennen. Allerdings wird gearbeitet. Eine Firma bringt gerade die Wärmedämmung an den Außenwänden an. Architekt Stefan Kunzemann wies auf Nachfrage der MAZ die Kritik zurück. „Diese Diskussion nimmt absurde Züge an.“

Die Verzögerungen erklärte er damit, dass gleich nach Baubeginn Änderungen an ihn herangetragen wurden, viele Nachträge seien dazugekommen. „Wünsche gab es viele, aber nach den Konsequenzen wurde nicht gefragt“, sagte Stefan Kunzemann. Das Besucher- und Informationszentrum erhalte jetzt eine ganz andere Qualität, sie sei deutlich höher, als am Anfang geplant. „Man hat einen Trabant bestellt, und jetzt soll es ein Mercedes werden“, stellt der Architekt fest.

Zugleich wies er die Kritik am Baufortschritt mit den Worten zurück. „Ich lasse mich nicht auf einen Sportwettkampf ein.“ Er werde jetzt nicht auf Teufel komm raus auf der Baustelle Druck machen. Das führe nur dazu, dass Fehler passieren. Gerade habe er einen solchen Fehler verhindern können. Zum Fertigstellungstermin 23. Dezember sagte Stefan Kunzemann: „Noch haben wir eine Chance, ihn zu halten.“

Von Michael Beeskow

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