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„Ich möchte den Bahnhof wachküssen“

Tim Lehmann will Bahnhof Fürstenberg wiederbeleben „Ich möchte den Bahnhof wachküssen“

Einen Bahnhof kauft man sich nicht aller Tage. Tim Lehmann hat es gemacht und ist der Eigentümer des Fürstenberger Gebäudes. Der Eisenbahnfan erfüllte sich damit einen Traum. Jetzt lebt er ihn aus, indem er den Bahnhof wieder zum Leben erwecken will.

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Tim Lehmann vor seinem Eigentum.

Quelle: STEFAN BLUMBERG

Fürstenberg. „Eigentlich hatte ich den Bahnhof schon längst aus den Augen verloren“, sagt Tim Lehmann. Dann gab es aber zufällig ein Gespräch mit Bürgermeister Robert Philipp. Danach war klar: „Ich wollte den Fürstenberger Bahnhof haben!“ Tim Lehmann setzte einige Hebel in Bewegung – mit Erfolg. Der 43-Jährige besitzt das Gebäude seit Anfang des Jahres. Er freut sich wie Bolle, dass er es hat. Und darauf, dass seine Ideen umgesetzt werden. Kern seiner Vorstellungen: das Gebäude wieder mit mehr Leben füllen. Derzeit sind zwei Wohnungen vermietet, dazu die Gaststätte „Zur Dampflok“. An den Vereinbarungen mit den jetzigen Mietern wird nicht gerüttelt.

Insgesamt standen rund 250 Quadratmeter leer, etwa ein Drittel des gesamten Gebäudes. Viele der Räume waren in sehr schlechtem Zustand, hatten aber viel Charme. Zu haben waren die Fahrkartenausgabe, die Gepäckabfertigung oder die Bahnhofshalle. Ideen hatte der neue Besitzer viele. Indoor-Zelten in der Empfangshalle zum Beispiel. „Ich hab’s selbst getestet. Für eins, zwei Nächte wäre es absolut in Ordnung.“ Eher umsetzbar sei vermutlich, Künstlern diesen Platz anzubieten; Bildhauern zum Beispiel oder Musikern: „Projekt Kulturbahnhof“.

Das hat inzwischen geklappt. „Mein Ziel für dieses Jahr war, den Leerstand abzubauen. Ales ist nun bespielt“, sagt der Inhaber. „Zum Teil mietfrei durch kreative Zwischennutzungen.“ Eine junge Frau zog sogar ein ins Bahnhofsgebäude, ein junges Paar sei gerade dabei, die Empfangshalle so herzurichten, dass sie insbesondere für kulturelle und künstlerische Zwecke genutzt werden kann. „Die Neugier von den Leuten ist da“, sagt Tim Lehmann, der auf etwa 20 Interessenten verweist. Die soziale und kulturelle Schiene – darauf beziehen sich die Nachfragen hauptsächlich.

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Tim Lehmann ist ein Bahnhofsliebhaber. „Ich habe in meinem Leben berufsbedingt 300 bis 400 Bahnhöfe gesehen“, sagt der Architekt und Stadtplaner. Er arbeitete an der Planung der Bahnhöfe in München und Stuttgart mit, seine Doktorarbeit schrieb er über – Bahnhöfe. „Mich verfolgen Bahnhöfe mein ganzes Leben.“ Natürlich fährt er auch Bahn und Rad. „Ein Auto habe ich gar nicht, brauche ich nicht“, pocht er auf seine Einstellung als metromobiler Mensch. „Bretter aus dem Baumarkt kann ich auch mit dem Fahrrad holen. Oder ich lasse mir Sachen, die ich brauche, liefern. Das ist ja oft günstiger und zeitsparender, als sie selbst zu holen. Ich bin nicht gegen Autos, borge mir auch mal eins. Aber ich bin glücklich mit dem Lebensstil und will den auch aufs Land übertragen.“

Vor zwölf Jahren zog der Stuttgarter nach Berlin, seit drei Jahren läuft ein Bau-Wohn-Projekt mit elf Freunden in Kleinmenow. Sie kauften ein alte Haus und sind dabei, es zu sanieren. Die Wochenenden verbringen sie meist in Kleinmenow. „Von dort bis nach Fürstenberg zum Bahnhof sind es doch nur vier Kilometer. Die schaffe ich mit dem Rad ganz locker.“ Lehmann selbst arbeitet als Angestellter nur noch in Teilzeit, bereitet seinen Absprung vor, um irgendwann seine eigenen Projekte verwirklichen zu können.

Rund um den Bahnhof

Das Bahnhofsumfeld in Fürstenberg ist schon längst hergerichtet. Vor gut zwei Jahren Fast wurden 1,4 Millionen Euro rund um den Bahnhof verbaut. Vorplatz, Park & Ride-Anlage mit 100 Stellflächen, Schützenstraße und der Park am Bahnhof sind neu gebaut beziehungsweise gestaltet worden.

Der Bahnhof in Fürstenberg wird für die Bahnreisenden nicht mehr genutzt. Lediglich Stellplätze für Fahrräder gibt es und die attraktiven Parkangebote für Fahrzeuge. Die Anbindung für den öffentlichen Nahverkehr ist gewährleistet. Sechs Buslinien der OVG machen am Bahnhof Station.

Der Bahnhof Fürstenberg/Havel liegt an der Bahnstrecke Rostock/Stralsund – Berlin – Jüterbog – Lutherstadt Wittenberg/Falkenberg. Hier hält im Ein-Stunden-Takt der Regional-Express RE 5. In fast einer Stunde können die Reisenden das Berliner Zentrum mit dem Zug erreichen.

Jetzt konzentriert sich Tim Lehmann auf den Bahnhof Fürstenberg. Ohne Eile will er das Gebäude auf Vordermann bringen, legt selbst Hand an („Ich werkele gern.“). Er sagt, dass der Kauf des Bahnhofes („Das war schon immer mein Traum!“) ein Experiment ist. „Ich kann natürlich nicht alle meine Ideen gleichzeitig umsetzen. Für vieles brauche ich geeignete Partner. Aber ich würde mich darüber freuen, wenn wieder Leben ins Gebäude einzieht.“ Der Anfang ist gemacht. Mit dem Vorplatz, der P&R-Anlage, dem charmanten Bahnsteig, dem Grün, der Kirche , dem Park und den Villen sei das Umfeld des Bahnhofs sehr schön.

Der Plan besagt, 2016 die Fassade zu streichen, die Laderampe zu sanieren, die Bahnhofshalle und die Büroräume zu renovieren. Und natürlich Nutzer zu bekommen. Das Projekt solle dazu beitragen, die Lebensqualität in Fürstenberg nachhaltig zu verbessern. „Ich möchte den Bahnhof einfach wachküssen.“

Von Stefan Blumberg

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