Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Immer mehr ziehen vom Dorf in die Stadt

Vorteil für Neuruppin und Bad Wilsnack Immer mehr ziehen vom Dorf in die Stadt

Erstmals ziehen ebenso viel Menschen vom Westen in den Osten wie umgekehrt, haben Statistiker gerade ermittelt. Der Nordwesten Brandenburgs will davon auch profitieren – aber das ist nicht so einfach.

Voriger Artikel
Neuruppin: Verein zahlt fürs Saubermachen
Nächster Artikel
Potsdam will mit Mercure-Besitzern verhandeln

Einwohnergewinne und -verluste durch Zu- und Wegzüge in Ostdeutschland 2008 bis 2013, rote Gebiete gewinnen am stärksten, blaue verlieren am meisten. Gelb heißt: noch im Plus

Quelle: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Neuruppin. Das kräftige Orange zeigt es auf der Karte: Neuruppin und Bad Wilsnack sind das Licht im Dunkel. Vor allem in die Fontanestadt sind in den vergangene Jahren mehr Menschen zugezogen als von dort weggezogen sind. Bevölkerungsforscher nennen das einen positiven Wanderungssaldo: Zieht man die Fortzüge von den Zuzügen ab, bleibt unterm Strich ein Plus. Im Speckgürtel von Berlin konnte fast alle Gemeinden in den vergangenen Jahren einen Umzugstrend nach oben verzeichnen – in den Orten, die weiter von der Hauptstadt entfernt sind, gilt das nur für Ausnahmen. So hat es das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ermittelt.

In einer seiner neuesten Studien kommt das Institut zu einem eindeutigen Schluss: Während es in den 1990er Jahren viele Menschen aus der Stadt aufs Land gezogen hat, gilt inzwischen der umgekehrte Trend. Die Menschen wollen zurück in die Städte. „Das dürfte für den Osten und den Westen gleichermaßen gelten“, sagt Theresa Damm vom Berlin-Institut. Untersucht haben sie und ihre Kollegen explizit Ostdeutschland.

Die Prignitz verliert, Ostprignitz-Ruppin gewinnt


Der Landkreis Prignitz verlor zwischen 2008 und 2013 fast 2900 Einwohner durch Nettoabwanderung.

Die Prignitz hat sich allerdings deutlich verbessert. Im Jahr 2008 verlor sie noch 10 von 1000 Einwohnern, insgesamt etwa 890 Menschen. Im Jahr 2013 waren es nur noch rund drei Einwohner von 1000, zusammengenommen etwa 300 Bewohner.

Hauptsächlich verliert die Prignitz junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren; im Jahr 2013 sind etwa 290 mehr junge Prignitzer weggezogen als im Landkreis hinzu kamen. Aber auch Ältere ab 64 Jahren ziehen weg. Bei Familien und Menschen im Familienalter verzeichnet die Prignitz dagegen ein leichtes Plus. Das reicht aber nicht, um den gesamten Verlust auszugleichen.

Für Ostprignitz-Ruppin sieht es deutlich besser aus. Dort sind zwischen 2008 und 2013 zwar auch rund 1600 mehr Menschen ab- als zugewandert. Der Trend scheint aber gestoppt. Im Jahr 2008 verlor der Kreis noch sechs von 1000 Einwohnern durch Fortzüge (insgesamt 620). Im Jahr 2013 sind dagegen rund 380 mehr Menschen in den Kreis zu- als weggezogen sind.

Ostprignitz-Ruppin hat 2013 nur rund 150 junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren durch Abwanderung verloren. Berufseinsteige, Familien und Ältere sind laut Berlin-Institut dagegen eher zugezogen.

Unabhängig davon nimmt die Einwohnerzahl jedoch ab. Neben den Umzügen müssen auch Geburten und Sterbefälle berücksichtigt werden.

Gerade erst ging eine der wichtigsten Erkenntnisse von Bevölkerungssoziologen durch die Medien: Die jahrelangen Abwanderung aus dem Osten in den Westen scheint weitgehend gestoppt. Erstmals zogen fast genauso viele Menschen aus den alten Bundesländern in die neue wie umgekehrt. Was die Forscher aber auch sagen: Fast nur die großen Städte profitieren davon. Vor allem ehemalige Ossis zieht es jetzt zurück in ihre Heimat. Oft sind das Menschen mit guter Ausbildung, die im Westen Karriere gemacht haben. Die werden dringend gebraucht.

Prignitz und Ostprignitz-Ruppin werben um Rückkehrer

„Mach Mutti glücklich: Komm zurück!“ Mit dieser Postkarte werben Kommunen aus Ostprignitz-Ruppin und Teilen der Prignitz seit einem Jahr um Heimkehrer aus Westdeutschland. Als die Gemeinden die launige Kampagne Ende 2014 gestartet haben, sorgte sie bundesweit für Schlagzeilen. Zeitungen und Fernsehsender berichtet von dem innovativen Versuch, Fachkräfte für den Nordwesten der Mark zu werben. „Viele Kommunen haben so etwas schon probiert“, sagt Peter Wagner von der Inkom, der Wirtschaftsförderung der Stadt Neuruppin. Die Idee aus Neuruppin klang vielversprechend – auch wenn die Macher selbst gar kein Gefühl dafür hatten, wie viele Heimkehrer darauf anspringen würden.

Bewusst setzt die Kampagne auf die Familienbindung. „Warum kommen die Menschen zurück?“, fragt Peter Wagner, der das Projekt mit betreut. „Die Leute kommen vor allem zurück, weil sie hier ihre Familien haben und ihre Freunde.“ So hoch gelobt die Werbeaktion auch war – das Ergebnis klingt auf den ersten Blick etwas ernüchternd: Etwa 70 Heimkehrer haben sich bei der Inkom gemeldet und um Hilfe gebeten bei der Suche nach einem neuen, attraktive Job in der alten Heimat. Aber der Versuch, Menschen zurück aus dem Westen in den Osten zu holen, sei komplexer als gedacht, sagt Wagner. Die Probleme sind sehr verschieden. Da ist zum Beispiel ein hoch dotierter Studienrat in Baden-Württemberg: Der würde zwar gern zurück ins Ruppiner Land kommen, findet hier aber keine adäquaten Stelle. Oder eine junge Familie hat Probleme mit dem Schulsystem in Brandenburg: Kinder aus Bayern etwa gehen schon ab der 5. Klasse aufs Gymnasium – in Brandenburg beginnt das Regelgymnasium erst ab der 7. Klasse. Die Inkom versucht, immer zu helfen.

Vom Zuzug junger Familien profitieren viele Orte

Eines hat Peter Wagner festgestellt, was sich mit der Studie des Berlin-Institutes deckt: Die kleineren Orte sind vor allem für Familien interessant.

Vom Zuzug junger Familie profitieren viele Orte. Leider aber nicht so sehr, dass die generelle Abwanderung damit aufzuhalten wäre. Vor allem alleinstehende junge Leute zieht es in die Städte – und immer mehr auch die Älteren.

Im Westen sind besonders die Großstädte gefragt. Doch im Osten gibt es viel weniger Großstädte als in den meisten alten Bundesländern, sagt Theresa Damm. Diese Rolle übernehmen in Brandenburg zumindest zu Teil auch die größeren Kleinstädte wie Neuruppin. „Die Mittelzentren haben eine wichtige Ankerfunktion“, sagt Theresa Damm.

Mittelzentren halten mit ihren barrierefreien Wohnungen, Kultureinrichtungen, Ärzten, Geschäften und Pflegeheimen die Menschen in der Region. „Aus unserer Sicht sollten sie politisch unbedingt gestärkt werden“, sagt Theresa Damm.

Von Reyk Grunow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bauen & Wohnen


Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg