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Innovative Kooperation in Bad Belzig

Blockheizkraftwerk im Keller statt Strom vom Regionalversorger Innovative Kooperation in Bad Belzig

Das Wohnhaus in der Bad Belziger Karl-Marx-Straße wird gerade saniert. So komfortabel die Quartiere sein mögen: Der Clou steht im Keller. Ein Blockheizkraftwerk, das insgesamt 24 Wohnungen mit Strom und Wärme versorgen wird. Die vom Regionalversorger Edis unabhängige Lösung von Genossenschaft und Stadtwerken ist ein Präzedenzfall.

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Mitarbeiter des Hausmeisterservice Ladislav Schlesinger bei den Fassadenarbeiten am Haus in der Karl-Marx-Straße 6. Die Innovation befindet sich freilich im Keller.

Quelle: Thomas Wachs

Bad Belzig. Wer fleißige Handwerker aus dem Hohen Fläming sehen will, ist in der Karl-Marx-Straße 6 der Kur- und Kreisstadt an der richtigen Adresse. Die Wohnungsbaugenossenschaft 1919 Bad Belzig l(WBG, ehemals GWG) lässt das Gebäude gerade von Grund auf sanieren. Es wurde erst vor einiger Zeit von der Eisenbahnersiedlungsgesellschaft gekauft. Damit ist nicht nur eine Eigentumslücke in der Häuserreihe des Unternehmens geschlossen worden. Vielmehr wird dadurch eine Innovation bei der Versorgung dieser Mehrfamilienhäuser möglich.

Blockheizkraftwerk im Keller

Die Ölheizungen haben dort nach rund zwei Jahrzehnten ausgedient, bestätigt Steffen Tschiersch. Vor allem aber wird die Stromversorgung in Zukunft autark realisiert, so der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende des Unternehmens. Möglich wird dies dank einer Kooperation mit der Stadtwerke-GmbH. Sie installiert im Keller nämlich ein Blockheizkraftwerk, das in Zukunft die insgesamt 24 Wohnungen in den Häusern 2, 4, 6, 8 und 10 mit Strom und Wärme auf der Basis von Erdgas versorgen wird.

Steffen Tschiersch

Steffen Tschiersch.

Quelle: René Gaffron

„Damit ist ein abgetrenntes Stromarealnetz geschaffen“, erklärt Christian Dubiel. Der Stadtwerke-Chef hat somit den Präzedenzfall geschaffen, mit dem die Konzessionsvereinbarung zwischen Kommune und Regionalversorger Edis nach und nach im Wortsinne untergraben werden könnte.

23 Cent je Kilowattstunde

Die in ihrem Minikraftwerk vor Ort erzeugte Elektroenergie von 9,5 Kilowatt nimmt die Genossenschaft gern ab. Zumal der lokale Lieferant verspricht, sich preislich stets an der untersten Grenze der marktüblichen Tarife zu orientieren. Aktuell sind das etwa 23 Cent je Kilowattstunde. Einsparungen sind außerdem bei den Heizkosten prognostiziert. Sie werden laut Steffen Tschiersch ebenfalls bei 20 Prozent sinken.

Seit fast 100 Jahren

Die ursprünglich Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) Bad Belzig gibt es seit 1919. Der Verwaltungssitz befindet sich in Bad Belzig, Karl-Marx-Straße 2 (nahe dem Bahnhof).

Sie zählt derzeit 211Mitglieder. Das entspricht knapp der Zahl der vermieteten Wohnungen. Jedes Mitglied bzw. jeder Mieter ist durch Erwerb von Anteilen zugleich Miteigentümer.

Ihre Immobilien befinden sich in allen Teilen der Kernstadt Bad Belzig (Karl-Marx-Straße, Goethestraße, Friedrich-Schiller-Straße; Weitzgrunder Straße) und in Wiesenburg (Am Stadion), wo in den 90er-Jahren der größte Teil des kommunalen Wohnungsbestandes erworben worden ist.

Vor fünf Jahren ist das Unternehmen in Wohnungsbaugenossenschaft 1990 Bad Belzig umbenannt worden. Die Gemeinnützigkeit besteht fort, darf aber nicht mehr im Namen geführt werden. Seit 2011 ist Steffen Tschiersch der Firmenchef. Vorher war es seine Mutter Irene.

In der Kur- und Kreisstadt gibt es noch die kommunale Wohnungsgesellschaft (Bewog) sowie die Wohnungsgenossenschaft „Klinkengrund“ (ehemals Arbeiterwohnungsgenossenschaft Aufbau).

Mehr als 100.000 Euro lässt sich die Gemeinschaft diese Investition in ihre neue Infrastruktur kosten. Der Geschäftsführer ist zuversichtlich, dass sie sich refinanziert. Dies soll durch die Miete refinanziert werden, die dann statt bei den ortsüblichen knapp fünf Euro je Quadratmeter bei sechs bis sieben Euro je Quadratmeter liegen wird. Alle betroffenen Bewohner hätten nach einer umfassenden Informationsrunde ihr Einverständnis erklärt unter dieser exklusiven Versorgungsmaßgabe mitwirken zu wollen. „Künftig wird sie in den Verträgen fixiert sein“, so Steffen Tschiersch.

Anhaltend gute Nachfrage

Erfüllen sich die Hoffnungen der Genossenschaft ist eine Übertragung auf den zweiten Standort ins Auge gefasst. Im Wohngebiet Am Stadion gibt es gleich vier Blöcke, in denen die ökonomisch und ökologisch Innovation angewendet werden könnte, nachdem die dort einst anvisierte Versorgung via Nahwärmenetz aus den Biogas-Anlagen nie zum Tragen gekommen ist. Die Stadtwerke haben laut Christian Dubiel ebenfalls weitere Partner auf dem Zettel, mit denen sie die Technologie umsetzen wollen. Bislang galt es als das Nonplusultra, dass die in den Blockheizkraftwerken der Stein-Therme anfallende Wärme an die Belziger Wohnungsgesellschaft (Bewog) für die Häuser in der Kurparksiedlung transferiert werden konnte.

Hier wie da sieht Steffen Tschiersch anhaltend gute Nachfrage nach höherwertigem Wohnraum in Bad Belzig. Die Quartiere in der Karl-Marx-Straße 6 – wahlweise bedingt barrierefrei und eher klein oder komfortabel groß – ausgebaut, sind jedenfalls längst vergeben. Im November können Interessierte bei einem Tag der offenen Tür einen Blick hinein werfen. Bleiben die Handwerker im Zeitplan sollen die Mieter noch in der Vorweihnachtszeit ihre neue Bleibe beziehen können.

Von Rene Gaffron

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