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Askania-Brache vor Millionen-Invest

Pläne für riesiges Gelände Askania-Brache vor Millionen-Invest

Erstmals seit langem gibt es ein ernsthaftes Angebot für das Fielmann-Askania-Gelände rund um das Rathenower Rathaus: ein Berliner Projektentwicklungsbüro will für einen zweistelligen Millionenbetrag ein Stadtquartier entwickeln – mit Büros, Geschäften und Wohnungen. Das Besondere: einer der Geschäftsführer der Firma lebt in Rathenow.

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Christian Wernicke vor dem Askania-Block in der Geschwister-Scholl-Straße, der zu dem Gesamtgelände gehört.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Die Suche nach einem Prinzen, der das riesige Areal hinter dem Rathenower Rathaus wachküsst, ist eine unendliche Geschichte. Seit fast zwei Jahrzehnten bemühen sie die Eigentümer der ehemaligen ROW-Askania-Liegenschaft um eine Vermarktung des riesigen, mit diversen Fabrikgebäuden bestellten Areals. Ohne Erfolg. Doch nun hat es den Anschein, als sei ein Prinz gefunden, der das Gelände wachküssen kann.

Christian Wernicke heißt er. Als prinzenhaft mag vielleicht noch sein Aussehen durchgehen. Das, was er im Gespräch erläutert, hat mit Märchenstoff aber reichlich wenig zu tun. Sondern ist Geschäft – hartes, solides Geschäft. Der Rathenower ist Co-Geschäftsführer eines in Berlin ansässigen Projektmanagement-Unternehmens. Wer auf die Internetseite der SMV Bauprojektsteuerung klickt, erkennt bald, dass es sich um eine Firma mit Renommee und besten Referenzen handelt. Bankzentralen, Bürotürme, Konferenzzentren in den deutschen Metropolen wurden von der SMV zur Baureife gebracht, unter anderem steht der Neubau des Bundesinnenministeriums auf der Referenzliste.

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Liegenschaft mit großem Potenzial

„Und was wollen die in Rathenow?“, wird sich manch einer fragen. „Was zieht eine Firma, die in den Hotspots deutscher Großstädte ihre Handschrift hinterlassen hat – am Neumarkt in Köln etwa oder am Leipziger Platz in Berlin – was zieht eine solche Firma in die Rathenower Puschkinstraße?“ Für die Antwort braucht Wernicke nicht lange: „Das Geschäft“, sagt er. „Wir reden hier über eine Liegenschaft mit großem Potenzial.“

Und dann legt er los. Eine fast 30000 Quadratmeter große Fläche im Zentrum einer Kreisstadt, die als Ganzes entwickelt werden kann, das finde man nur noch äußerst selten. Das Besondere an dem Areal zwischen Puschkinstraße, Geschwister-Scholl-Straße und Berliner Straße sei, dass man es komplett erwerben könne. Beide Eigentümer – die Fielmann AG und die Askania-Nachfolger – hätten der Versuchung widerstanden, einzelne Filetstücke des Areals zu veräußern. Das gebe einem Investor die Gelegenheit, das gesamte Gelände städtebaulich zu entwickeln, statt irgendwelche Lücken füllen zu müssen.

Der Innenhof mit Blick auf das 060-Gebäude in der Berliner Straße

Der Innenhof mit Blick auf das 060-Gebäude in der Berliner Straße.

Quelle: Markus Kniebeler

Das will die SMV angehen, gemeinsam mit einem Partnerunternehmen aus München. Auf drei Säulen soll Wernicke zufolge die Entwicklung des Areals ruhen: Wohnen, Gewerbe und Handel. „Uns schwebt ein Innenstadtquartier vor mit Geschäften, Büros und Wohnungen“, sagt der 39-Jährige. Wie genau man das Terrain aufteilen werde, könne er noch nicht sagen. Aber eines sei sicher. „Das 060-Gebäude neben dem Rathaus muss weg“. Dieser Klotz sei für keine der drei genannten Nutzungsarten zu gebrauchen. Die Backsteingebäude hinter dem 060-Riegel könnten dagegen durchaus saniert und in die Entwicklung einbezogen werden.

Noch eine Menge Hausaufgaben zu erledigen

Bis es so weit ist, sind noch eine Menge Hausaufgaben zu erledigen. Ein grundsätzliche Frage ist bereits geklärt. „Fielmann und Askania haben sich dazu bekannt, an einer Gesamtlösung mitzuwirken“, so Wernicke. Jetzt gehe es darum zu klären, was in punkto Altlastensanierung erledigt werden muss. Parallel dazu seien in Zusammenarbeit mit Stadt und Kreis die baurechtlichen Voraussetzungen für solch eine Investition zu schaffen.

Und schließlich seien Verhandlungen mit potenziellen Mietern zu führen. „Wenn wir diese Aufgaben erledigt haben, dann würden wir uns zum Kauf des Areal entschließen“, so Wernicke. Eines will er noch klar stellen. Der Verbleib der Verwaltung im Rathaus sei nie als Bedingung für ein Engagement der SMV in Rathenow formuliert worden. „Ohne Frage wäre es uns lieb, wenn das Rathaus als belebendes Element in der Berliner Straße bliebe“, sagt er. Aber eine Voraussetzung für die Umsetzung des Konzepts sei das nicht.

Einzelhandel im Zentrum

Im Dezember 2014 verabschiedeten die Rathenower Stadverordneten das überarbeitete Einzelhandelskonzept.

Die größte Veränderung zum alten Konzept besteht darin, dass der zentrale Versorgungsbereich, in dem es für den Einzelhandel keine Sortimentsbeschränkung gibt, erweitert wurde. Neu aufgenommen in den zentralen Versorgungsbereich — als so genannte Entwicklungspotenzial-Fläche — wurde das Grundstück neben und hinter dem Rathaus, auf dem die ROW-Ruine (060) und weitere ROW- und Askania-Gebäude stehen. Hier darf sich nun Einzelhandel ansiedeln.

Allerdings hat, wer hier investiert, zwei Bedingungen zu erfüllen. Das Vorhaben — egal ob Neubau oder Sanierung — muss eine städtebauliche Qualität — besitzen. Es darf, zugespitzt gesagt, also kein Blechcontainer hingestellt werden, aus dem heraus verkauft wird. Außerdem muss ein Investor die Anbindung zum Zentrum verbessern.

Von Markus Kniebeler

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