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Künftig im Brandenburger Stadtbad wohnen?

Bauhaus-Architektur Künftig im Brandenburger Stadtbad wohnen?

Sechs Jahre lang hat es gedauert, bis nach temporären Nutzungen und langen Ideenlisten ein ernsthafter Erwerber für das denkmalgeschützte alte Stadtbad gefunden wurde. Überraschung für die Denkmalschützer: Investor Florian Grotmann erhält mehr Bauhaus als erhofft – und schafft wohl Wohnraum.

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Das alte Stadtbad bleibt ein architektonisches Kleinod aus der Bauhauszeit im Stadtbild.

Quelle: Foto: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Das ehemalige Stadtbad hat nach mehreren vergeblichen Versuchen einen ernsthaften Käufer gefunden. Am 21. März soll der Hauptausschuss einem Verkauf des denkmalgeschützten Bauhaus-Ensembles an den Investor Florian Grotmann zustimmen. Dieser zahlt an die Kommune etwa eine Viertelmillion Euro, das entspricht auch dem aktuellen Verkehrswertgutachten. Grotmann will hernach allerdings mehr als zehn Millionen Euro investieren. Er hatte der MAZ gegenüber bereits bestätigt, der einzige ernsthafte Bewerberinteressent zu sein, will aber über seine Pläne erst reden, wenn der Verkauf abgeschlossen ist.

Dem Vernehmen nach soll es überwiegend eine Wohnnutzung geben. Eine geschlossene Bebauung erfolgt auf dem 4000 Quadratmeter großen freien Areal, auf dem in den Planungen von 1930 eine Volksschule als Ergänzung des Wohlfahrtsforums vorgesehen warm, aber nie realisiert wurde. In etwa dem gleichen Baukörper wie damals geplant sollen nun die Wohnungen unterkommen.

Im Alfred-Messel-Bad selbst wird es zahlreiche Eingriffe geben, um den Komplex wirtschaftlich nutzen zu können. Allerdings soll der Erwerber den Denkmalbehörden zugesichert haben, wesentliche, architektonisch bedeutsame Teile wie die komplette Hülle, das Foyer, die Treppenhäuser sowie die Schwimmhalle zu erhalten. Das ist mehr als man erwarten konnte: Vor Jahren hatte der damalige Landeskonservator Detlef Karg noch gesagt, dass es ein großes Glück wäre, wenn man die Hülle und damit die Ansicht und Kubatur erhalten könne. Seit Monaten gebe es intensive Abstimmungen zwischen dem Interessenten, dem Liegenschaftsmanagement GLM und den Denkmalbehörden, ist aus dem Rathaus zu hören, um möglichst viele Elemente der herausragenden architektonischen Qualität zu bewahren.

Erfahrung beim Sanieren

Das Stadtbad wurde errichtet zwischen 1928 und 1930. In der Weimarer Republik ging es sozialreformerisch um ein Programm für Bauten zur „Volksgesundheit“ in größeren Städten mit Allgemeinen Ortskrankenkassen, Schwimmbädern und Sportplätzen.

Die Grundstücksgröße beträgt insgesamt 7400 Quadratmeter, davon bebaut sind 1824 Quadratmeter.

Der Investor Florian Grotmann betreibt in Michendorf/Wildenbruch seine Firma Artetectura.

In Brandenburg an der Havel realisierte er unter anderem den Umbau der alten Kaserne/Kreisverwaltung an der Klosterstraße 28-31 zu Wohnungen, des alten „Hotels zum Bären“ zu einem Ärzte- und Gesundheitshaus sowie das Sanieren des 1928 errichteten Wohnensembles Packhof-/Hammerstraße. Demnächst saniert er auch das Wohnhaus Packhofstraße 28.

Das alte Stadtbad war bis zum Februar 2000 in Betrieb und steht seitdem leer. Es gab zwar kleinere Zwischennutzungen und eine Vielzahl von Nutzungsideen – unter anderem für ein Hotel – doch scheiterten alle Umsetzungsversuche schon vor Beginn. Im Jahr 2009 war das Objekt europaweit und in den beiden vergangenen Jahren jeweils bundesweit ausgeschrieben. Erst als die Verwaltung in ihrer Ausschreibung vom vergangenen September auch eine Wohnnutzung ausdrücklich zuließ, kam es zu dem Erfolg.

Auf der mit Wohnungen zu bebauenden Freifläche gibt es derzeit noch Stellplätze des Brandenburger Theaters, die dann wegfallen würden. Der Investor will an dieser Stelle allerdings eine Tiefgarage errichten. Vertraglich sichert er zu, dass die wegfallenden Stellplätze in dieser Garage ausgewiesen werden und zur Verfügung stehen.

Vor der Entscheidung des Hauptausschusses werden noch die Ausschüsse für Finanzen, Stadtentwicklung sowie Eigenbetriebe in der kommenden Woche mit dem Vorhaben beschäftigt sein.

Von André Wirsing

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