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Leben in einem Fehrbelliner Denkmal

Künstler will alte Schmiede wieder aufbauen Leben in einem Fehrbelliner Denkmal

Eigentlich wollte Tobias Nicklitzsch in der alten Schmiede in Fehrbellin alt werden. Doch wenige Monate, nachdem der 32-Jährige das denkmalgeschützte Haus gekauft hatte, war klar: Das Gebäude ist einsturzgefährdet.

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Im Januar zog Tobias Nicklitzsch in das alte Fehrbelliner Haus. Inzwischen ist es ein provisorisch hergerichtetes Heim.

Quelle: Peter Geisler

Fehrbellin. Die schöne Lage auf einem Hügel mitten in Fehrbellin, das urige Fachwerk, der kleine Hof, in dem die Kinder einmal spielen könnten – als Tobias Nicklitzsch das Haus in der Geschwister-Scholl-Straße 20 zum ersten Mal sah, war er begeistert. Hier wollte er mit seiner Familie leben. Im Dezember 2013 kaufte er das denkmalgeschützte Haus. Im Januar dieses Jahres zog der 32-Jährige mit seiner Familie dort ein. Längst wissen Nicklitzsch und seine Lebensgefährtin: Sie leben mit ihren drei Kindern in einer einsturzgefährdeten Ruine.

Bei der ersten Besichtigung waren Tobias Nicklitzsch die Risse und Ausbeulungen im Gemäuer nicht aufgefallen. „Ein altes Fachwerkhaus sieht eben so aus“, dachte er sich. Der Riesenschock kam erst, als ihm Fachleute bestätigten, dass Kellergewölbe und Westwand noch höchstens drei Jahre stehen werden. Dem Dach gaben die Statiker noch fünf Jahre.

Mit zusammengeliehenem Geld finanzierte Nicklitzsch eine Notsicherung für die besonders maroden Gebäudeteile. Doch jetzt ist er mit seinem Geld am Ende. Völlig undenkbar, dass er die 400 000 Euro, die allein die Sanierung der Gebäudehülle kosten würden, aufbringt.

Die Dauerbaustelle stellt Autofahrer auf eine harte Probe

Die Dauerbaustelle stellt Autofahrer auf eine harte Probe.

Quelle: Peter Geisler

In den vergangenen Monaten hat Tobias Nicklitzsch deshalb mit Denkmalschützern, Vertretern der Gemeindeverwaltung und Fachleuten aller Couleur gesprochen. Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises bescheinigte ihm, dass sein Haus „als letztes erhaltenes Giebelhaus in der Fehrbelliner Altstadt herausragende bau- und stadtgeschichtliche Bedeutung“ hat. Fachleute schätzen, dass das Haus, zu dem einmal eine Schmiede gehörte, zwischen 1770 und 1780 entstanden sein muss. Der Gewölbekeller soll sogar noch deutlich älter sein – möglicherweise noch aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg.

Davon war man auch in der Gemeindeverwaltung beeindruckt. Fachgebietsleiter Rasmus Krebs forschte nach und suchte nach Förderprogrammen, mit denen der Wiederaufbau glücken könnte. Prinzipiell sei möglich, die Sanierung der besonders einsturzgefährdeten Gebäudeteile über die Städtebauförderung zu finanzieren, sagt die Bürgermeister Ute Behnicke. Bei der Sanierung der Westwand und des einsturzgefährdeten Gebäudekellers würden Bund, Land und Gemeinde dann jeweils ein Drittel der Kosten übernehmen. Weitere Details will Ute Behnicke jedoch nicht nennen. Sie möchte erst mit den Mitgliedern des Ortsbeirates und des Hauptausschusses über die Rettung dieses so besonderen Hauses beraten. Am Mittwoch wird die Sanierung des Hauses erstmals Thema im Ortsbeirat sein. Ende August geben die Gemeindevertreter dann ihr Votum ab.

Tobias Nicklitzsch hat inzwischen bereut, bei der Besichtigung des Hauses auf einen Sachverständigen verzichtet zu haben. „Mein Fehler“, sagte der 32-Jährige. „Ich habe in dem Haus ein bisschen gesehen, was ich auch sehen wollte.“ An seinem Traum, seiner Familie ein Zuhause auf dem Land aufzubauen, hält der Student und Künstler dennoch fest. „Als ich das Haus sah, dachte ich, hier will ich alt werden.“

Balken sichern den einsturzgefährdeten Keller

Balken sichern den einsturzgefährdeten Keller.

Quelle: Peter Geisler

Immer tiefer hat sich Nicklitzsch in den vergangenen Monaten in sein Hausprojekt eingearbeitet. Er begann Kunst- und Bildgeschichte zu studieren, ein Fach, das sich mit vielen Fragen des Denkmalschutzes beschäftigt. „Ich will einfach noch besser verstehen“, sagt er. Gemeinsam mit Kommilitonen gründete er den Förderverein „Alte Schmiede“, der für den Erhalt des alten Hauses kämpfen will. Zugleich beauftragte er das Büro, das sich schon mit der Sanierung der Lindower Klosterruine auseinandergesetzt hat, mit dem Erstellen eines Sanierungsplanes. Das Konzept liegt inzwischen vor.

Nicklitzsch weiß, welche Riesenaufgabe vor ihm liegt. Sollte die alte Schmiede tatsächlich mit dem Geld aus der Städtebauförderung vor dem Einsturz gerettet werden, ist nur die Hülle bewahrt. Das Innere des Hauses, das sich Nick-litzsch und seine Lebensgefährtin mit viel Liebe zurechtgemacht haben, müsste auch noch modernisiert werden. Zurzeit lässt sich das Gebäude nicht einmal richtig beheizen. Der letzte Winter, sagt der Hausherr, war anstrengend.

Von Frauke Herweg

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