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Nichts zu mäkeln bei den Maklern

Nach der Einführung des Besteller-Prinzips Nichts zu mäkeln bei den Maklern

Seit einem knappen halben Jahr gilt für Immobilienmakler das Besteller-Prinzip: Wer den Wohnungsvermittler beauftragt, muss ihn auch zahlen, und das ist in der Regel der Vermieter. Anfangs fürchteten viele Makler, ihnen könne das Geschäft wegbrechen, aber in der Region Dahmeland-Fläming laufen die Geschäfte weiterhin gut – denn freie Wohnungen gibt es ohnehin kaum.

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Der Wohnungsmarkt in der Region – vor allem im Speckgürtel – ist angespannt.

Quelle: Oliver Fischer

Dahmeland-Fläming. Die Befürchtungen unter den Immobilien-Maklern waren groß, als vor einem knappen halben Jahr das Besteller-Prinzip eingeführt wurde: Seither müssen nicht mehr die künftigen Mieter für die Vermittlungsdienste des Maklers zahlen, sondern der Vermieter, der den Auftrag erteilt hat. Tatsächlich hat der Branchenverband der Makler IVD kürzlich verlauten lassen, dass vielen seiner Mitglieder das Geschäft eingebrochen sei. Doch in der Region Dahmeland-Fläming scheinen sich die Auswirkungen des neuen Gesetzes in Grenzen zu halten – trotz oder gerade wegen der angespannten Wohnsituation im Speckgürtel.

„Tatsächlich versuchen mittlerweile viele Eigentümer, ihre Wohnungen auf eigene Faust zu vermieten, das merke ich auch“, berichtet Klaus Hummel, der seit 1995 Wohnungen und Immobilien in der Region vermittelt und Mitglied des IVD ist. „Aber ich habe es schon vor der Einführung des Bestellerprinzips so gehandhabt, dass die Courtage zur Hälfte vom Vermieter und zur Hälfte vom Mieter kommt.“ Etwa 30 Prozent seines Geschäfts macht Klaus Hummel mit der Vermittlung von Mietwohnungen.

Hintergrund

Einige Makler versuchen infolge des Bestellerprinzips, die Kosten auf den Mieter abzuwälzen.

Ein beliebter Trick sind sogenannte Lockangebote: Die Traumwohnung ist im Internet inseriert, bei Nachfrage dann aber gerade weg. Der Makler bietet sogleich ein vergleichbares Objekt an – natürlich gegen Provision.

Viele Wohnungen sind mittlerweile auch nicht mehr in für Mieter provisionsfreien Internet-Portalen aufgeführt, sondern auf im Netz gut versteckten eigenen Makler-Homepages. Wer an eine Wohnung kommen will, muss sich erst registrieren und einen Suchauftrag aufgeben.

Auch Kooperationen , bei denen sowohl ein Makler die Provision vom Vermieter und ein weiterer vom Mieter verlangt, sind keine Seltenheit.

Dass sich das Besteller-Prinzip für den Makler aus Rangsdorf und seine Kollegen in der Umgebung nicht stärker auswirkt, hat auch mit der besonderen Situation im Berliner Speckgürtel zu tun: „Hier in der Region haben wir ja die Situation, dass es ohnehin kaum noch freie Wohnungen gibt.“ Aber auch in den ländlichen Gegenden macht sich die neue Gesetzeslage offenbar nicht so stark bemerkbar wie befürchtet: „Es gibt hier ein sehr großes Angebot an freien Wohnungen, wo im Endeffekt ohnehin nicht der Interessent den Makler bezahlt“, sagt Peter Wagner aus Jüterbog, der seit 25 Jahren in der Branche arbeitet. Und wenn, dann werde die Maklercourtage nicht auf die Miete aufgeschlagen: „Das würde ja das Mietpreisniveau verändern“, so Peter Wagner.

Tatsächlich gibt es immer wieder Berichte, wonach Immobilienmakler mit mehr oder weniger legalen Tricks versuchen, ihr Geschäft zu sichern (siehe Infokasten). Doch die Makler in der Region scheinen zu den ehrlichen Vertretern ihrer Zunft zu gehören. „Das größte Problem unserer Mitglieder sind nach wie vor überhöhte Betriebskosten“, erzählt Marlies Skibbe vom Mieterschutzbund Eichwalde, Zeuthen und Umgebung, dem rund 400 Mieter angehören. Die Erfahrung, dass Vermieter die Makler-Courtage durch eine höhere Miete zurückholen wollen, habe man bislang nicht gemacht: „Aber wenn das Problem an uns herangetragen wird, gehen wir dem natürlich nach“, so Marlies Skibbe.

Service

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Den Maklern droht aber noch aus einer anderen Richtung Ungemach: dem Internet. Seit der Einführung des Makler-Prinzips gibt es immer mehr Online-Portale wie zum Beispiel McMakler, Wunderagent oder Immodelfin, die den klassischen Maklern das Geschäft streitig machen. „Für uns in der Region ist das noch keine harte Konkurrenz, aber für die Kollegen im Stadtgebiet mag das anders aussehen“, sagt Klaus Hummel, der IVD-Vertreter aus Rangsdorf. Die Online-Portale arbeiten mit Festpreisen, die unabhängig von der Miete sind. Vermieter können dadurch viel Geld sparen. Wohnungsinteressenten zahlen dagegen bei vielen Wohnungsportalen mit ihren persönlichen Daten: „Die Portale sind so angelegt, dass sich die Vermieter die Daten der Interessenten anschauen und den passenden Mieter aussuchen können“, erklärt Klaus Hummel. „Ich halte das für datenschutztechnisch sehr problematisch.“ Sorgen um seine Geschäftsgrundlage macht sich Hummel nicht: „Die Lage ist zwar komplizierter geworden, aber die soliden Makler werden sich trotzdem halten.“

Das erwartet auch Hummels Lübbener Kollege Dietmar Grünberg: „Zu einer Marktbereinigung wird es wohl kommen, aber das Geschäft streitig machen können uns die Online-Portale nicht“, glaubt Grünberg, der gerne mit der Lage im Spreewald wirbt und viel an Menschen vermittelt, die nach Berlin oder Cottbus pendeln. „Die bringen nicht die gleiche Leistung und die Vermieter wissen das.“ Genau wie Hummel hat auch Grünberg einen festen Kundenstamm und verteilt die Courtage auf beide Parteien: „Wir bieten ja einen Rundum-Service bis zur Unterzeichnung des Mietvertrags und der Wohnungsübergabe. Natürlich können Vermieter das auch selber machen, aber dann haben sie auch die ganze Arbeit.“

Von Martin Küper

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