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Pleiten, Pech und Positives in Potsdam

Kommunaler Immobilienservice zieht Bilanz Pleiten, Pech und Positives in Potsdam

Als „größte Peinlichkeit“ bezeichnet Kis-Werkleiter Bernd Richter das verschobene Richtfest für die neue Da-Vinci-Gesamtschule. Insgesamt blickt der Kommunale Immobilienservice auf kein leichtes Jahr zurück: Wachstum und Flüchtlingskrise werden in Potsdam zur baulichen Herausforderung.

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Da sah alles noch gut aus: Begehung auf der Baustelle der Da-Vinci-Gesamtschule im August 2015.

Quelle: Foto: Schulz

Potsdam. Die Stadt baut auf Plan B und bittet zum Krisengespräch: Kommenden Mittwoch wollen sich der Kommunale Immobilienservice (Kis) und die betroffenen Schulen über eine Notlösung verständen, falls die Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule nach dem Betonpfusch am Neubau nicht rechtzeitig ins Bornstedter Feld umziehen kann. „Wir wollen darauf vorbereitet sein, falls der Termin nicht zu halten ist“, sagte Kis-Werkleiter Bernd Richter am Dienstag bei der Rückschau auf das Jahr 2015.

Offenbar geht der Kis inzwischen selbst nicht mehr davon aus, im Plan bleiben zu können. Denn eigentlich soll erst Ende Januar nach Abschluss aller Gutachten feststehen, wie der Betonschaden behoben werden kann und welchen Einfluss das auf die Gesamtbauzeit hat. Die Panne beim Neubau der Gesamtschule, die pünktlich zum Sommer 2016 von der Haeckelstraße in Potsdam-West in die Esplanade bei der Biosphäre umziehen und am alten Standort einem Gymnasium Platz machen will, sei „die größte Peinlichkeit, die man sich vorstellen kann“, so Richter. Wie berichtet, musste das für den 7. Dezember geplante Richtfest zwei Tage vorher abgesagt werden, weil ein Teil der Betondecke im Foyer nicht fest genug ist. Den Kis treffe nach jetzigem Stand keine Schuld. „Kein Kis-Mitarbeiter hat den Beton angerührt“, betont Richter. Ob Regressforderungen an die ausführende Firma gestellt werden, sei noch offen. Heruntergerissen und komplett erneuert werden müsse die Decke wohl nicht. „Da stürzt nichts ein“, versichert Richter. „Wenn wir die Schule in Portugal gebaut hätten, wäre es nicht so schlimm.“ Die Richtwerte für Betonfestigkeit lägen in Deutschland über dem EU-Standard und die gelte es einzuhalten.

Einen verschobenen Termin hat der Kis bereits auf seiner Negativliste: Das Haupthaus des Helmholtz-Gymnasiums wird erst zum Beginn des Schuljahres 2016/17 fertig – ein Jahr später als geplant. Gründe sind der Fund von giftigem DDT im Dach sowie Planungs- und Ausführungsfehler. Das Planungsteam sei daraufhin komplett ausgetauscht worden, so Richter.

90 Prozent fließen in die Bildungsinfrastruktur

Der Ausbau der Bildungsinfrastruktur im stetig wachsenden Potsdam war Hauptaufgabe des Kis in diesem Jahr: Rund 90 Prozent der Gesamtausgaben von 38,4 Millionen Euro wurden in Schulen, Kitas und Horte investiert. Zu den zentralen Vorhaben zählt das Humboldt-Gymnasium, dessen endgültige Fertigstellung für das vierte Quartal 2016 geplant ist. Die Sanierung des Schulcampus Babelsberg mit Goethe-Grundschule und Bertha-von-Suttner-Gymnasium wurde bereits abgeschlossen.

Im neuen Jahr fließen 43,5 von insgesamt 48,8 Millionen Euro Baumitteln in die Bildungsinfrastruktur. Im Herbst 2016 sind der Baustart der neuen Schule Am Stern sowie der Neubau der Grundschule Bornim vorgesehen. Avisierte Fertigstellung: 2018/19. Durch den starken Zuzug sowie den Zustrom an Flüchtlingen sei die Schulbedarfsplanung von 2014, die derzeit umgesetzt wird, aber nicht ausreichend, so Richter: „Keiner wünscht sich die Probleme anderer ostdeutscher Kommunen, aber das Wachstum zu meistern, ist Potsdams größte Herausforderung.“ Mindestens zwei weitere Grundschulen würden benötigt. Als Standorte in Babelsberg sind die Glasmeisterstraße und die Sandscholle im Gespräch. Für die Potsdamer Mitte werden sieben Standorte diskutiert. Auch eine zusätzliche weiterführende Schule könnte nötig werden.

Unterbringung von Flüchtlingen teurer als geplant

Parallel zur Schulplanung beschäftigt den Kis vor allem die Unterbringung von Flüchtlingen. „Das ist uns bislang gelungen, wenn auch unter einigen Mühen“, so Richter. Die eingeplanten zwei Millionen Euro reichten aber nicht aus: 2015 haben sich die Kosten für den Bau von Flüchtlingsunterkünften durch den Kis verdoppelt. Fünf Unterkünfte, darunter die Leichtbauhallen in der Sandscholle wurden bereits in Betrieb genommen. Die Hallenstandorte Drewitz und Neu Fahrland öffnen Anfang 2016. „Das wird nicht reichen. Wir werden weitere Standorte entwickeln müssen“, kündigt Richter an. Die Kritik, die Hallen in Neu Fahrland, seien in eine Erdgrube gesetzt worden, weist er weiter zurück: „Das ist übliche Terrassenbauweise um ein Gefälle auszugleichen.“ Dass es beim Aufstellen der Gemeinschaftszelte oft zu Verzögerungen komme, sei nicht die Schuld des Kis. „Der Markt ist überreizt“, so Richter. Den Firmen fehle in der bundesweiten Flüchtlingskrise oft das nötige Personal.

Positiv: Fast zwei Jahre nach dem Auszug in die Benkertstraße werden Bedürftige wieder direkt auf dem Verwaltungscampus der Stadt Potsdam versorgt. Ende September wurde dort das neue Gebäude der Suppenküche eröffnet.

Zehnjähriges Bestehen

Der Kommunale Immobilienservice (Kis) als Eigenbetrieb der Landeshauptstadt Potsdam feierte 2015 sein zehnjähriges Bestehen.

Im Dezember 2004 hatte die Stadtverordnetenversammlung die Gründung des Kis beschlossen, der im Januar 2005 seine Arbeit aufnahm.

Alle Gebäude , die zuvor dezentral von einzelnen Fachämtern verwaltet worden waren, wurden damit unter dem Dach des Kis in einem Eigenbetrieb der Stadt vereint.

160 Mitarbeiter , darunter rund 100 Hausmeister und -warte, arbeiten beim Kis.

400 Schulen , Kitas, Sportanlagen, Jugend- und Kultureinrichtungen sowie Verwaltungsgebäude gehören zum Kis. Das Anlagevermögen beträgt rund 327 Millionen Euro.

Eine neue Software bekam der Kis in diesem Jahr. Über 4000 technische Anlagen wie Brandschutzanlagen oder Aufzüge mussten in das neue System eingearbeitet werden.

15 000 Rechnungen und 7000 Auftragsvergaben wurden digital bearbeitet.

Von Marion Kaufmann

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