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Potsdam bekämpft illegale Aufschüttung

Mit Bagger im Niedermoorbiotop Potsdam bekämpft illegale Aufschüttung

Im Naturschutzgebiet Obere Wublitz im Potsdamer Ortsteil Marquardt wird wieder gebaggert. Die Stadt entfernt in Ersatzvornahme eine 800 Kubikmeter umfassende illegale Aufschüttung, die von den Eigentümern 2011 und 2012 auf dem Grundstück verteilt worden ist. Dabei wurde seinerzeit ein empfindliches Niedermoorbiotop zerstört.

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Eingang zum Grundstück an der Wublitz.

Quelle: Christel Köster

Marquardt. Auf dem umstrittenen Grundstück an der Wublitz in Marquardt wird wieder gebaggert. Im Auftrag der Stadt werden nach MAZ-Informationen 800 Kubikmeter Erde und Schutt abgetragen, die im Auftrag der Eigentümer 2011 und 2012 angefahren und verteilt wurden. Mit der illegalen Aufschüttung in einer Dicke von bis zu zwei Metern im Naturschutzgebiet Obere Wublitz wurde laut Naturschutzbund (Nabu) wertvolles Niedermoor zerstört.

Der Umweltfrevel beschäftigte den Umweltausschuss und war Gegenstand von Gerichtsverfahren. Ein gegen die Eigentümer eingeleitetes Strafverfahren vor dem Amtsgericht wurde in ein Ordnungswidrigkeitsverfahren übergeleitet und endete schließlich im Februar 2014 mit der Verurteilung zu einer Geldbuße von 3500 Euro. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Eigentümer, ein Ehepaar, gegen Bauordnung und Bundesumweltgesetz verstoßen hatten.

Rathaussprecher Jan Brunzlow wollte sich am Dienstag auf MAZ-Anfrage nicht zu dem Vorgang äußern. Er verwies auf das „laufende Verfahren“. Nach MAZ-Informationen erfolgt die Beseitigung des Materials auf Grundlage des Urteils, mit dem die Eigentümer dazu verpflichtet wurden. Offenkundig sind sie dem nicht in vollem Umfang nachgekommen.

Am Montag soll noch einmal ein Vororttermin mit dem Gericht stattgefunden haben, bei dem sich dieser Eindruck bestätigt habe. Die Stadt handle nun in Ersatzvornahme und werde den Eigentümer das in Rechnung stellen. Wie zu erfahren war, sollen die Arbeiten Ende dieser, spätestens Anfang der nächsten Woche abgeschlossen sein. Die Grundstückseigentümer waren am Dienstagabend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bei den illegalen Arbeiten 2011 und 2012 sollen neben der Aufschüttung und Entwässerung von Land Bäume gefällt und ein Schilfgürtel gerodet worden sein. Der entstandene Schaden ist nach Einschätzung von Experten des Nabu auf Jahre nicht wieder gut zu machen. Das empfindliche Niedermoor sei so sehr zerstört, dass es nur mit beträchtlichem Aufwand renaturiert werden könne. Gleiches gelte für den breiten Röhrichtgürtel, der herausgerissen und ausgebaggert worden sei.

Der Gerichtsprozess nahm immer wieder überraschende Wendungen. So bestritten die Angeklagten, dass ihr Grundstück überhaupt im Schutzgebiet „Obere Wublitz“ liegt. Dem Sachverständigen des Landesumweltamtes unterstellten sie Befangenheit. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst angekündigt, Freiheitsstrafen von mehreren Monaten zu beantragen. Eine Geldstrafe sollte nur in Betracht kommen, wenn die Angeklagten sich „nach Kräften“ bemühten, den Schaden wieder gut zu machen.

Das Naturschutzgebiet Obere Wublitz

Die Obere Wublitz zwischen Uetz und Marquardt wurde bereits 1986 mit einer Fläche von 101 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Gebiet erstreckt sich in den Niederungsbereichen der Wublitz von den nördlichen Ufern des Schlänitzsees bis zur Bundesautobahn 10.

Die Wublitz ist ein Zulauf der Havel mit breiten Verlandungsbereichen, bestehend aus Schwimmblattgesellschaften, Röhrichten, Großseggenbeständen, Weidengebüschen und Erlenbrüchen sowie Feuchtwiesen.

Sie ist unter anderem Brutplatz zahlreicher auch gefährdeter Wasser- und Sumpfvogelarten sowie ein bedeutender Rastplatz für Zugvögel.

Ein Nachspiel fand der Prozess mit der Abberufung des ehrenamtlichen Naturschutzhelfers und Gebietsbetreuers Horst Koj im Frühjahr 2014 durch die Stadt. Er hatte den Prozess mit einer Anzeige ins Rollen gebracht und der Verwaltung Untätigkeit vorgeworfen. Abberufen wurde er nach eigenen Angaben wegen des Vorwurfs, in dem Streit „Privates und Geschäftliches“ vermischt zu haben. Die Stadt ließ diesen Vorgang seinerzeit unkommentiert.

Von Volker Oelschläger

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