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Potsdam verzichtet für Wohnqualität auf Geld

Festpreis statt Höchstpreis Potsdam verzichtet für Wohnqualität auf Geld

Grundstücksverkäufe sind eine Haupteinnahmequelle der Stadt, doch nicht immer verkauft Potsdam Bauland zu Höchstpreisen. Im Bornstedter Feld gehen jetzt fünf Grundstücke zu Festpreisen an Bauherrengemeinschaften, die auch selbst die Nutzer sind. Sie kommen ohne fremde Bauträger und ohne Makler billiger an ihre Wunsch-Eigentumswohnung als üblich.

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Dieses Holzhaus soll 70 Prozent weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Neubauten.

Quelle: CoHousing Berlin

Bornstedter Feld. Bauen in Baugemeinschaften liegt im Trend. Denn die Preise für Eigentumswohnungen steigen kontinuierlich, und immer mehr Interessenten suchen nach Möglichkeiten, trotzdem Ihre Wohnvorstellungen zu erfüllen. Das gemeinsame Bauen bietet viele Vorteile: Die Baugruppenmitglieder können Einfluss auf die Gestaltung der eigenen Wohnung, das Wohnumfeld und die verwendeten Materialien nehmen. Die zukünftigen Nachbarn lernen sich bereits in der Planungsphase des Hauses kennen. Und Bauen in einer Gemeinschaft passiert zum Selbstkostenpreis: Es gibt keine Bauträger und Makler, die Gewinne abschöpfen und so die Preise in die Höhe treiben. Bauen wird also auch für Menschen mit nicht ganz so dickem Portemonnaie möglich.

Deshalb vergeben die Stadt Potsdam und der Entwicklungsträger Bornstedter Feld erstmals fünf Grundstücke im Bornstedter Feld zum Festpreis an Baugemeinschaften. Die Flächen sind zwischen 880 und 1307 Quadratmeter groß und kosten zwischen 240 und 333 Euro je Quadratmeter.

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Der Wettbewerb dazu ist abgeschlossen; vier Baugemeinschaften sind aus einer Bewerbergruppe von acht gefunden. Sie haben nun vier Monate Zeit, um letzte Details zu klären und ihre Gruppe zu vervollständigen. Erst dann wird der Kaufvertrag unterschrieben. Entstehen werden bis voraussichtlich Frühjahr 2018 etwa 40 neue Wohnungen in fünf verschiedenen Häusern an der Hermann-Kasack-Straße direkt am Volkspark, darunter ein Haus in Passivstandard sowie ein Haus in Holzbauweise.

Das Neue an dieser Art der Vergabe ist, dass nicht der Preis, sondern das Gesamtkonzept ausschlaggebend für den Zuschlag war. „Der Schwerpunkt wurde erstmals auf Kriterien wie das Wohn- und Nutzungskonzept sowie städtebauliche und ökologische Qualität gelegt“, sagt Erik Wolfram, Bereichsleiter für Stadtentwicklung. Man wolle diese Form von bezahlbarem Wohnungsbau weiter fördern.

Der Wettbewerb hatte drei Stufen: Zunächst mussten interessierte Gruppen ihre Projektideen skizzieren und ein tragfähiges Finanzierungskonzept nachweisen. Diese Ideen wurden anschließend konkretisiert. Danach hat eine Auswahlkommission der Stadt und des Entwicklungsträgers die Konzepte bewertet und eine Auswahl getroffen. Die bedeutet für die Stadt aber auch erhebliche Einnahmeverluste, denn sie gibt das Bauland nicht mehr an den Höchstbietenden ab. Auch ist der Verwaltungsaufwand deutlich größer, weil es mehr beteiligte Parteien gibt. Für die Stadt ist die Festpreisvergabe an Bauherrengruppen aber ein Weg, den Wohnungsbau im Eigentumsbereich wieder erschwinglicher zu machen.

Wohnen im Park belegt gleich zwei Grundstücke

Wohnen im Park belegt gleich zwei Grundstücke. Die Wohnungsgröße in den beiden Häusern ist variabel, so dass noch nicht feststeht, ob es sechs oder sogar zwölf Wohnungen pro Haus gibt.

Quelle: Thomas Tritschler

Das Projekt Wohnen am Park belegt gleich zwei Grundstücke mit zusammen rund 2500 Quadratmetern. Die unterkellerten Gebäude haben drei Etagen und zwei bis vier Wohnungen je Stockwerk; jede hat einen Balkon oder eine Terrasse. Der Quadratmeterdurchschnittspreis beträgt 2800 Euro. Je nach Lage kostet eine 65-Quadratmeter-Wohnung ab 174000 Euro. Die 109 Quadratmeter großen Wohnungen sind ab 289000 Euro zu haben. Es wird großzügige Spielbereiche für Kinder und private Gärten geben.

Die CoHousing Berlin GbR für gemeinschaftliches Bauen und Wohnen errichtet ein dreistöckiges Holzhaus mit acht bis zehn Wohnungen, die zum Selbstkostenpreis von 2750 bis 3100 Euro je Quadratmeter entstehen, abhängig von der Lage: am preiswertesten unten, am teuersten oben. Holz gilt als ökologischer und voll recyclebarer Werkstoff, der in Faserrichtung genauso tragfähig ist wie Beton und damit belastbarer als Stahl. Der Rohbau ist in einem Viertel der sonst üblichen Zeit zu errichten. Die Baustelle ist trocken und sauber; Baufeuchteprobleme gibt es im Holzbau nicht. Holz ist zudem extrem strahlenabweisend und bestens geeignet für Allergiker.

Das Passivhaus von Herka 4 soll dank regenerativer Energiequellen 70 Prozent weniger Energie verbrauchen als ein herkömmlicher Neubau

Das Passivhaus von Herka 4 soll dank regenerativer Energiequellen 70 Prozent weniger Energie verbrauchen als ein herkömmlicher Neubau.

Quelle: Herka 4

Die Herka 4 Passivhaus Baugemeinschaft wirbt mit dem Slogan „Nie wieder Heizkosten!“ und plant ein Passivhaus mit zusätzlicher Nutzung regenerativer Energiequellen wie Solarthermie und Photovoltaik. Durch eine perfekte Isolierung und dreifach Verglaste Fenster werden die thermischen Verluste auf ein Minimum reduziert. Die tief stehende Sonne im Winter kann ins Gebäude dringen und die Wohnungen aufheizen. Im Sommer wird das Eindringen der Sonne und somit ein Aufheizen durch die Architektur verhindert. Die Belüftung der Räume erfolgt über eine hocheffiziente Lüftungsanlage welche mit einer Wärmerückgewinnung ausgerüstet ist.

Durch diese Maßnahmen soll es möglich werden, den Wärmebedarf fürs Heizen, Duschen und Baden gegenüber dem derzeit gesetzlich geltenden Standard um rund 70 Prozent zu senken. Der Basisbedarf an Strom für die zehn bis zwölf Wohnungen wird über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt.

Fünf Wohnungen hat das nicht unterkellerte Familienhaus am Waldpark, das das kleinste Grundstück belegt. Während bei den anderen Gemeinschaften noch Mitglieder gesucht werden, ist diese bereits voll. Zehn Erwachsene mit acht Kindern werden hier leben. Der Energiebedarf soll bei 70 Prozent eines konventionellen Neubaus gleicher Größe liegen. Der Gemeinschaftsgarten wird zu einem Teil nach den Gestaltungsideen des berühmten Bornimer Staudenzüchters Karl Foerster konzipiert. Die Gesamtkosten inklusive des Kaufs liegen bei 2800 Euro je Quadratmeter.

„Die Qualität der Gewinnerbeiträge hat uns überzeugt. Wir konnten im Verfahren sehen, wie die Projekte immer besser wurden. Bemerkenswert waren die verschiedenen Herangehensweisen und die Individualität der verschiedenen Projekte“, sagt Thomas Nolte, Bereichsleiter Entwicklung und Neubau beim Entwicklungsträger.

Von Rainer Schüler

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