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Potsdams Dörfer trumpfen auf

Dialoge zur Zukunft im ländlichen Raum Potsdams Dörfer trumpfen auf

Klein, aber oho – das sind Potsdams eingemeindete Dörfer. Oft fühlen sich die Bewohner aber von der großen Stadt nicht ernst genommen. Für ihre Belange können sie nun ganz offiziell auftrumpfen. Die Stadt bittet die Ortsteile an einen Tisch, um eine zukunftsweisende Strategie für die Entwicklung des ländlichen Raums auszutüfteln. Es gibt konkrete Wünsche.

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Stahnsdorf soll dörflich bleiben

Die Marquardter Ortsvorsteherin Ramona Kleber trägt das Bekenntnis für ihr Dorf für jedermann sichtbar am Revers.

Quelle: Nadine Fabian

Marquardt. Zur Stadtentwicklung, das haben die Stadtverordneten vor gut einem Jahr mit einen Beschluss unterstrichen, gehört auch der ländliche Raum – und davon hat Potsdam eine Menge, seit 1993 und 2003 etliche Dörfer mit ihren Feldern, Wiesen, Gärten, Parks und Obstplantagen in die Landeshauptstadt eingemeindet wurden. Aufbauend auf bestehenden Konzepten wie dem Flächennutzungs- oder dem Schulentwicklungsplan tüfteln die Experten im Rathaus seit Monaten an einer Strategie für die Zukunft der Ortsteile. Dabei holen sie sich auch all jene an den Tisch, die die Dörfer rund um Potsdam aus dem Effeff kennen: die Ortsvorsteher und die Bewohner.

Nach diversen Werkstattgesprächen sind nun zwei Bürgerdialoge an der Reihe. Die erste Runde für Marquardt, Fahrland, Neu Fahrland, Groß Glienicke, Grube, Satzkorn und Uetz-Paaren fand sich am Donnerstagabend in der Marquardter Kulturscheune zusammen. Rund 60 Interessenten kamen, um Anregungen, Sorgen und Bedenken auszutauschen – und auch, um einmal aufzutrumpfen, denn allzu oft fühlt man sich in den Ortsteilen von der großen Stadt abgehängt und nicht ernst genommen. So munkelte Fahrlands Ortschef gar von einer Mimikri-Veranstaltung. Er erhoffe sich nichts von dem aufwendigen Projekt.

Im Fokus der moderierten Workshops – am kommenden Dienstag, 15. März, ist der Dialog mit Golm, Eiche, Nedlitz, Bornim und Bornstedt angesetzt – stehen drei Themenkomplexe: Verkehr und Mobilität, Struktur und Funktion des Ortsbildes sowie Landwirtschaft, Obstanbau, Naherholung und Tourismus. Die Hinweise der Rand-Potsdamer sollen in die Strategieplanung eingearbeitet und bei einer Bürgerversammlung im Juni erneut besprochen werden.

Die MAZ hat sich am Rande des ersten Strategiegesprächs bei den Ortsvorstehern umgehört und sie nach ihren drei größten Problemen und Wünschen für ihr Dorf gefragt.

Fahrland, 3866 Einwohner (Stand 31.12.2014)

Claus Wartenberg

Claus Wartenberg

Quelle: Nadine Fabian

Ortsvorsteher Claus Wartenberg wünscht sich für Fahrland...

1. Ein Straßenbahnanschluss für Fahrland – am besten bis zur Schule – ist für unseren wachsenden Ortsteil die einzige vernünftige Lösung, denn mit dem Zuzug läuft auch der individuelle Personenverkehr immer stärker auf.

2. Eine vernünftige Versorgung ist ebenfalls ein großer Wunsch. Wir haben immerhin ein 800-Quadratmeter-Multilädchen, das demnächst erweitert werden soll, aber auch das ist zu wenig.

3. Die ärztliche und medizinische Versorgung gehört auch zu einer funktionierenden Infrastruktur. Die Fahrländer werden älter – ich begrüße mitunter 70-Jährige, die sich ein Einfamilienhaus gekauft haben und zuziehen. Apropos Zuzug: Eine Gesamtschule im Norden – ich betone: hinter dem Kanal! – ist unumgänglich. Die Stadt muss bauen – auf dem Acker in Fahrland ist genug Platz.

Neu Fahrland, 1563 Einwohner (Stand 31.12.2014)

Carmen Klockow

Carmen Klockow.

Quelle: Nadine Fabian

Ortsvorsteherin Carmen Klockow wünscht sich für Neu Fahrland...

1. Die fehlende Nahversorgung ist unser größtes Problem. Jeder sollte fußläufig die Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen können.

2. Die Randgebiete – Neu Fahrland ist sehr zerklüftet und von der B2 geradezu zerschnitten – müssen besser erschlossen werden, zum Beispiel durch einen Rufbus. Anwohner müssen zum Teil zwei Kilometer weit bis zur Bushaltestelle laufen – das machen Sie mal mit schweren Einkaufstaschen!

3. Die Verkehrsberuhigung auf der B2 ist unabdingbar, am besten wäre einen Umgehungsstraße. 22000 Fahrzeuge passieren Neu Fahrland am Tag, dabei ist die B2 wegen ihrer Breite nur für 20000 Fahrzeuge zugelassen.

Satzkorn, 425 Einwohner (Stand 31. 12. 2014)

Susanna Krüger

Susanna Krüger.

Quelle: Nadine Fabian

Vize-Ortsvorsteherin Susanna Krüger wünscht sich für Satzkorn...

1. Die Belastung durch ansässige Betriebe und durch den damit verbundenen Lkw-Verkehr ist unser Hauptproblem. Die Straße ist kaputt, die Anwohner leiden unter dem Lärm. Wir wünschen uns, dass Straßenschäden repariert werden und die Betriebe die Betriebszeiten einhalten.

2. Die geplante Bio-Abfall-Vergärungsanlage macht uns großen Kummer. Beide Standorte, die im Gespräch sind, befinden sich zu dicht an der Wohnbebauung – dabei ist eine starke Umwelt- und Geruchsbelastung zu erwarten; durch Bakterien und Schimmelpilze in der Luft könnten Anwohner krank werden.

3. Der Bus fährt nur alle Stunde, am Wochenende noch seltener, deshalb hoffen wir auf den Ausbau des Bahnhofs in Marquardt. Die Straße dorthin braucht aber unbedingt einen ordentlichen Radweg – es ist dort durch den Lkw-Verkehr sehr gefährlich.

Groß Glienicke, 4201 Einwohner (Stand 31. Dezember 2014)

Winfried Sträter

Winfried Sträter

Quelle: Nadine Fabian

Ortsvorsteher Winfried Sträter wünscht sich für Groß Glienicke...

1. Der Uferweg am Groß Glienicker See soll frei zugänglich und durchgängig öffentlich werden – wir wünschen uns, dass die Stadt entsprechende Kapazitäten zur Verfügung stellt, um das durchzusetzen, also zum Beispiel das Stundenkontingent der Uferbeauftragten erhöht.

2. Durch die B2 sind wir stark vom Verkehr betroffen. Alternativen wie Radwege und der Ausbau des ÖPNV sind zu stärken. Wenn man die Tram bis Krampnitz plant, sollte man jetzt auch eine Trasse für eine gesonderte, vom Autoverkehr unberührte Busspur nach Groß Glienicke frei halten.

3. Die Situation des Sports ist eine Katastrophe. Der Sportplatz platzt aus allen Nähten und ist von den Anwohnern mit Klagen wegen Lärmbelästigung überzogen worden. Wir brauchen ein Sport- und Veranstaltungszentrum am Ortsrand. Die Vorplanungen haben zum Glück schon begonnen.

Grube, 442 Einwohner (Stand 31. Dezember 2014)

Rolf Sterzel

Rolf Sterzel.

Quelle: Nadine Fabian

Ortsvorsteher Rolf Sterzel wünscht sich für Grube...

1. Der Schwerlastverkehr ist aus dem Ort zu verbannen. Die Zustände auf der Wublitzstraße – ein Teil der Landesstraße 902 – sind unhaltbar. Die Anwohner leiden unter Lärm, Erschütterungen und sonstigen Immissionen. Die Strecke wird als Schleichweg zur Umgehung der neuen Maut-Strecke auf der B273 genutzt.

2. Der Bus 612 war unsere direkte Verbindung zum Hauptbahnhof, aber die Linie ist gekappt worden. Nur ein Bus am Morgen fährt noch zum Hauptbahnhof. Alle anderen zur Kirschallee, wo das Umsteigen besonders für unsrer Schulkinder abenteuerlich wird. Der Bus soll wieder so fahren wie vor der Fahrplanänderung.

3. Die Wege nach Nattwerder und Schlänitzsee sind hin und müssen dringend saniert werden.

Uetz-Paaren, 437 Einwohner (Stand 31. Dezember 2014)

Jens König

Jens König.

Quelle: Nadine Fabian

Vize-Ortsvorsteher Jens König wünscht sich für Uetz-Paaren...

1. Die Sanierung der Paarener Kirche als Zentrum des Dorfes und des gesellschaftlichen Lebens ist ein großer Wunsch – es gibt anderweitig keinen Raum, in dem sich die Paarener treffen können.

2. Die Verbesserung des Zusammenlebens zwischen Uetz und Paaren – immerhin schon Anfang der 1960er Jahre fusioniert – ist überfällig und mittels eines Fuß- und Radweges auf dem Falkenrehder Weg zu fördern. Die Stadt sollte den Weg – die kürzeste Verbindung zwischen den Orten – nutzbar machen, unterhalten und erhalten.

3. Spielplätze müssen her – für beide Dörfer!

Marquardt, 1172 Einwohner (Stand 31. Dezember 2014)

Ramona Kleber

Ramona Kleber

Quelle: Nadine Fabian

Ortsvorsteherin Ramona Kleber wünscht sich für Marquardt...

1. Der Bahnhof muss ein multimodaler, behindertengerechter Umsteigepunkt werden. Busse sollen direkt heranfahren, so dass Passagiere bequem wechseln können. Auch ein Park&Ride-Platz ist wünschenswert. Die Bahn fährt 12Minuten zum Potsdamer Hauptbahnhof. Wir träumen davon, dass wir via Elstal mit dem Berliner Hauptbahnhof verbunden werden und dass auch der Zug aus Hennigsdorf hier hält.

2. Eine weiterführende Schule ist in einem Nord-Ortsteil unabdingbar – am besten bei uns. Unsere Schüler fahren bis Babelsberg und zum Stern.

3. Die Nahversorgung ist quasi nicht existent. Jeder sollte fußläufig einkaufen können.

Von Nadine Fabian

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