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Potsdams Kleingärten sind bedroht

Interessantes Wohnbauland Potsdams Kleingärten sind bedroht

Immer wieder verschwinden in Potsdam Kleingärten von der Landkarte, zuweilen ganze Sparten. Grund ist der Bebauungsdruck. Private Eigentümer vor allem wollen mehr verdienen als die niedrige Kleingartenpacht. Aber auch die Stadt hat Interesse, Wohnbauland zu schaffen.

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Gartenidylle am Horstweg in Babelsberg, doch möchten die privaten Eigentümer am Rande dieser Sparte und also auch auf dieser Parzelle Wohnungen bauen. Derzeit ist das chancenlos.

Quelle: Rainer Schüler

Potsdam. Immer wieder werden in Potsdam Kleingärten platt gemacht für Wohnbau- und Gewerbeland; der Druck von Eigentümern, Garten- in Bauland umzuwandeln, hält an. Derzeit sind nach Angaben der Stadt 33 Kleingartenanlagen teilweise oder sogar gänzlich von einer Umwandlung in teures Bauland oder nicht ganz so teures Erholungsland bedroht, bei dem die Pachten aber erheblich über denen für Kleingärten liegen.

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Es geht um fast eine Million Quadratmeter, also eine Fläche von einem mal einem Kilometer: 38 Prozent der gesamten Kleingartenfläche der Landeshauptstadt. Hier wäre Bauen möglich, wenn auch meistens nur in Randbereichen. Verhindern könnte man es durch Bebauungspläne, die eine faktische Nichtbebaubarkeit festlegen, oder durch Veränderungssperren. Sollte es für Kleingartenland allerdings schon Baurechte geben, wäre die Sicherung des Gartenlandes durch Sperren oder Nichtbebauungspläne riskant, weil die Eigentümer dann Entschädigung fordern könnten. Der Verband der Garten- und Siedlerfreunde (VGS) oder einzelne Sparten könnten die bedrohten Flächen ja auch kaufen, um sie zu behalten, rät die Stadtverwaltung an.

Schwund im Garten

Seit 1985 hat der Verband der Garten- und Siedlerfreunde (VGS) Potsdam 25 Prozent der von ihm unterverpachteten Kleingärten verloren.

Das sind 340 Parzellen, vor allem in den Sparten „Selbsthilfe“, „Moosgarten“ und „Käthe Kollwitz“. Der Verein „Müllergrund“ wurde total platt gemacht. Stark geschrumpft wurde zugunsten von massiver Wohnbebauung auch die Sparte Berliner Vorstadt 1927. 2012 wurde zusammen mit der Stadt eine Kleingartenentwicklungskonzeption beschlossen, die besagt, dass bis zum Jahr 2022 keine Kleingärten überplant werden dürfen.

Der am Horstweg bedrohte Verein „Süd-West“ wird in diesem Jahr 105 Jahre alt. Der Verein „Angergrund“ ist 1979 gegründet worden als Ausgleich für Verluste beim Bau der Schnellstraße und der Fernwärmetrasse.

 

Sie legt jetzt den Stadtverordneten eine Mitteilungsvorlage zur „Sicherung von Potsdams Kleingärten“ vor, die keine klaren Worte darüber findet, wie bedrohte Gärten wirkungsvoll zu sichern wären. Bei der knappen Hälfte aller Parzellen, die städtischer Besitz sind, darf nichts in Bauland umgewandelt werden, doch beim übergroßen Rest in Privathand gibt es offenbar keine verlässliche Methode. So wird für die aktuell gefährdeten Kleingartenanlagen „Süd-West“ und „Angergrund“ am Horstweg lediglich der „Verhandlungsprozess zwischen Gartennutzern und Eigentümern begleitet und eine abgestimmte Aufgabenstellung für die Ausweitung der vorbereitenden Untersuchungen für das Gebiet vorbereitet.“ Hier haben Privatleute die Spartenflächen aufgekauft und wollen sie in Randbereichen bebauen. Das ist Bestandteil von Untersuchungen des Babelsberger Sanierungsträgers „Stadtkontor“, der hier ein Gebiet vom Horstweg bis zur Friedrich-Engels-Straße entwickeln möchte; die Teilüberbauung der beiden Sparten ist ein Teil dieser Pläne. Auf der anderen, der östlichen Seite des Horstweges, sind fast alle Kleingärten bereits beseitigt worden.

Auf der östlichen Seite des Horstweges mussten bereits zahlreiche Gärten aufgegeben werden zugunsten von Wohnbebauung

Auf der östlichen Seite des Horstweges mussten bereits zahlreiche Gärten aufgegeben werden zugunsten von Wohnbebauung.

Quelle: Rainer Schüler

Hier ging die Sparte Nr. 57 „Selbsthilfe“ verloren, während die Nachbarsparten „Moosgarten“ (Nr. 47), „Süd West“ (Nr.60) und „Angergrund“ (Nr.17) im Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt als Dauerkleingärten festgeschrieben wurden. Nach Einschätzung der Linken reichen die FNP-Einstufungen nicht, denn durch die Bebauung von Nachbargrundstücken entstehen neue Baurechte. Auch fechten Eigentümer Pachtverträge an, die vor der Wende geschlossen wurden.

Von Rainer Schüler

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