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Privater Park für Springer-Chef Döpfner

Streit um Pfingstberg in Potsdam Privater Park für Springer-Chef Döpfner

Der erbitterte Streit um den Pfingstberg in Potsdam könnte bald beigelegt sein. Die Stadt hat folgenden Vorschlag: Springer-Vorstand Mathias Döpfner bekommt einen Teil des Pfingstbergs zur Privatnutzung. Im Gegenzug würde er den Park und die marode Villa Schlieffen wiederherstellen. Aber auch auf die Stadt käme bei dieser Variante ein riesiger Brocken zu.

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Unterhalb der Villa Henckel, die Döpfner gehört, erstreckt sich der Park. Einen Teil davon soll der Springer-Chef privat nutzen dürfen.

Quelle: MAZ

Nauener Vorstadt. Kommt der Dauerzoff um Park der Villa Henckel am Pfingstberg endlich doch noch zu einem gütlichen Ende? Die Stadtverwaltung hat am Dienstag einen Lösungsvorschlag präsentiert, der am kommenden Mittwoch im Hauptausschuss diskutiert werden soll. Seit Monaten gibt es ein zähes Tauziehen rund um die Frage, wie groß die öffentliche Parkfläche ist, die Springer-Konzernchef Döpfner über sein eigenes Grundstück rund um seine Villa Henckel hinaus nutzen darf, und wie er sein eigenes Grundstück und das öffentliche Parkgrundstück künftig nutzen darf.

Besucher bleiben vor dem Zaun – mit Blick auf Eidechsenbrunnen

In der von der Verwaltung favorisierten Variante würde der Zaun, der die öffentliche Fläche von der Döpfner-Fläche trennt, unterhalb des efeubewachsenen Hangs verlaufen. „So wären der wiederherzustellende Eidechsenbrunnen und die Efeutreppe innerhalb der Einfriedung geschützt, ohne deren Sichtbarkeit zu beeinträchtigen“, sagte Stadtplanungschef Andreas Goetzmann. Die Fläche wäre 5500 Quadratmeter groß – also kleiner als ein Fußballfeld.

Damit würden noch 44 000 Quadratmeter zur öffentlichen Nutzung bleiben plus 3000 Quadratmeter um die Villa Schlieffen.

Der Deal: Döpfner finanziert die Sanierung der Villa Schlieffen

Auf den ersten Blick ein super „Deal“: Denn bei dieser Variante würde Döpfner – so wie mit der Schlösserstiftung vertraglich vereinbart – dennoch für die Sanierung des ganzen Gartendenkmals der Villa Henckel aufkommen. Außerdem würde der Springer-Vorstand die Sanierung der maroden Villa Schlieffen auf dem Areal finanzieren.

Aber: Die Stadt müsste bei dieser Variante tief ins Stadtsäckel greifen und bei den künftig anfallenden Pflege- und Unterhaltungskosten im öffentlich nutzbaren Park kräftig zahlen. Je weiter die Sanierung des Parks voranginge, desto teurer wäre es für die Stadt: von anfangs etwa 100 000 Euro pro Jahr auf jährlich 215 000 Euro jährlich.

Ein neuer Zugangsweg erschließt den Park für Besucher

Die schrittweise Wiederherstellung des Parks würde sechs Jahr dauern. Ziel sei, dass bereits während der Arbeiten zur Wiederherstellung die Zugänglichkeit der Parkanlage „in einem möglichst weiten Umfang wieder gewährleistet“ wird, so Goetzmann.

Ergänzend zur historischen Wegeführung soll im nördlichen Bereich eine neue Wegeanbindung geschaffen werden. Sie ist gegenüber von Kades Restaurant am Pfingstberg an der Oberen Großen Weinmeisterstraße geplant.

Der „Döpfner-Zaun“ wird 1,70 Meter hoch sein

Aber auch am Ende der Sanierung wird der Park umfriedet bleiben. Getreu dem historischen Vorbild soll es an der unteren Großen Weinmeisterstraße eine Sockelmauer mit Zaun geben, die auch die Villen Lepsius und Quandt umfassen soll. Spaziergänger kommen durch Tore aufs Gelände. Der „Binnen-Zaun“, der künftig den öffentlichen Park von der Döpfner-Fläche trennen soll, wird aus einem Stabgitter bestehen. Voraussichtliche Höhe: 1,70 Meter.

„Die von Goetzmann vorgeschlagene Variante ist eine, die von der Stiftung mitgetragen würde“, sagte der Sprecher der Schlösserstiftung, Frank Kallensee, gestern in einer ersten Reaktion.

In der Anlage zur Beschlussvorlage für die Stadtverordneten heißt es zudem, dass eine Kernfläche rund um Döpfners Privatgrundstück herum „in eine langfristige private Nutzung überführt werden soll, ausgeprägt in der Form eines Erbbaurechtes seitens der Schlösserstiftung an die MDB“, heißt es in der Anlage zur Beschlussvorlage für die Stadtverordneten. Die MDB Vermögensverwaltung KG gehört Mathias Döpfner. Weiter heißt es in dem Papier: „Diese Fläche ist nominell um circa 7000 Quadratmeter größer als die im Bebauungsplan zeichnerisch festgesetzte Fläche.“ Es geht dabei unter anderem um hausnahe Teile des Parkdrives, die Zuwegung zum Wegerondell und die zum Bachlauf gehörende Teichanlage. Bislang war immer nur von einem Nießbrauchrecht für Döpfner die Rede.

Bürgerinitiativen, „Die Andere“ und die Linke sehen den Deal kritisch

Am 14. Januar gab es einen Gesprächstermin der Verwaltung mit den beiden Bürgerinitiativen und Fraktionsvertretern. Während die Grünen laut Goetzmann bereits ihr Einverständnis mit der Kompromiss-Variante signalisierten, hätten die Bürgerinitiativen und die Vertreter der Linken-Fraktion sowie der Fraktion „Die Andere“ anders lautende Vorstellungen formuliert. „In der Beratung ist mehrfach und intensiv die Forderung von mindestens zwei der Initiativen vorgetragen worden, dass der Vertrag zwischen der Schlösserstiftung und der MDB buchstabengetreu und unmittelbar umgesetzt werden solle, mit Wahrnehmung der darin übernommenen Investitionsverpflichtung und zugleich unter Wahrung der ebenfalls dort formulierten Anerkenntnisses der Festsetzung des Parks als öffentliche Parkanlage und der Zusicherung der Beachtung dieser Nutzungseinschränkung.“

Von Ildiko Röd

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