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Rathaus bleibt bei Absage zum „Minsk“

Kitastreit in Potsdam Rathaus bleibt bei Absage zum „Minsk“

Potsdams Verwaltung bleibt dabei, dass für eine Kita im früheren Terrassenrestaurant Minsk am Brauhausberg kein Bedarf bestünde. Die Linke und namhafte Trägergesellschaften von Potsdamer Kindertagesstätten hatten die Stadt angesichts einer dramatisch gewachsenen Nachfrage zur Wiederaufnahme der Gespräche aufgefordert.

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Die Ruine des Terrassenrestaurants „Minsk“ am Potsdamer Brauhausberg.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. Trotz angespannter Situation bleibt die Verwaltung dabei, dass das frühere Terrassenrestaurant „Minsk“ am Brauhausberg nicht für eine Kindertagesstätte geeignet ist. Es habe „zahlreiche Gründe gegeben, die gegen einen derart großen Standort am Brauhausberg gesprochen haben“, so Rathaussprecher Jan Brunzlow am Donnerstag auf Anfrage: „Einerseits sind Kitas dieser Größe in Potsdam Einzelfälle und aus der Erfahrung heraus ist bekannt, das Eltern lieber kleinere Einrichtungen bevorzugen. Zudem sind im Umkreis bereits zwei Kitas vertraglich gebunden. Eine dritte, vor allem in dieser Größe, wird an diesem Standort nicht benötigt.“

Wie berichtet, hatte der Landessportbund 1,5 Millionen Euro für den Erwerb der Immobilie geboten. Weitere 3,5 Millionen Euro sollten in den Umbau zur sportbetonten Kindertagesstätte investiert werden. Sozialdezernentin Elona Müller-Preinesberger teilte jedoch im Juli 2015 mit, dass kein Bedarf an einer Kita dieser Größe bestünde. Seitdem ruht das Verfahren. Stadtwerkesprecher Stefan Klotz teilte mit, dass die Stadtwerke das Grundstück verkaufen wollten. Der Ertrag soll in die Finanzierung des Badneubaus fließen. Den „späteren Umgang mit dem ,Minsk’“ habe „der künftige Käufer zu veranlassen“, so Klotz. Eine Zeitschiene nannte er nicht.

Das in den 1970er Jahren errichtete „Minsk“ gilt als herausragendes Zeugnis der DDR-Architektur. Ein Antrag der Initiative Pro Brauhausberg auf Aufnahme in die Denkmalliste wurde 2011 zwar vom damaligen Leiter für Stadterneuerung und Denkmalpflege, Oliver Graumann, befürwortet, scheiterte aber am Landesamt. Die Pläne des Landessportbundes galten als letzter Vorstoß zur Rettung des Baus, der voraussichtlich Wohnungen weichen soll.

Stadt bekommt 1000 weitere Kita-Plätze

Mehr als 1000 neue Kita-Plätze sollen in diesem und dem nächsten Jahr in Potsdam entstehen. In diesem Jahr sind laut Rathaussprecher Jan Brunzlow 423 Plätze an sechs Standorten geplant, im nächsten Jahr 607 Plätze an 423 Standorten.

Allerdings ist es möglich, dass das nicht reicht. Denn vor wenigen Wochen musste das Jugendamt feststellen, dass im laufenden Kitajahr fast 600 Kinder bis zum sechsten Lebensjahr mehr in der Stadt leben, als mit der jährlich aktualisierten Kita-Bedarfsplanung sowieso schon prognostiziert war. Dort ging man von einem Zuwachs von 210 Kindern aus.

Brunzlow bestätigte, dass die Stadt die aktuelle Richtlinie zur Refinanzierung von Kita-Neubauten für Kita-Träger prüfen lasse. Wirtschaftsprüfer ermittelten, ob die darin veranschlagten Summen angemessen oder nicht angemessen sind. Im Ergebnis solle mit den Trägern über eine neue Kita-Finanzierungsrichtlinie gesprochen werden.

Die aktuelle Kita-Finanzierungsrichtlinie, deren Regelungen von namhaften Trägergesellschaften in Potsdam teilweise kritisiert werden, ist erst seit 2013 in Kraft. Die vorherige Richtlinie war fast acht Jahre gültig.

Zum Thema wurde das „Minsk“ in dieser Woche im Zusammenhang mit einer Alarmmeldung des Jugendamtes, nach der im laufenden Kitajahr unter anderem durch Zuzüge fast 600 Kinder bis zum sechsten Lebensjahr mehr in die Stadt gekommen sind, als sowieso schon geplant. Das Amt warnte, dass möglicherweise „nicht für jedes Kind fristgemäß“ ein Betreuungsplatz verfügbar sei. Die Linke und eine Gruppe namhafter Kita-Trägergesellschaften haben deshalb eine Wiederaufnahme der Gespräche über ein Kita im „Minsk“ gefordert.

Von Volker Oelschläger

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