Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
SPD auf Distanz zu Heuers „Mercure“-Plan

Debatte zu Potsdams Lustgarten geht weiter SPD auf Distanz zu Heuers „Mercure“-Plan

Am Tag danach ist es einsam geworden um Pete Heuer, den stellvertretenden Fraktionschef der Potsdamer SPD-Fraktion. Am Dienstag war er mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit gegangen, das umstrittene „Mercure“-Hotelhochhaus durch einen langgezogenen Dreigeschosser an der Breiten Straße zu ersetzen.

Voriger Artikel
Barrikaden gegen Baumfällung in Potsdam
Nächster Artikel
Mercure: Linke will Bürgerbefragung erzwingen

Potsdams SPD-Fraktionsvize Pete Heuer zwischen Landtagsschloss und „Mercure“-Hotelhochhaus.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam/Innenstadt. Am Tag danach war SPD-Fraktionsvize Pete Heuer kleinlaut. An Dienstag hatte er für die SPD den Vorschlag in die Öffentlichkeit gebracht, den Konflikt um das „Mercure“-Hotel zu entschärfen, indem man den Eigentümern ein günstiges Grundstück nahe dem aktuellen Standport zur Verfügung stellt, auf dem sie zwar nicht in die Höhe, dafür aber zwischen Breiter Straße und Lustgarten in die Länge bauen können.

Als erster meldete sich am Mittwoch Heuers Fraktionschef Mike Schubert: Der Vorschlag des Bauexperten Heuer sei am Montagabend in der Fraktion zwar vorgestellt und dann lebhaft diskutiert worden. „Pete Heuer sucht mit seiner Idee nach einem möglichen Kompromiss“, sagte Schubert. Allerdings mache sich die Fraktion diesen Vorschlag nicht zu eigen, indem sie ihn als Änderungs- oder Ergänzungsantrag in die laufende politische Debatte bringt.

Morgenluft witterte der Fraktionschef der Linken, Hans-Jürgen Scharfenberg, der am Mittwoch im Hauptausschuss vor weiteren Abstimmungen eine Bewertung von Heuers Vorschlag durch Experten forderte. Heuer selbst äußerte sich dort allerdings nicht noch einmal zu seinem Plan. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) erklärte schließlich auf mehrfaches Nachfragen Scharfenbergs: „Es war ein interessanter Vorschlag, finde ich, den kann man noch mal mit diskutieren und vielleicht gegenüber den Eigentümern noch mal ins Gespräch bringen, aber es ist ein Vorschlag und nichts weiter und von daher – eine interessante Facette.“

Die Eigentümer hatten den Vorschlag da bereits abgelehnt. Hoteldirektor Marco Wesolowski erklärte schon kurz nach der Veröffentlichung gegenüber MAZ: „Der Eigentümer lehnt den Vorschlag des SPD-Fraktionsvizevorsitzenden Pete Heuer kategorisch ab. Die Eigentümerseite erwägt weder einen Flächentausch noch einen Abriss und Wiederaufbau des ,Mercure’- Hotels Potsdam City an anderer Stelle.“

Abgelehnt wurde von einer Ausschussmehrheit am Mittwochabend die Forderung Scharfenbergs, die Entscheidung auf die nächste Sitzung zu vertagen und vor der Abstimmung weitere Experten anzuhören. Der Linken-Fraktionschef schimpfte, es sei „unerhört“, dass eine so wichtige Sache „im Schweinsgalopp“ abgehandelt werde. Abgelehnt wurde auch der Antrag der Linken auf Bürgerbefragung.

Wie zuvor den Finanz-, den Bau- und den Umweltausschuss passierte die Verwaltungsvorlage zur Änderung der Sanierungsziele für den Lustgarten am Mittwochabend auch den Hauptausschuss mit den Stimmen der Rathauskooperation und der kleinen bürgerlichen Fraktionen.

Jakobs mahnte vor der Abstimmung, damit werde entschieden, ob die künftige Gestaltung des zentralen Platzes in der Hand der Stadt oder aber bei ausländischen Kapitalgesellschaften in London oder New York liege. Wer das „Mercure“ in seiner jetzigen Gestalt erhalten wolle, „möge doch einen Antrag stellen, es unter Denkmalschutz zu stellen“. Diese Forderung habe er „aber noch nicht gehört“, so der Oberbürgermeister. Er wies auch die Warnung Scharfenbergs zurück, mit dem Beschluss werde noch vor Klärung der Finanzierbarkeit Tatsachen geschaffen.

In der politischen Öffentlichkeit stieß Heuers Vorschlag am Mittwoch überwiegend auf Ablehnung. Die Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ erklärte, der „Heuer-Plan“ mache die „,Mercure’-Abrissdebatte vollends absurd“. Mit dem vorgeschlagenen Bauwerk würde der Lustgarten „massiv verstümmelt“ und die „wichtige Sichtbeziehung vom Marstall zum Brauhausberg zerstört“.

Auch die Bauexpertin Saskia Hüneke (Bündnisgrüne) warnte: „Der Vorschlag mag wirtschaftlich interessant sein – aber städtebaulich ist er verheerend.“ Der Neubau würde nicht nur den Lustgarten von der Innenstadt trennen, sondern zudem die Sicht von den südlichen Lustgarten-Grundstücken vor dem Bahndamm auf die Altstadt versperren.

Die Bürgerinitiative „Plantage“ um den für die historische Innenstadt engagierten Architekten Christian Wendland forderte, „alle Überlegungen zum Lustgarten auf Eis zu legen, solange es keine Einigung mit den Verantwortlichen des umstrittenen Gebäudes gibt“.

Von Volker Oelschläger, Ildkio Röd und Nadine Fabian

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bauen & Wohnen


Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg