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So unterschiedlich sind die Wohn-Nebenkosten

Teuer leben in Brandenburg So unterschiedlich sind die Wohn-Nebenkosten

Jahrelang kannten die Nebenkosten nur eine Richtung: nach oben. Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt – zum Beispiel wegen des günstigeren Öls. Doch eine Studie des Verbands BBU zeigt: Die Nebenkosten unterscheiden sich erheblich. Es gleicht einem Glücksspiel, ob man viel oder wenig für Müll, Wasser, Strom oder Heizung zahlen muss.

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40 Prozent der Miete müssen die Brandenburger inzwischen für Nebenkosten aufbringen. Hauptpreistreiber sind die Energiekosten

Quelle: dpa

Potsdam. Über Jahre hinweg kannten die Nebenkosten für Mieter und Hausbesitzer nur eine Richtung: nach oben. Inzwischen hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr entspannt, was vor allem an den gesunkenen Energiepreisen liegt. Das geht aus einer Untersuchung des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) hervor. „Dass die Preise für Energie auf breiter Front sinken, ist natürlich positiv für die Mieterinnen und Mieter“, sagte BBU-Chefin Maren Kern. Inakzeptabel und auch nur schwer verständlich sei dagegen, dass es regional sehr starke Unterschiede bei den Betriebskosten gibt.

Teures Gas in Wildau, günstiges Heizen in Blankenfelde

Beispiel Erdgas: In Perleberg (Prignitz) werden dafür 53,27 Euro pro Megawattstunde fällig, in Wildau (Dahme-Spreewald) sind es 63,67 Euro, in Templin (Uckermark) gar 73,54. Erheblich auch die Differenzen bei der Fernwärme: 115,46 Euro zahlen Mieter in Oranienburg (Oberhavel) pro Megawattstunde, 96,40 Euro dagegen die Menschen in Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming).

„Die Preise haben ein erstaunliches Eigenleben entwickelt“, sagte Maren Kern. Während etwa der Heizölpreis im Fünfjahresvergleich deutlich gesunken sei, sei der Bezug von Erdgas um rund drei Prozent gestiegen, die Strompreise sogar um 20 Prozent. „Man kann hier kein nachvollziehbares Muster erkennen“, so Kern. „Der Energiemarkt funktioniert nicht stabil. Die Preisentwicklung hat mehr mit der Politik als mit Angebot und Nachfrage zu tun.“

So setzen sich die Wohnkosten zusammen

3377 Euro beträgt die Nettokaltmiete pro Jahr für eine 60-Quadratmeter-Wohnung in Brandenburg im Schnitt.

78 Euro werden für die Grundsteuer fällig.

264 Euro kosten Wasser und Abwasser.

749 Euro betragen die Heizkosten.

803 Euro fallen an Stromkosten an (2500 kWh im Jahr).

464 Euro machen die weiteren, sogenannten kalten Betriebskosten aus (Hausmeister, Winterdienst, Müllabfuhr etc.).

Müllabfuhr: Preisunterschiede von fast 100 Prozent

Wie aber erklären sich die großen Preisunterschiede? Zum einen liegt es schlicht an den Tarifen, die die großen Wohnungsunternehmen, die im BBU organisiert sind, mit den Versorgern abschließen. Mal ist die Grundgebühr höher, dort dafür der Arbeitspreis, anderswo ist es umgekehrt. Und zum Teil sind die Leistungen, die abgerechnet werden, auch nur schwer miteinander vergleichbar, wie Ulf Wisniewski vom BBU erläutert.

Beispiel Müllabfuhr: 58,13 Euro pro Kubikmeter werden in Kyritz, Neuruppin, Wittstock laut BBU fällig. In Bernau oder Eberswalde sind es 29,41 Euro pro Kubikmeter. Laut Wisniewski spielen ganz verschiedene Faktoren bei der Preisbildung eine Rolle: Unterschiedliche Fahrwege, Abrechnung nach Gewicht oder Volumen, Sperrmüllentsorgung – all das fließt in die Gebühren mit ein. Mit Kritik an überhöhten Gebühren hält sich der BBU deswegen zurück.

Studie führt zu mehr Transparenz

Dennoch: Seit der umfangreiche Preisvergleich vor zehn Jahren eingeführt wurde, sei die Bereitschaft der Kommunen und Entsorger gewachsen, sich an der Erhebung zu beteiligen, heißt es beim BBU. Das habe zu mehr Transparenz geführt, so Maren Kern. „Die regionalen Unterschiede sind noch erheblich, aber sie haben deutlich abgenommen. Wir sehen das als Erfolg unserer Arbeit.“

40 Prozent der Mietbelastung in Brandenburg machen inzwischen die Nebenkosten aus. Sie könnten durch politische Entscheidungen in Zukunft weiter steigen, befürchtet Kern. Beim Neubau seien noch strengere Dämmvorschriften zu berücksichtigen, obwohl der Nutzen vernachlässigbar sei, so Kern. „Da kommen bei einem Haus schnell zehntausend Euro zusätzlich zusammen.“

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Extreme Nachteile für Mieter wegen Energiesteuer

Andererseits gebe es Steuerbelastungen mit „extremen finanziellen Nachteilen“ für die Mieter. Nämlich dann, wenn Wohnungsunternehmen eigene Heizkraftwerke betreiben. Ab einer gewissen Schwelle wird nämlich Gewerbesteuer fällig. „Es ist völlig unbegreiflich, dass unsere Unternehmen steuerlich abgestraft werden, wenn sie sich für saubere Energie einsetzen“, klagte Kern. Dem BBU gehören rund 350 Unternehmen in Berlin und Brandenburg mit 1,1 Millionen Wohnungen an.

Von Torsten Gellner

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