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Solardach – nur leicht erhöhte Brandgefahr

Fraunhofer-Wissenschaftler haben Risikopotenzial der Module untersucht Solardach – nur leicht erhöhte Brandgefahr

Immer wieder kommt es zu Bränden an Photovoltaik-Anlagen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg haben zusammen mit dem TÜV Rheinland die berichteten Fälle systematisch ausgewertet und können entwarnen. Insgesamt sei das Risiko gering, sagt Projektleiter Hermann Laukamp.

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Hermann Laukamp, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme.

Quelle: privat

Potsdam. Durch Berichte über Brände an Solaranlagen sind manche Hauseigentümer verunsichert. Ist es mit Gefahr verbunden, sich die Module aufs Dach montieren zu lassen? Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg haben die bisherigen Brandfälle untersucht und sehen keinen Grund zur Beunruhigung.

MAZ: Gibt es eine erhöhte Brandgefahr durch Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach?

Hermann Laukamp: Jede elektrische Anlage bringt eine gewisse Gefahr mit sich. Das gilt auch für Photovoltaik-Anlagen. Das Risiko ist allerdings nicht besonders groß. Wir haben Meldungen von solchen Bränden systematisch ausgewertet und dabei für den Zeitraum von 2005 bis 2011 nur elf Vorfälle registriert, bei denen Gebäude dadurch zerstört wurden.

Aus welchen Ursachen kann es zu einem Feuer kommen?

Laukamp: Es kann sich entweder um Produktfehler oder Installationsmängel handeln. Schlecht ausgeführte Lötstellen in den Modulen können auf Dauer heiß werden und dann entwickelt sich dort ein sogenannter Lichtbogen. In Ausnahmefällen kann daraus ein Brand entstehen. Ähnlich ist es, wenn es beim Anschluss von Modulen zu Wackelkontakten kommt.

Gibt es bestimmte Module, bei denen solche Fehler vor allem auftreten?

Laukamp: Am häufigsten waren ältere Produkte betroffen, meist aus der Zeit von 2002 bis 2007, das heißt vor dem Beginn der eigentlichen Massenproduktion. Danach sind fehlerhafte Lötstellen noch seltener, weil es eine vollautomatisierte Produktion mit verbesserter Mängelkontrolle gab.

Und welche Arten von Installationsfehlern tauchen auf?

Laukamp: Entweder werden die Module bei der Montage beschädigt oder Steckverbindungen werden nicht richtig ausgeführt, direkt am Modul oder beim Anschluss an den Wechselrichter. Zu Fehlern ist es teilweise gekommen, wenn unerfahrene Installationstrupps Anlagen im Akkord angeschlossen haben.

Was kann der Bauherr tun, um sich zu schützen?

Laukamp: Wichtig ist es, die Photovoltaik-Anlage im Blick zu behalten. Ein Warnzeichen ist es, wenn ein Leistungsabfall unter ansonsten gleichen Bedingungen beobachtet wird. Dann sollte ein Fachmann die Anlage inspizieren. Man kann auch die Module selbst beobachten und prüfen, ob es Verfärbungen oder Anzeichen für eine Erhitzung gibt.

Sollte eine regelmäßige Inspektion durchgeführt werden?

Laukamp: Wir empfehlen das. Größere, gewerbliche Anlagen sollten einmal jährlich überprüft werden. Bei privaten Anlagen ist es etwa alle drei bis vier Jahre sinnvoll. Der Fachmann kann mit der Infrarotkamera schon erste Anzeichen einer Erwärmung erkennen.

Welche Gefahren für Feuerwehrleute bestehen durch die Solaranlagen?

Laukamp: Da kursierten in der Vergangenheit übertriebene Warnungen vor Stromschlag. Wie bei jeder anderen Elektroinstallation kann man Photovoltaik-Anlagen auch mit Wasser je nach Löschwerkzeug aus fünf Metern Entfernung sicher löschen. Ist ein Dach allerdings dicht mit Modulen belegt, dann kommt das Löschwasser nicht so effektiv an den Brandherd. Das dürfte allerdings kein wesentlicher Aspekt sein, weil das Gebäude dann sowie schon schwer beschädigt ist.

Zusammengefasst, wie viel Grund zur Sorge besteht?

Laukamp: Jedenfalls nicht so viel, dass man sich von einer Entscheidung für eine Photovoltaik-Anlage abhalten lassen sollte. Schließlich betreiben wir trotz deutlich höherer Gefahr unbedenklich ein Auto, das mit hochbrennbarer Flüssigkeit angetrieben wird. Und die meisten Brände im Haus werden durch Wäschetrockner, Geschirrspüler und Haartrockner verursacht.

Von Ulrich Nettelstroth

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